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Flexheel GmbH

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Christian Huber, Oliver Barth, Alexander Ostrovski v.l.n.r.: Christian Huber, Oliver Barth, Alexander Ostrovski, © Flexheel GmbH

"Mit Hilfe des EXIST-Coachingbudgets konnten wir verschiedene Fachberater in Anspruch nehmen."

Interview mit Oliver Barth

Das dürfte viele Frauenherzen höher schlagen lassen: Schuhe mit verstellbaren Absätzen. Sportlicher Flachschuh oder eleganter Highheel – je nach Bedarf. Die Idee dazu stammt von den Gründern der Flexheel GmbH, einer Ausgründung der Hochschule München.

Herr Barth, ein Schuh mit verstellbaren Absätzen. Auf die Idee hätten doch eigentlich Schuhhersteller oder Designer längst kommen können. Wie kommt es, dass nun ausgerechnet ein Maschinenbauingenieur und zwei Betriebswirte einen solchen Schuh entworfen haben?

Barth: Die Idee dazu hatte genau genommen unser Gründungspartner Christian Huber. Dessen Freundin trug bei einem Spaziergang Schuhe mit ziemlich hohen Absätzen, so dass ihr bald die Füße weh taten und sie kaum weitergehen konnte. Genau das fiel Christian Huber wieder ein, als er etwas später an einem Projekt der Hochschule München teilnahm. Dabei sollten Lösungen für bekannte Alltagsprobleme entwickelt werden. Er hat sich also zusammen mit einigen Kommilitonen den Aufbau von Schuhen genau angesehen, hat die Sohlen zerlegt und sich Gedanken dazu gemacht, wie eine mechanische Verstellung funktionieren könnte. Das war alles noch sehr einfach und überhaupt nicht ausgereift. Während zweier weiterer Hochschul-Projekte nahm "unser" Schuh im Laufe der Zeit immer mehr Form an, so dass sich damit auch die Idee verfestigte, ihn tatsächlich herzustellen und zu vermarkten.

Aber es heißt doch immer, dass man als Gründer das notwendige fachliche Know-how mitbringen sollte. Ist einer von Ihnen gelernter Schuhmacher?

Barth: Das nicht, aber Alexander Ostrovski und ich sind als Betriebswirte ja eigentlich branchenunabhängig einsetzbar. Was man aber vermutlich nicht erwartet, ist, dass Christian Huber in seinem Maschinenbaustudium genau das richtige "Handwerkszeug" erlernt hat, um eine flexible Schuhsohle und einen Absatz, der sich schnell und einfach austauschen lässt, zu entwickeln. Die technische Herausforderung war in etwa vergleichbar mit einer Aufgabe im Maschinenbau. Um einen genauen mechanischen Ablauf nachverfolgen zu können, muss man zum Beispiel millimetergenaue technische Zeichnungen anfertigen. Und bei unserem Schuh sollte ja nicht nur die Höhe der Absätze, sondern die komplette Sohle angepasst werden können. Das Besondere ist nämlich: Wenn man den niedrigen Absatz gegen den hohen austauscht, verstellt die Sohle ihren Winkel, und dadurch ändert sich die komplette Form des Schuhs. Mit dem Einrasten des Absatzes rastet dann auch die Form ein, so dass alles stabil ist. Wir mussten dann nur noch überlegen, wie wir eine solche Mechanik in einen Schuh integrieren.

Und da haben Sie externe Fachleute hinzugezogen?

Barth: Ja, wir haben zunächst mit einer Schuhmacherin in München zusammengearbeitet und erste Prototypen entwickelt. Dann haben wir Kontakt zu Schuhherstellern in ganz Europa aufgenommen und weitere Prototypen erstellt. Eine große Herausforderung war auch das Design. Bei diesen ständigen Höhenverstellungen werden die Lederpartien ja extrem beansprucht. Wir wollten aber einen Schuh, der trotzdem filigran und modisch aussieht. Nach langer Suche haben wir dann tatsächlich die bekannte Designerin Reka Vago aus Budapest für unser Vorhaben gewinnen können. Sie unterstützt uns jetzt seit einem Jahr beim Aufbau der Kollektion und beim Design.

Bei den Gründungsvorbereitungen wurden Sie vom Strascheg Center for Entrepreneurship an der Hochschule München unterstützt. Was empfanden Sie als besonders hilfreich?

Barth: Interessant und auch wichtig waren die motivierenden Gespräche mit Mentoren, die uns darin bestärkt haben, unsere Geschäftsidee umzusetzen. Die berufliche Selbständigkeit ist ja etwas Anderes als der Einstieg in eine abhängige Beschäftigung, wo man in einen bestimmten und klar umrissenen Aufgabenbereich eingewiesen wird. Bei der Selbständigkeit ist alles erst einmal unklar. Wo fängt man an? Was kommt alles auf einen zu? Wie kann man sich vorbereiten, damit man den Sprung in den Markt schafft? Wie finanziert man das Ganze? Da sind auch Existenzängste dabei. Hier haben uns die Gespräche sehr weiter geholfen, weil uns klar und deutlich gezeigt wurde, welche Meilensteine auf uns zukommen und was wir tun müssen, um diese Meilensteine zu erreichen. Über das SCEEntrepreneurship-Gründernetzwerk haben wir außerdem viele andere Gründerinnen und Gründer kennengelernt, die in einer ähnlichen Situation waren. Die hatten auch zu kämpfen, aber haben es angepackt und ihre Vision umgesetzt. Das hat uns Mut gemacht.

