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Flag-Gründungsprojekt

Bild des Gründertems von "Flag" v.l.n.r.: Erik Berndt, Yael Biran, Alexander Phelps
© Philipp Schrader

"Uns war ziemlich schnell klar, dass wir genau das richtige Team sind, um diese Idee gemeinsam weiter zu entwickeln."

Interview mit Yael Biran

Das hat fast jeder schon einmal erlebt: Man geht in ein Hotel, sieht ein Designersofa und weil es einem so gut gefällt, möchte man es am liebsten kaufen. Das Gründungsprojekt Flag der Technischen Universität Berlin ist dabei, eine App zu entwickeln, die genau das ermöglicht. Mit ihr können sich Nutzer zukünftig über Kunst- und Designobjekte in ihrer unmittelbaren Nähe informieren und sie auf Wunsch online bestellen.

Frau Biran, was verbirgt sich hinter Flag?

Biran: Stellen Sie sich vor, Sie besuchen ein Café, ein Hotel oder einen anderen Ort und sehen dort einen schönen Tisch, eine besondere Vase oder ein interessantes Bild. Dann öffnen Sie einfach auf Ihrem Mobilgerät  unsere App, die wir gerade entwickeln, und sehen dort genau die Dinge, die sich im Raum direkt vor Ihnen befinden: den schönen Tisch, die besondere Vase und das interessante Bild. Sie brauchen dafür keinen QR-Code oder Barcode zu scannen. Unsere Lösung verwendet neue Technologien wie zum Beispiel Beacons. Das sind winzige Bluetooth-Sender, deren Signale von Mobilgeräten im Umkreis von 30 Metern empfangen werden. Sie sind für Besucher unsichtbar und erlauben es Mobilgeräten, sich innerhalb von Räumen zurecht zu finden.

Wo kann ich die kaufen? In dem Café, wo ich gerade sitze?

Biran: Nein, das Besondere ist, dass wir die virtuelle und reale Einkaufswelt miteinander verknüpfen. Zum Einen befinden Sie sich ganz real an einem Ort, wo Sie die verschiedenen Gegenstände von allen Seiten betrachten oder auch anfassen können. Sie sehen, wie bestimmte Objekte in der realen Welt wirken. Zum anderen sehen sie die Objekte auch auf dem Smartphone und erhalten dort zusätzliche Informationen über das Objekt und gegebenenfalls den Designer oder Künstler. Und dort, in unserem Showroom, können Sie die Objekte auch online bestellen. Damit bieten wir nicht zuletzt Designern und Künstlern einen ganz neuen Vertriebskanal an.

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Biran: Ich habe meine Bachelor-Arbeit zum Thema Omni Channel Retailing geschrieben. Dabei geht es um die Verbindung zwischen Online- und Offline-Vertriebskanälen. Und meine beiden Teampartner Erik Berndt und Alex Phleps haben sich in einem Forschungsprojekt mit der Frage beschäftigt, wie Mobilgeräte völlig neue Interaktionen mit unserer Umwelt ermöglichen. Als wir uns dann bei einer Design Thinking Veranstaltung am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam kennengelernt haben, hat sich schnell herausgestellt, dass wir in eine ähnliche Richtung denken. Von daher war uns ziemlich schnell klar, dass wir genau das richtige Team sind, um diese Idee gemeinsam weiter zu entwickeln.

Sie kommen ursprünglich aus Tel Aviv. Warum gründen Sie in Berlin ein Start-up?

Biran: Ich wohne schon seit ein paar Jahren in Berlin und habe hier an der Hochschule für Technik und Wirtschaft, der HTW, International Business studiert. Anschließend habe ich in einem Start-up sowie für einen Start-up-Incubator gearbeitet. Berlin ist ein richtiger Start-up-Hub und damit ein sehr guter Ort, um ein Unternehmen zu gründen. Die Menschen hier sind offen für neue Ideen. Kein Wunder, dass inzwischen viele junge Leute aus dem Ausland hierher kommen, um sich selbständig zu machen.

Sie bereiten sich auf Ihre Gründung an der Technischen Universität Berlin vor. Warum dort?

Biran: Erik und Alex haben hier studiert. Deswegen haben wir über die TU Berlin das EXIST-Gründerstipendium beantragt. Generell ist die Unterstützung durch die TU Berlin wirklich gut. Wir bekommen jede Menge Tipps und lernen interessante Leute kennen, die uns weiterhelfen. Vor allem unser Mentor, Prof. Manfred Thüring steht uns bei allen Fragen zur Seite, ganz gleich was wir brauchen. Insgesamt bewegen wir uns damit in einem sehr guten Umfeld, um uns auf unseren Unternehmensstart vorzubereiten. Natürlich haben wir trotzdem jeden Tag mit neuen Herausforderungen zu tun. Oft ist es auch schwierig, weil es kein klares "richtig" oder "falsch" gibt. Aber dann muss man einfach eine Entscheidung treffen und sehen was passiert.

Damit Ihre App funktioniert, müssen Sie mit Cafés und Hotels zusammenarbeiten. Gibt es schon Interessenten?

Biran: Wir haben schon viele Gespräche geführt und sehr viel positives Feedback von allen Seiten erhalten. Es gibt auch schon Anfragen dazu, ob wir uns an einzelnen Projekten beteiligen, obwohl unsere App noch gar nicht fertig ist. Im Oktober werden wir zum Beispiel in einem bekannten Berliner Club eine Ausstellung zum Thema Digitale Kunst begleiten. Unsere App wird die Ausstellung parallel als Showroom zeigen und über die Künstler informieren. Das ist praktisch ein Pilotprojekt für uns.

Es ist richtig, dass Flag später nur an Orten funktionieren wird, mit deren Inhabern oder Betreibern wir vereinbart haben, dass wir ihre Räume in unserer App abbilden können. Bisher haben wir uns aber noch nicht intensiv mit der gezielten Akquise beschäftigt. Sobald wir damit beginnen, wollen wir versuchen, ein Cluster von verschiedenen Orten abzubilden, die nicht allzu weit voneinander entfernt sind. Der Nutzer kann unsere App damit dann testen und sehen, dass sie funktioniert.

Wie weit sind Sie jetzt mit Ihren Gründungsvorbereitungen?

Biran: Unsere App wird in ein bis zwei Monaten fertig sein. Und dann möchten wir mit unserem Unternehmen starten. Das EXIST-Gründerstipendium läuft noch bis Ende Oktober. Deshalb sind wir gerade in Gesprächen mit Investoren und Betreibern von Acceleratoren, um zu sehen, wie es weitergehen kann.

Stand: August 2015