Navigationsbereich

Sie befinden sich hier:

Authada GmbH

Gründerteam Authada GmbH v.l.n.r.: Robin Acker, Jörg Jessen, Andreas Plies, Prof. Dr. Michael Massoth
© Authada GmbH

"Wissenschaftler, die sich selbständig machen möchten, müssen frühzeitig umdenken und ein unternehmerisches Selbstverständnis aufbauen."

Interview mit Andreas Plies

Überweisungen per Smartphone vornehmen oder mobil einen Versicherungsschaden melden: Das Für und Wider hängt nicht nur mit der Sicherheit der Daten zusammen, sondern auch mit dem Nachweis der Nutzeridentität.  Hat es die Bank tatsächlich mit der Person zu tun, für die sie sich ausgibt? Oder handelt es sich um einen Betrüger? Ein Forscherteam an der Hochschule Darmstadt hat dieses Identifikations-Problem mit einer eigens entwickelten Software gelöst. Mit Unterstützung von EXIST-Forschungstransfer haben die Wissenschaftler im letzten Jahr die AUTHADA GmbH gegründet. Die bisherigen Schritte sind vielversprechend.

Herr Plies, Sie haben gemeinsam mit Ihren Kollegen an der Hochschule Darmstadt eine Geschäftsidee rund um digitale und mobile Bank- und Versicherungsgeschäfte entwickelt. Um was geht es?

Plies: Stellen Sie sich vor, Sie möchten Ihre Bank- und Versicherungsgeschäfte per Smartphone vornehmen. Da stehen Sie zunächst einmal vor dem Problem, dass Sie Ihre Identität gegenüber der Bank oder Versicherung zuverlässig nachweisen müssen. Angefangen von der Kontoeröffnung, der Eröffnung eines Versicherungskontos über die Durchführung von Überweisungen bis hin zum Abschluss von Krediten. Umgekehrt möchten Sie natürlich auch wissen, ob Sie tatsächlich gerade mit der Bank oder Versicherung zu tun haben, mit der Sie glauben, verbunden zu sein. Das alles ist bisher noch nicht ohne weiteres möglich. Und dafür haben wir im Rahmen unserer Forschungsarbeiten an der Hochschule Darmstadt eine Lösung entwickelt.

Und wie sieht diese Lösung aus?

Plies: Wir verwenden die elektronische Identität des Personalausweises. Seit November 2010 ist jeder Personalausweis mit einem Chip ausgestattet, auf dem die Personalien des Inhabers gespeichert sind. Mit unserer Software können diese Daten über die NFC-Schnittstelle des Smartphones ausgelesen und dann zum Beispiel an eine Bank oder Versicherung übermittelt werden. Das bedeutet, Sie können sich zukünftig die App Ihrer Bank herunterladen, halten Ihren Personalausweis an Ihr Smartphone, geben die PIN Ihres Personalausweises ein – und können dann innerhalb von wenigen Sekunden zum Beispiel ein neues Konto eröffnen oder eine Überweisung ausführen.

Wie steht es um die Datensicherheit?

Plies: Das Verfahren ist sehr sicher. Es basiert im Prinzip auf den Spezifikationen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik. Außerdem: Wenn jemand Ihren Ausweis stehlen oder finden würde, fehlt demjenigen immer noch die dazugehörige geheime sechsstellige PIN, um tatsächlich Ihre Daten zu missbrauchen. Das ist das Gleiche wie bei einer EC-Karte. Zu der gehört ein vierstelliger Code.

Wer sind Ihre Kunden? Die Endnutzer oder Banken und Versicherungen?

Plies: Letzere als B2B-Kunden. Sie kaufen unser Produkt entweder als Cloud-Service oder als Lizenz-Lösung ein und nutzen die Software, um ihre Online-Kunden zu identifizieren. Sie bieten ihren Kunden die Software als App an, damit sie sich bei digitalen Bankgeschäften ausweisen können.

Wann kam der Gedanke ins Spiel, die Forschung zu verlassen und ein Unternehmen zu gründen?

