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Evergreen-Food GmbH

Cathleen Cordes, Evergreen-Food GmbH Cathleen Cordes
© Evergreen-Food GmbH

„So ein ‚EXIST-Jahr‘ geht schnell vorüber. Von daher darf man sich nicht darauf ausruhen, sondern muss sich zum Beispiel Gedanken über eine geeignete  Anschlussfinanzierung und erste Umsätze machen.“

Interview mit Cathleen Cordes

Die Sicherung der globalen Ernährung gehört zu den größten Herausforderungen der Zukunft. Gefragt ist eine nachhaltige und umweltschonende Lebensmittelerzeugung, die auch in der Lage ist, Alternativen zu bisherigen Nahrungsprodukten anzubieten. Dass Algen dabei eine wichtige Rolle spielen werden, davon ist die Biotechnologin Cathleen Cordes, Gründerin der Evergreen-Food GmbH, überzeugt.

Frau Cordes, Algen gehören für Sie zu den Lebensmitteln der Zukunft Warum?

Cordes: Ich denke, dass insbesondere die Chlorella vulgaris Alge einen wichtigen Beitrag zur zukünftigen Ernährungssicherung leisten kann. Die Alge ist sehr nährstoffreich. Der Eiweißanteil liegt bei bis zu 60 Prozent, außerdem enthält sie sehr viele Mineralien und Vitamine – unter anderem Vitamin B12, das sonst nur in tierischen Produkten vorhanden ist. Von daher arbeiten wir daran, dass Chlorella-Algen zukünftig als vollwertiges Lebensmittel Verbreitung findet und nicht wie bisher nur als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt wird.

Aber der Geschmack von Algen ist gewöhnungsbedürftig.

Cordes: Ja, normalerweise schmecken Algen aufgrund des hohen Chlorophyllgehalts sehr „grün und maritim“. Wir haben an der Beuth Hochschule für Technik ein Verarbeitungsverfahren entwickelt, das die wertvollen Inhaltsstoffe schont und gleichzeitig die Möglichkeit bietet, Lebensmittel aus Chlorella-Algen herzustellen, ohne dass der spezifische Geschmack in den Vordergrund tritt.

Um was für Lebensmittel handelt es sich?

Cordes: Aktuell haben wir Algenöl und Algenperlen auf dem Markt. Letztere sehen aus wie Kaviar, schmecken aber in der einen Version nach Heidelbeere und in der anderen nach Balsamico und eignen sich zum Beispiel als Topping für Salate und Süßspeisen. Dabei wollen wir es natürlich nicht belassen und werden weitere Produkte entwickeln.

Sie kooperieren eng mit einer Algenfarm ganz in Ihrer Nähe

Cordes: Es ist mehr als eine Kooperation: Meine Schwester Caroline und unser Vater Rudolf Cordes leiten zusammen Deutschlands erste biozertifizierte Algenfarm.  Darüber hinaus  stellen sie Nahrungsmittel und hochwertige Extrakte aus weiteren pflanzlichen Produkten wie verschiedenen Kohlsorten her. Ich übernehme mit dem von mir gegründeten Unternehmen Evergreen-Food die Produktentwicklung, das Marketing und den Vertrieb. Insofern funktioniert das Ganze wie ein Familienbetrieb. 

Sie haben EXIST-Gründerstipendium erhalten. Welche Finanzierung haben Sie danach in Anspruch genommen?

Cordes: Im Anschluss an EXIST haben wir eine Crowd-Funding-Kampagne gestartet. Unser Fundingziel waren 15.000 Euro gewesen. Tatsächlich eingenommen haben wir aber 17.500 Euro. Das war natürlich sehr erfreulich. Ansonsten sind wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht auf eine externe Finanzierung angewiesen. Durch unsere Einnahmen können wir uns über Wasser halten. Das ist schon mal ein erster Erfolg. Eine weitere Anschlussfinanzierung ist aber nicht ausgeschlossen.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Cordes: Wir werden weitere Produkte entwickeln und den Vertrieb weiter ausbauen. Bisher verkaufen wir unsere Produkte größtenteils über unseren Onlineshop an Kunden in Deutschland, Holland, der Schweiz und Österreich. Zukünftig möchten wir aber auch in den stationären Handel.

Gibt es einen Tipp, den Sie anderen Gründern geben können?

Cordes: Macht Euch so früh wie möglich darüber Gedanken, wie es nach EXIST weitergehen soll. So ein ‚EXIST-Jahr‘ geht schnell vorüber. Von daher darf man sich nicht darauf ausruhen, sondern muss sich zum Beispiel Gedanken über eine geeignete  Anschlussfinanzierung und erste Umsätze machen. Je früher Ihr Umsätze erwirtschaftet, desto besser. Und selbst wenn mal eine Flaute kommt, ist das kein Grund, das Handtuch zu werfen. Besser ist es, an der Geschäftsidee weiterzuarbeiten und flexibel zu bleiben, auch wenn man damit vielleicht den Weg etwas verlässt, den man sich ursprünglich einmal vorgestellt hat.

Stand: September 2017

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