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"Mit Inkulab erschließen wir das Gründungs- und Innovationspotenzial in den Naturwissenschaften."

Der Laborcontainer Inkulab Das Inkulab auf dem Campus der TU Berlin.
© WISTA/ Philipp Arnoldt

Das Projekt Inkulab richtet sich gezielt an Gründerinnen und Gründer aus den Life-Sciences, der Grünen Chemie und Nanotechnologie. Im Zentrum steht ein Laborcontainer, der Anfang des Jahres auf dem Campus der Technischen Universität Berlin aufgestellt wurde. Ralph Langanke vom landeseigenen Technologieparkentwickler WISTA-MANAGEMENTGMBH hat als Projektleiter den Aufbau des Inkulab begleitet. Nicole Ziesche vomCentre for Entrepreneurship an der TU Berlin koordiniert die Gründungsberatung für die Inkulab-Teilnehmer.

Herr Langanke, was genau steckt hinter dem Projekt Inkulab?

Langanke: Kurz zusammengefasst handelt es sich beim Inkulab um ein Allround-Paket für gründungsinteressierte Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler. Auf einer Fläche von 72 qm können drei bis vier Gründungsteams ein Jahr lang  ein Chemielabor der Sicherheitsstufe 1 nutzen. Es ist mit den entsprechenden Labor- und Analysearbeitsplätzen ausgestattet. Die Nutzer werden durch einen technischen Mitarbeiter betreut. 

Ralph Langanke Ralph Langanke
© Ralph Langanke/ privat

Ziesche: Parallel dazu unterstützen wir die Teams durch das StarTUp-Inkubationsprogramm des Centre for Entrepreneurship. Dabei erhalten die Teams im Rahmen modularen Betreuungsprozesses unter anderem Zugang zu Investoren und Pilotkunden sowie in der StarTUp School die Möglichkeit, an kostenlosen Workshops zu den Themen Finanzierung, Recht und Marketing, teilzunehmen. Bei unseren Aktivitäten arbeiten wir eng mit dem Institut für Chemie und dem Exzellenzcluster UniCat zusammen, um das große Gründungspotenzial im Chemiebereich zu erschließen.

Die Gründer können den Laborcontainer ein Jahr lang nutzen. Was passiert danach?

Langanke: Das kommt darauf an, in welcher Entwicklungsphase sich die Teams befinden. Idealerweise haben sie ein marktreifes Produkt oder Verfahren entwickelt. Das muss aber nicht sein. Grundsätzlich funktioniert das Inkulab wie ein Inkubator, der den anspruchsvollen Gründungsprozess naturwissenschaftlich-orientierter Start-ups beschleunigt. Und wenn weitere Forschungsarbeiten erforderlich sind, suchen wir nach geeigneten Laborräumen, wie zum Beispiel im Technologiepark Adlershof.

Herr Langanke, die WISTA-MANAGEMENT GmbH betreibt den Technologiepark Adlershof, das Charlottenburger Innovations-Centrum CHIC und demnächst auch das Technologie- und Gründungszentrum  FUBIC in der Nähe des Campus der Freien Universität Berlin. Seit diesem Jahr ist nun auch das Inkulab mit dabei. Wie kam es dazu?

Langanke: Die WISTA-MANAGEMENT GmbH ist eine landeseigene Gesellschaft, die eng mit den Gründungsservices der Hochschulen in Berlin kooperiert. Das bedeutet, die jungen Unternehmen kommen nach der Gründung aus den Hochschulen in unsere Gründerzentren im Technologiepark Adlershof oder ins CHIC. Viele der Unternehmen benötigen nicht nur Büroräume, sondern auch eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Laborinfrastruktur.Auf die entsprechende Nachfrage haben wir reagiert. Und: Die Berliner Industrie- und Handelskammer war von der Idee des Inkulab so angetan, dass sie es im Rahmen der IHK Bildungsprojekte mit rund einer Million Euro unterstützt hat.

Nicole Ziesche Nicole Ziesche
© Nicole Ziesche/ privat

Frau Ziesche, Inkulab befindet sich auf dem Campus der TU Berlin, genauer gesagt auf dem Campus des Instituts für Chemie. Warum bietet die TU Berlin ein eigenes Programm für gründungsinteressierte Naturwissenschaftler an?