Wurde auch über ein mögliches Scheitern gesprochen?

Barth: Ja, natürlich. Scheitern gehört dazu. Dabei muss man sich darüber im Klaren sein, dass Scheitern nicht persönliches Versagen bedeutet, sondern ein Dazulernen. Es gibt viele Gründer, die mit ihrem ersten oder zweiten Unternehmen zunächst danebenlagen, aber dann beim dritten Mal Erfolg hatten. Und selbst, wenn man es nach einem ersten Flop nicht noch einmal probieren möchte, nimmt man eine tolle Lebenserfahrung mit. Vor diesem Hintergrund sind wir gestartet und haben uns gesagt: Wenn wir in den ersten sechs Monaten merken, das Projekt läuft nicht, dann war das zumindest eine spannende Zeit.

Wie haben Sie sich während der Vorbereitungszeit finanziell "über Wasser gehalten"?

Barth: Wir haben mit Hilfe des Strascheg Centers im vergangenen Jahr EXIST-Gründerstipendium beantragt und erhalten. Das heißt, wir bekommen die Förderung jetzt noch bis Ende September 2013. Das hilft uns sehr weiter, denn um Investoren ins Boot zu holen, ist es einfach noch zu früh. Darüber hinaus konnten wir mit Hilfe des Coachingbudgets von EXIST zu unterschiedlichen Themen wie Recht, Steuern, Design und Produktentwicklung oder auch Markenschutz verschiedene Fachberater in Anspruch nehmen. Auch die Fragen zum Vertriebsaufbau hatten es in sich. Wie bringen wir den Schuh auf den Markt? Passt der überhaupt auf den Schuhmarkt? Für diese Fragen haben wir aber zum Glück eine sehr gute Beraterin gefunden, die schon viele Jahre in der Modebranche tätig ist und uns nach wie vor unterstützt.

Wussten Sie, ob Ihr Schuh bei den Frauen gut ankommen würde?

Barth: Ja, wir haben mehrere Umfragen bei potenziellen Kundinnen durchgeführt und immer ein sehr positives Feedback erhalten. Dabei haben wir nicht nur gefragt, ob sie einen höhenverstellbaren Schuh kaufen würden, sondern auch, warum sie überhaupt hohe Schuhe tragen. Wie fühlen sich Frauen, wenn sie hohe Schuhe tragen? In welcher Situation wird welcher Schuh wie getragen? Worauf ist beim Design zu achten? Worauf in Bezug auf die Funktion? Und so weiter. Die positiven Rückmeldungen haben uns über die gesamte Entwicklungszeit begleitet. Das war sehr wichtig, um auch in Tiefphasen immer die Gewissheit zu haben, dass es jede Menge Frauen gibt, die unsere Idee gut finden und den Schuh kaufen würden.

Sie haben mit vielen Schuhherstellern, Designern und anderen Branchenvertretern gesprochen. Manche Gründer hätten da Angst, dass ihre Idee womöglich kopiert wird. Hatten Sie auch diese Sorge?

Barth: Für uns stand fest: Wer nicht mit anderen spricht, kann auch nichts erreichen. Ein Restrisiko bleibt natürlich immer. Aber man muss auch wissen, dass Schuhhersteller ein anderes Geschäftsfeld bedienen und eigentlich sehr gut ausgelastet sind. Komplette Produktionsprozesse umzustellen, wäre für die nicht rentabel. Trotzdem darf man mit seinem Know-how nicht zu freigiebig umgehen. Wenn wir zu Herstellern fahren oder mit Designern zusammenarbeiten, lassen wir eine Geheimhaltungserklärung unterzeichnen und versuchen, das über diesen Weg zu sichern.

Sobald unser Schuh auf dem Markt ist, wird er aber ohnehin patentrechtlich geschützt sein. Wir geben sehr viel Geld für Schutzrechte aus: für die Beantragung, für Patenterweiterungen auf internationaler Ebene, für Geschmacksmuster, zur Absicherung des Designs oder auch für die Eintragung einer Gemeinschaftsmarke. Das sind wiederkehrende Kosten, die man berücksichtigen muss.

Guter Tipp, haben Sie noch mehr davon?

Barth: Nie die Motivation verlieren, immer dran bleiben und auf sein Bauchgefühl hören. Das hat bei uns ganz gut geklappt. Sich nicht aufgeben, sich in neue Herausforderungen einarbeiten. Und auch kein Problem damit haben, eine Arbeit zwei- oder dreimal zu machen, bis das Ergebnis wirklich stimmt. Damit haben wir oft gehadert. Dieses erneute Anpacken, das erneute Überarbeiten, das Besprechen ist nicht so leicht. Sich im Team auch darüber im Klaren sein, wie man Entscheidungen trifft. Wie man unterschiedliche Meinungen, Einstellungen, auf einen Punkt bringt. Das ist ein Stück gelebte Demokratie.

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