Plies: Wir haben uns an der Hochschule Darmstadt schon länger mit den Themen sichere Identitäten und Authentifizierung beschäftigt und dabei zunächst die telefonische Authentifizierung im Fokus gehabt. Also die Feststellung der persönlichen Identität bei Telefonaten. Nach und nach haben wir dann die Idee der Identitätsprüfung in der Telefonie schrittweise für Mobilapplikationen im Finanz- und Versicherungssektor weiterentwickelt. Dabei haben wir gemerkt, dass auf dem Markt ein reges Interesse an unseren Forschungsergebnissen bestand. Nur: Als Forschungsprojekt konnten und durften wir kein marktfähiges Produkt entwickeln. Aber mich persönlich hat es einfach gereizt, unsere Forschungsergebnisse auch ganz praktisch zu verwerten und die eigenen Ideen zum Fliegen zu bringen.

Ich hatte bei Fremdprojekten oft genug gesehen, dass am Ende der Forschungsprojektlaufzeit die Ergebnisse einfach in der Schublade verschwunden sind und dann nie wieder angefasst wurden.

Sie sprechen von „wir“. Wer sind Ihre Mitstreiter?

Plies: Wir sind vier Gründer: Jörg Jessen, ein erfahrener Manager aus der Finanzindustrie, leitet das Business Development.  Robin Acker und ich verantworten die technische Entwicklung. Der vierte im Bunde ist Prof. Dr. Michael Massoth. Er forscht im Themenfeld der sicheren Telekommunikation und stellt den Link zur Hochschule dar.

Wie sahen Ihre ersten Schritte auf dem Gründungsweg aus?

Plies: Wir waren uns anfangs noch nicht 100 prozentig sicher, ob der unternehmerische Weg der richtige für uns ist, und haben daher zunächst sehr viel recherchiert und Gründungsveranstaltungen besucht. Dort wurden wir dann auch auf EXIST-Forschungstransfer aufmerksam, das wir kurz darauf über die Hochschule Darmstadt beantragt haben. Während der Antragsphase  haben wir am „Gründerwettbewerb – IKT Innovativ“ des BMWi teilgenommen. Und als wir dann dort  einen der Hauptpreise gewonnen und uns im Rahmen des Coachingangebots noch intensiver mit dem Thema Gründung beschäftigt hatten, stand fest, dass wir unsere Gründung tatsächlich angehen werden.

Sie sind inzwischen in der zweiten Phase von EXIST-Forschungstransfer. Wie sehen Ihre bisherigen Erfahrungen aus?

Plies: Hervorragend. Die Betreuung ist sehr gut. Das EXIST-Programm bietet eine gut strukturierte Vorgehensweise in Form von Meilensteinen, die die Gründungsteams im gesamten Gründungsprozess unterstützt und dabei auch die Ausarbeitung eines detaillierten Businessplans erwartet.  Was letztlich sehr sinnvoll ist, denn als Start-up würde man ansonsten vermutlich nur rudimentär die eigene Geschäftsidee oder das Marketing- und Vertriebskonzept schriftlich festhalten. Aber wenn man sich damit im Rahmen eines Businessplans auseinandersetzt, hat das ganze doch mehr Tiefgang und ermöglicht einem seine Ideen und sein Know-how zu reflektieren und bei Bedarf Expertenmeinungen einzuholen.

Wofür setzen Sie die finanziellen Mittel aus EXIST-Forschungstransfer ein?

Plies: Im Prinzip fließen 90 Prozent der Mittel in unsere Mitarbeiter, also die Köpfe, die das Unternehmen mitaufbauen. Bis Ende 2016 möchten wir etwa 15 Mitarbeiter einstellen und dafür Wagniskapital als Ergänzung zu EXIST akquirieren. Einen Teil investieren wir auch in entsprechende Technik und in Beratung.

Sie haben im Mai 2015 die AUTHADA GmbH gegründet. Wie hat sich Ihr Unternehmen seitdem entwickelt?

Plies: Sehr gut. Es gab schon etliche positive Rückmeldung von potenziellen Kunden und von Seiten der Investoren. Darüber hinaus haben wir bereits mehrere Zusagen für Pilotprojekte aus dem Bank- und Versicherungsbereich. Außerdem wurden wir im Forrester Research Report 2015 als einziges europäisches Unternehmen neben zwei US-Unternehmen vorgestellt. Dies gibt uns natürlich einen enormen Schub, da der Forrester Report zur Standardlektüre unserer potenziellen Kunden gehört. Aktuell sind wir dabei, weitere Investoren ins Boot zu holen und Pilotprojekte durchzuführen, um dann Mitte des Jahres quasi richtig in den Markt einzutreten.

