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„Wir müssen noch mehr an der Investment Readiness der Teams arbeiten.“

Dr. Ute Günther Dr. Ute Günther, Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND)
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Dr. Ute Günther ist Vorstand von BAND und Vize-Präsidentin von Business Angels Europe (BAE). BAND engagiert sich für den Aufbau der Business Angels Kultur in Deutschland, organisiert den Erfahrungsaustausch und fördert Kooperationen. Business Angels beteiligen sich sowohl mit Kapital als auch mit Know-how an jungen, innovativen Start-ups.                                                        

Frau Dr. Günther, was halten Business Angels von EXIST?

Dr. Günther: EXIST-Teams sind für Business Angels sehr interessant, weil sie als Ausgründungen aus Hochschulen in der Regel mit innovativen Ideen auf den Markt kommen. Damit gehören sie genau zur Zielgruppe der Angel-Investoren. Hinzu kommt, dass bei EXIST-Gründerstipendium und EXIST-Forschungstransfer die technische Entwicklung und die Erstellung des Businessplans Hand in Hand gehen. Und wenn die Teams darüber hinaus bereits gegründet haben, ist das für einen Business Angels schon ein wichtiges Indiz, dass sie ein gewisses „Standing“ mitbringen.

Worauf achten Business Angels besonders?

Dr. Günther: Wir erleben immer wieder bei jungen Gründerinnen und Gründern, dass betriebswirtschaftliche Fragen vernachlässigt werden. Das sorgt bei der Investorensuche für Schwierigkeiten. Ein Unternehmensgründer muss einfach wissen, mit welchen Umsätzen und Kosten er rechnen muss. Dieses Basiswissen fehlt oft. Bei EXIST-geförderten Teams ist das in der Regel anders. Die werden viel früher an die Anforderungen des Finanzierungsmarktes – und eben auch der unternehmerischen Praxis –  herangeführt. 

Sind Business Angels auf bestimmte Märkte oder Branchen fokussiert?

Dr. Günther: Nein. Da gibt es keinerlei Ausschlusskriterien. Business Angels setzen in erster Linie aufs Team. Ist da „Leidenschaft drin“? Bündelt es unterschiedliche Kompetenzen? Da spielt die Branche eher keine Rolle. Auch die Höhe des Kapitalbedarfs steht nicht im Vordergrund. Meist wird angenommen, dass es für kapitalintensive Start-ups schwieriger ist, ein ausreichendes Investment durch Business Angels zu erhalten. Aber das stimmt nicht immer. Business Angels schließen sich zusammen, bilden Syndikate  und wenn dann noch zum Beispiel der High-Tech Gründerfonds dazu kommt, kommen doch recht hohe Summen zusammen. 

Sie sagen, dass EXIST-Teams schon gut aufgestellt sind, um Investoren für sich zu gewinnen. Wo hakt es noch?

Dr. Günther: Ich glaube, wir müssen insgesamt noch mehr an der Investment Readiness der Teams arbeiten. Damit meine ich keine Infoveranstaltungen für Gründerinnen und Gründer zum Thema „wie pitche ich am besten“. Nein, meines Erachtens müssen wir hier wesentlich praxisbezogener vorgehen, indem wir Learning-by-doing-Einheiten anbieten: Assessment-Center-Trainings vor Kapitalgebern. Gründerinnen und Gründer wissen vielfach nicht und können es auch nicht wissen, worauf es Business Angels wirklich ankommt. Wir sollten ihnen daher genauer vermitteln, welche Fragen Business Angels stellen, wie sie vorgehen, um ein neues Unternehmen kennenzulernen, welche Referenzen sie erwarten sie und welche Unterlagen sie haben möchten. Durch die Simulation realer Investmentpitches könnten wir die Start-ups noch besser vorbereiten und ihre Finanzierungschancen verbessern.

Haben Sie noch einen Tipp für die Investoren-Suche?

Dr. Günther: Ja. Aber der Tipp geht weniger in Richtung Start-ups, als vielmehr in Richtung Infrastruktur und Transparenz. Die ganz große Aufgabe, um die wir uns alle kümmern müssen, ist die engere Verzahnung zwischen den Akteuren im Markt, die sich um den Aufwuchs innovativer junger Unternehmen kümmern und wir müssen für mehr öffentliche Wahrnehmung sorgen. Wir brauchen Case Studies, die aus der Praxis kommen, die den Start-ups zeigen, was ihnen abverlangt, aber auch, was es ihnen bringt z.B. mit INVEST, mit EXIST und einem Angel Investor im Boot. Anhand von Fallbeispielen ließe sich auch zeigen, wie das erfolgreiche Zusammenspiel der Finanzierungsinstrumente für Start-ups aussehen könnte: Crowd, Business Angels und VCs als Partner in der Finanzierungskette. Oder wie man sich als junges Unternehmen trotz vieler Investoren schlank aufstellen kann?