Ziesche: Die Naturwissenschaften bergen ein sehr hohes Innovationspotenzial, so dass wir die Zahl und die Qualität der Gründungen insbesondere in den Life-Sciences, der Grünen Chemie und Nanotechnologie erhöhen möchten. Die Crux ist allerdings, dass hier die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur im Vergleich zum IT- und Softwarebereich eine ziemliche Herausforderung und  der Forschungs- und Entwicklungsaufwand viel höher ist. Das erleben wir bei unseren Ausgründungen immer wieder. Als Beispiel fällt mir da vor allem DexLeChem ein. Das Team wurde von Februar 2011 bis Dezember 2012 über EXIST-Forschungstransfer Förderphase I gefördert und war die erste große Ausgründung des Instituts für Chemie hier an der TU. DexLeChem trägt dazu bei, den Ressourcenverbrauch in der Pharma- und Duftstoffindustrie zu reduzieren. Damals wurde deutlich, wie beschränkt die Laborkapazitäten sind und wie sehr der Gründungsprozess dadurch verzögert wird. Sowohl die Gründer als auch die Institutsleitung haben sich daher sehr dafür eingesetzt, dass ein Angebot wie Inkulab auf dem Campus entsteht. Beide gehören heute auch zum Kreis der Unterstützer des Projekts, genauso wie die Covestro AG, der Verband der Chemischen Industrie, der High-Tech Gründerfonds und das Climate KIC des Europäischen Innovations- und Technologieinstituts (EIT).

Frau Ziesche, wer kann bei Inkulab mitmachen?

Ziesche: Bewerben können sich Wissenschaftler und Absolventen von allen Berliner Hochschulen mit innovativen Geschäftsideen in den Bereichen Life Science, Chemie oder Nanomaterial. Sie sollten bereits einen Prototypen oder ein Labormuster vorweisen können. Ein weiteres Kriterium ist die Finanzierung, die für die Dauer der Teilnahme am Inkulab gesichert sein muss. In Frage kommen zum Beispiel EXIST-Gründerstipendium, EXIST-Forschungstransfer oder auch das Berliner Startup Stipendium.

Darüber hinaus gelten dieselben Kriterien, die das Center für Entrepreneurship für die Teilnahme am StarTUp Inkubation anlegt: die Geschäftsidee muss zum Beispiel ein hohes Marktpotenzial besitzen, das Team muss fachlich kompetent sein und die Gründung des Unternehmens sollte in Berlin stattfinden.

Wie sieht es mit der Nachfrage aus?

Ziesche: Gut, wir haben bereits einige Projekte in der Pipeline. Inzwischen liegen uns auch Bewerbungen von der Freien Universität und der Humboldt-Universität vor. Bei fünf Teams aus der TU sind wir gerade dabei, uns um die Finanzierung zu kümmern. Die Teams von Nano-Join, Smarterials und Geltouch Technologies haben jeweils EXIST-Gründerstipendium erhalten.

Das Inkulab hat Pilotcharakter. Was für Voraussetzungen sollten Hochschulen Ihrer Ansicht nach mitbringen, wenn sie ein ähnliches Projekt auf ihrem Campus anbieten möchten?

Ziesche: Der Erfolg von Projekten wie Inkulab hängt entscheidend von der Unterstützung durch die Leitungsebene ab. In der Beziehung kann ich sagen, dass hier an der TU Berlin die Unterstützung durch das Präsidium und das Institut für Chemie wirklich einmalig ist.

Langanke: Wichtig ist natürlich auch, dass es an der Hochschule eine funktionierende Gründungsunterstützung und ein Netzwerk an Partnern gibt, das bei gründungsrelevanten Fragen unterstützen kann.

Hochschulen, die einen Laborcontainer wie das Inkulab anbieten möchten, empfehle ich, bei der Suche nach einem Hersteller, genau auf dessen Erfahrungen und Kompetenzen zu achten. Es gibt nicht viele Hersteller, die dafür in Frage kommen. Wir hatten Glück und haben mit einem Unternehmen zusammengearbeitet, das Intensivstationen für Wüstenregionen baut und von daher die notwendige Expertise für Laborcontainer mitgebracht hat.