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Cringle GmbH

Cringle GmbH v.l.n.r.: Joschka Friedag, Frane Bandov, Malte Klussmann, Konrad Maruszewski
© Cringle GmbH

"Mit einem Start-up in der Fin-Tech-Branche braucht man viel Geduld und eine exzellente Vorbereitung, um Banken als Kooperationspartner zu gewinnen."

Interview mit Konrad Maruszewski

Bargeld ist von gestern dachten sich die vier Gründer von der Technischen Universität Berlin und entwickelten eine Software, die den bargeldlosen Geldtransfer per Smartphone ermöglicht. Nachdem sich das EXIST-geförderte Team durch das dichte Regelwerk der Finanzbranche gekämpft hat, konnte das Fin-Tech Start-up eine Bank als Kooperationspartner und über 50.000 Nutzer als Kunden gewinnen.

Herr Maruszewski, Sie haben etwas gegen Bargeld. Warum?

Maruszewski: Weil Bargeld unserer Ansicht nach ein extrem veraltetes und nicht sehr komfortables Zahlungsmittel ist. Hat man zum Beispiel kein Bargeld im Portemonnaie, muss man zum Geldautomaten gehen oder man muss sich welches bei Freunden leihen. Wir sind der Überzeugung, dass Bargeld nicht mehr zeitgemäß ist und bieten daher eine Alternative an.

Wie sieht die aus?

Maruszewski: Was man dazu braucht, ist ein eigenes Handy und die Telefonnummer von der Person, an die man einen Geldbetrag überweisen möchte. Auf dem Handy richtet der Nutzer ein Cringle-Konto ein und damit kann er dann von seinem Girokonto kleinere Geldbeträge überweisen. Die Transaktion wird mit einer Cringle-PIN oder dem Fingerabdruck des Nutzers bestätigt.

Das heißt, es geht ausschließlich um den Zahlungsverkehr zwischen Privatpersonen?

Maruszewski: Ja, in Geschäften kann man ja mit einer Kredit- oder EC-Karte bezahlen, aber unter Privatpersonen geht das eben nicht, obwohl es im Alltag sehr häufig vorkommt, dass Geld zwischen Freunden transferiert wird. Beispiele dafür gibt es genug, denken Sie nur an gemeinsame Taxifahrten, Abendessen oder Geschenke. Das sind so Fälle, wo jeder mal eben sein Portemonnaie öffnet, um seinen Teil dazuzugeben. Aber wenn man dann gerade nicht genug Bargeld dabei hat, wird es meistens kompliziert.

Beim Mobile-Banking spielt der Datenschutz eine wichtige Rolle. Wie sieht es bei Ihnen damit aus?

Maruszewski: Unser Geschäftsmodell basiert darauf, dass wir mit Banken kooperieren. Insofern erfüllen wir denselben Sicherheitsstandard wie beim Online-Banking. Außerdem  hat jeder Nutzer ein monatliches Limit von 100 Euro. Mehr kann nicht abgebucht werden. Eine Ausnahme sind Nutzer, die ein Konto bei der Bank haben, mit der wir eine Kooperation eingegangen sind. Bei denen beträgt das monatliche Limit  250 Euro. 

Sie sind seit 2014 am Markt. Haben Sie den Break-Even schon erreicht?

Maruszewski: Nein, dafür investieren wir noch zu stark in die weitere Produktentwicklung und in das Nutzerwachstum. 

Gab es während Ihrer Gründungsvorbereitungen etwas, dass Ihnen besonderes Kopfzerbrechen bereitet hat?

Maruszewski: Eine große Herausforderung war für uns, eine Bank als Kooperationspartner zu finden, obwohl wir jede Menge Unterstützung erhalten haben. Dank EXIST-Gründerstipendium konnten wir zum Beispiel den ersten Prototyp unserer App entwickeln und uns außerdem eine Reise nach Dublin zum Websummit 2013 leisten. Außerdem haben wir durch das Centre for Entrepreneurship der Technischen Universität Berlin Zugang zu einem extrem guten Netzwerk erhalten. Auch die Mentoren, die uns betreut haben, haben uns wirklich gut auf die Gespräche mit den Banken vorbereitet. Aber unter dem Strich braucht man trotzdem sehr viel Geduld. Der ganze Prozess der Kontaktaufnahme und des sich Vorarbeitens zu den richtigen Gesprächspartnern dauert sehr, sehr lang. Aber das ist eben so, da heißt es "dran bleiben und sich in Geduld üben".

Letztlich hat es dann geklappt. Was war Ihrer Ansicht nach ausschlaggebend dafür?

Maruszewski: Wir hatten uns durch unsere intensive Vorbereitung wirklich auf jede mögliche Frage vorbereitet. Wir waren sogar bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, BaFin, um uns genau zu informieren. Insgesamt muss ich sagen, dass sich die Mühe gelohnt hat, denn letztlich haben uns die Banken als ernsthafte Gesprächspartner wahrgenommen.       

Warum brauchten Sie überhaupt eine Bank als Kooperationspartner?

Maruszewski: Hintergrund ist, dass wir eigentlich eine Banklizenz für unser Fin-Tech-Geschäftsmodell bräuchten. Eine solche Lizenz kostet aber mehrere Hunderttausend Euro. Außerdem benötigt man jemanden im Team, der mehrere Jahre Banking-Erfahrung mitbringt. Das kann sich ein Start-up nicht leisten. Die Alternative ist, dass man sich eine Bank als Partner sucht. Und genau das haben wir gemacht. Wir kooperieren mit einer Bank, um über eine gemeinsam entwickelte Plattform alle Transaktionen von Cringle-Nutzern durchführen zu lassen. Darüber hinaus bewirbt sie unser Angebot gegenüber ihren Kunden.

Hört sich gut an. Was gibt es sonst noch Positives zu berichten?

Maruszewski: Wir haben vor wenigen Wochen unsere Crowdfunding-Kampagne mit 800.000 Euro erfolgreich abgeschlossen, so dass wir weiter expandieren können. Positiv ist natürlich auch, dass wir inzwischen ein internationales Team mit dreizehn Mitarbeitern aus sieben Ländern haben.

Außerdem sind wir jetzt gerade dabei, erste Schritte in den österreichischen Markt zu unternehmen. Außerdem steht eine Kooperation mit einer weiteren Bank an.      

Sie haben jede Menge Erfahrungen gesammelt. Welchen Tipp können Sie anderen Fin-Tech-Gründerinnen und -Gründern geben?

Maruszewski: Wer im Fin-Tech-Bereich startet, muss wissen, dass er es mit einem hoch reguliertem Markt zu tun hat. Dieses Regelwerk ist zwar wichtig, aber für Gründer bedeutet es zunächst, sehr viel Zeit zu investieren. Das darf man nicht unterschätzen. Viel Geduld braucht man auch beim Marketing und bei der Suche nach geeigneten Partnern. Es reicht leider nicht aus, ein gutes Produkt zu haben und darauf zu hoffen, dass es sich herumspricht. Von daher kann ich nur empfehlen, von Anfang jemanden ins Boot holen, der sich ausschließlich mit dem Marketing beschäftigt. Und anstatt  bei jedem Start-up Event mitzumachen, sollte man lieber die Zeit in eine intensive Recherche investieren, um herauszufinden, wer zum Beispiel für Innovationen in den Kreditinstituten zuständig ist und wo und wie man die Ansprechpartner am besten treffen kann.

Stand: Dezember 2016