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"Train the Teacher  - Entrepreneurship Education weiterentwickeln"

Christian Greiner Christian Greiner
© Projektträger Jülich/A. Damaschun

Coneeect (eee = educating entrepreneurship educators) ist ein internationales universitäres Netzwerk für Dozenten und weitere Lehrkräfte. Im Rahmen des EU-geförderten Programms sollen Unterrichtspraktiken für eine ganzheitliche und nachhaltige europaweite Entrepreneurship Education entwickelt werden. Dazu fanden von 2013 bis 2015 Workshops statt. Für die Entwicklung und Umsetzung der Workshopreihe war das SCE der Hochschule München federführend zuständig. Über die bisherigen Erfahrungen und zukünftigen Schritte von coneeect berichten Christian Greiner von der Hochschule München und Karen Böhme vom Projektträger Jülich im folgenden Interview.

Herr Greiner, was verbirgt sich hinter Coneeect?

Greiner: Coneeect ist ein internationales Netzwerk, zu dessen Partnern die Hochschule München, die University of Aberdeen, das ISEMI Entrepreneurship College Tel Aviv, die Sofia Univarsity St Kl. Ohridski, die PEEP Platform for Entrepreneurship Education in Portugal und der Projekträger Jülich, Berlin, gehören. Unser Ziel ist es, mit Unterstützung aus Mitteln der Europäischen Union, einen Beitrag zur Etablierung und Verbesserung der Entrepreneurship-Lehre zu leisten. Dazu haben die Netzwerk-Partner von Coneeect von 2013 bis 2015 fünf einwöchige Workshops in München, Aberdeen, Sofia, Tel Aviv und Lissabon durchgeführt.

Karen Böhme Karen Böhme
© Projektträger Jülich/A. Damaschun

Wer hat an diesen Workshops teilgenommen und warum?

Böhme: Das war eine bunt gemischt Truppe aus 19 Ländern. Insgesamt haben 50 Entrepreneurship-Dozenten, Doktoranden und Gründungsberater im Alter von 25 bis 75 Jahren teilgenommen. Viele von ihnen sind vor Ort an ihren Hochschulen in Sachen „Entrepreneurship" immer noch als „Einzelkämpfer“ unterwegs und haben zum Teil große Schwierigkeiten das Thema voranzutreiben. Andere wiederum kamen von Hochschulen mit einer gut ausgeprägten Gründungskultur und haben in den Workshops den Austausch mit Gleichgesinnten gesucht, um sich mit neuen Trends wie beispielsweise Social Entrepreneurship auseinanderzusetzen.

Inwiefern hat sich die Workshopreihe von anderen Weiterbildungsangeboten unterschieden?

Greiner: Bei Coneeect steht die unternehmerische Praxis im Vordergrund.  Ich denke, das ist ein wesentlicher Unterschied. Die Workshops waren jeweils so konzipiert, dass vormittags theoretische Grundlagen vermittelt wurden, die dann in der zweiten Tageshälfte in sogenannten Learning-in-Practice-Sessions erprobt werden konnten. Das bedeutet, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben Start-ups, Unternehmen, Inkubatoren oder Universitäten besucht, um dort die methodischen Werkzeuge und Themen, die sie am Vormittag kennen gelernt hatten, anhand realer Herausforderungen in der Praxis anzuwenden.

Böhme: In den Learning-in-Practice-Sessions ging es auch darum, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Zugang zu dem breiten unternehmerischen Spektrum und den damit verbundenen Herausforderungen zu verschaffen. Von daher haben wir ganz unterschiedliche Betriebe besucht: eine Bohrplattform in der Nordsee, kleine und mittlere Unternehmen  oder auch einen Kindergarten. Dadurch und dank des internationalen Charakters der Coneeect-Workshops, haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowohl ein für sie ganz neues „Ökosystem" als auch Tools und Methoden kennengelernt, die sie dann mit nach Hause genommen haben und in ihren Veranstaltungen zum Teil auch eingesetzt haben.