Gab es auch Herausforderungen im Rahmen der Anlaufphase?

Plies:  Es ist nicht einfach, den universitären Kontext zu verlassen, wenn man schon eine gewisse Zeit in der Forschung gearbeitet hat und dann auf einmal seine Ergebnisse zu einem marktfähigen Produkt entwickeln möchte. Da kommen Fragestellungen auf einen zu, mit denen man zuvor nie zu tun hatte. Außerdem lässt sich nicht jedes Forschungsergebnis am Ende in ein sinnvolles Produkt verwandeln. Bei uns hat es geklappt. Wir haben unsere Produkte entsprechend spezifiziert und diese werden mit positiver Resonanz vom Markt aufgenommen.

Sie haben im letzten Jahr auch am Wettbewerb „Start Tel Aviv“ teilgenommen? Um was ging es?

Plies: Der eigentliche Wettbewerb fand anlässlich der Start-up-Night in Berlin statt, auf der die Bewerber ihre Geschäftsidee präsentiert haben. Der Preis bestand aus einer  Reise nach Tel Aviv, um am DLD Innovation Festival  [http://dldtelaviv.com/] teilzunehmen. Das war eine spannende Geschichte, weil die Gewinner direkt am nächsten Tag nach Israel fliegen sollten. Die Bewerber sind also alle mit Gepäck angereist. Samstagabend fand dann die Pitching-Veranstaltung statt und nach zwei Stunden wurde uns gesagt: Ihr seid dabei. Morgen früh um sechs dürft ihr nach Tel Aviv fliegen.

Was hat es mit dem DLD Innovation Festival auf sich?

Plies: Start Tel Aviv war ein globaler Wettbewerb, veranstaltet vom israelischen Außenministerium. Die Gewinner wurden anlässlich des DLD Innovation Festivals nach Tel Aviv eingeladen. Wir waren eine Gruppe von cirka 30 Gründerinnen und Gründern aus allen Kontinenten und haben die Chance genutzt, uns zu vernetzen und Start-ups aus aller Welt kennenzulernen.

Darüber hinaus sind wir in die israelische Start-up-Szene eingetaucht, die sehr offen und weit verzweigt ist. Wir hatten uns zum Beispiel eine Start-up-Map angeschaut, auf der fast in jedem Straßenzug zwei Start-ups eingetragen waren. Die israelische Gründerszene ist mit Herzblut dabei, nicht nur für den israelischen Markt Konzepte zu entwickeln, sondern auch für Europa und die USA. Der Austausch zwischen den verschiedenen Start-ups, das Netzwerken untereinander, der Kontakt zu potenziellen Investoren und Kunden und dazu noch Land und Leute kennenzulernen war ein tolles Erlebnis.

Zu guter Letzt: Haben Sie noch einen Tipp, den Sie anderen Gründern geben möchten?

Plies: Meiner Ansicht nach ist es sehr wichtig als Wissenschaftler, der sich selbständig machen möchte, frühzeitig umzudenken: weg vom akademischen hin zum unternehmerischen Selbstverständnis. Es ist etwas ganz anderes, ob man als angestellter Wissenschaftler in einem Forschungsprojekt arbeitet, oder ob man Inhaber eines Unternehmens ist, das man voranbringen möchte. Da geht es nicht mehr um wissenschaftliche, sondern um unternehmerische Fragen: Welche Märkte sind für uns interessant. Wie kommen wir in Kontakt mit Investoren? Das ist eine neue Sichtweise, mit der man sich vertraut machen muss.     

Wichtig ist auch der Besuch von Fachmessen. Außerdem gibt es fast in allen Regionen Gründerzentren, die Veranstaltungen anbieten. Dort sollte man sich mit möglichst vielen kompetenten Leuten über die eigene Idee unterhalten und sich Feedback einholen und sich auch durchaus kritische Worte anhören. Das hilft, den Blick für das eigene Produkt und die unternehmerische Planung zu schärfen. 

Stand: Februar 2016