Zum Thema Entrepreneurship gibt es doch eigentlich schon sehr viele Lehrmaterialien. Worin besteht der neue Input durch Coneeect?

Greiner: Die Entrepreneurship-Education hat sich in den letzten zehn, 15 Jahren extrem verändert. Stand vor zehn Jahren noch How-to-teach-a-Businessplan im Vordergrund, sind es heute dynamische Prozess- und Innovationsmodelle. Zugleich steht heute vielen Hochschulen weniger Geld zur Verfügung und das bei einer gleichzeitig zunehmenden Zahl an Studierenden. Das heißt, der Druck, moderne und inhaltlich vollständige Lehrmittel und Lehrmethoden zu entwickeln, die für eine Vielzahl von Studierenden geeignet sind, ist gestiegen. Aber da gibt es noch zu wenig Angebote. Insofern stehen wir, nicht zuletzt getrieben von der digitalen Entwicklung, vor vielen neuen Herausforderungen, wozu coneeect einen Beitrag leisten möchte.

Coneeect lebt nicht zuletzt vom Erfahrungsaustausch. Wie wird dieser Austausch nun, nach Abschluss der Workshopreihe, fortgeführt?

Böhme: Die Workshopreihe ist zwar beendet, aber das Projekt geht weiter. Den Workshopteilnehmern steht für den weiteren Austausch ein virtuelles Netzwerk auf der Webseite von coneeect zur Verfügung. Darüber hinaus haben wir inzwischen ein umfangreiches Online-Kompendium von didaktischen und methodischen Lehransätzen, die zum Teil als Videoformat oder als Handbuch auf der Webseite von coneeect vorliegen. Das Angebot steht übrigens allen Interessierten offen – nicht nur den ehemaligen Workshopteilnehmern. 

Geplant ist eine internationale Open Academy – eine Plattform zur Entwicklung von Modulen und Kursen in internationalen und interdisziplinären Teams.

Greiner: Ja, wir haben während der letzten drei Jahre gelernt, wie wir Inhalte vermitteln, Netzwerke aufbauen, offline miteinander arbeiten und daraus auch Lehrmaterialien entwickeln können. Jetzt, im nächsten Schritt, wollen wir - ein Kernteam der coneeect-Partner - im Rahmen der Open Academy aus den Lehrmaterialien ganze Module und Kurse entwickelt werden, um das Teach-to-Teacher-Programm weiter zu entwickeln. Darüber hinaus möchten wir die virtuelle Zusammenarbeit professionalisieren.  Stellen Sie sich vor, Sie sind Professorin und möchten eine Seminarreihe zum Thema Innovationsmanagement anbieten. Idealerweise besuchen Sie dann die Online-Plattform der Akademie, finden dort Kollegen, die damit bereits Erfahrungen haben und entwickeln gemeinsam mit ihnen ein Modul, das sich in der Entrepreneurship-Lehre implementieren lässt. Auf diese Weise will coneeect nicht zuletzt auch den internationalen interdisziplinären Austausch fördern.

Gibt es noch weitere Pläne?

Greiner: Wir werden in diesem Jahr zwei oder drei Veranstaltungen im Stil der Coneeect-Workshops anbieten. Das läuft Hand in Hand mit der Ausgestaltung der Open-Plattform. Das ist insofern ideal, als dass die Community der Gründungsakteure  sich der Plattform bedienen, um offline und zukünftig auch online Veranstaltungen und Trainings und Einzelmodule zu nutzen und gemeinsam zu entwickeln.

Böhme: Dazu werden wir die Coneeect-Community zukünftig nicht nur auf den Entrepreneurship-Bereich beschränken, sondern auch andere Fachrichtungen an Bord holen, wie zum Beispiele die Geistes- und Naturwissenschaften. Wir werden uns auch räumlich weiterentwickeln und haben bereits unsere Fühler in Richtung USA ausgestreckt. Und - ganz wichtig - wir werden zukünftig auch für Lehrkräfte aus allgemeinbildenden Schulen offen sein und sie nach Kräften unterstützen.

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