Navigationsbereich

Sie befinden sich hier:

Free-Linked GmbH

Michael Feicht Michael Feicht, Mitgründer der Free-Linked GmbH
© Free-Linked GmbH

"In direktem Kontakt kann man die Vorteile seines Produkts am besten darstellen und erhält gleich wertvolles Marktfeedback."

Interview mit Michael Feicht

 

Tauche niemals allein: So lautet die wohl wichtigste Regel für Sporttaucher. Der Tauchpartner hilft bei Problemen und kann im Notfall lebensrettend sein. Doch die Verständigung zwischen Tauchern ist oft schwierig. Das EXIST-Start-up Free-Linked hat mit Unterstützung der Hochschule Pforzheim nun ein neuartiges Hightech-Armband entwickelt, das die Unterwasserkommunikation revolutionieren soll.

Herr Feicht, die Idee zu Ihrem Start-up wurde aus Ihrem Hobby geboren. Wie kam es dazu?

Feicht: Den Anstoß gaben eigene Taucherfahrungen am Great Barrier Reef. Dort kam es einmal zu einer bedrohlichen Situation, als ich meinen Tauchpartner längere Zeit aus den Augen verlor. Darauf machte ich mich auf die Suche nach einem einfachen technischen Kommunikationsgerät für Taucher. Und stellte fest: es gibt keines. Auf dem Markt befanden sich fast ausnahmslos akustische Signalgeber, mit denen man sich über Klopf- oder Rasselgeräusche verständigen kann. Doch die haben einen entscheidenden Nachteil: Sie machen unnötig Lärm und rufen damit auch alle Taucher in der Umgebung bzw. stören die Unterwasserwelt.

Wie unterscheidet sich Ihr Produkt von diesen Geräten?

Feicht: Unser „Buddy Watcher“ macht es möglich, seinen Tauchpartner lautlos und damit personengebunden zu rufen. Das Gerät gleicht einer Armbanduhr und ist einfach zu bedienen. Die Technologie basiert auf Ultraschall: Per Knopfdruck schießen Schallwellen durch das Wasser und kurz darauf vibriert es am Handgelenk des Begleiters – dieser weiß – niemand anderer als sein Tauchpartner benötigt Aufmerksamkeit. So bleibt man in ständigem Kontakt mit seinem Tauchkumpan - und das auf einer Entfernung von bis zu 20 Metern. Fische werden dabei nicht gestört, sie können die Töne im Ultraschallbereich nicht hören. Auch Wale und Delphine stört das Gerät nicht, da unter einem Watt Leistung gesendet wird.

Eduard Sabelfeld Eduard Sabelfeld, Mitgründer der Free-Linked GmbH
© Free-Linked GmbH

Sie haben Maschinenbau mit Schwerpunkt Produktentwicklung studiert. Lag es da nahe, die Lösung kurzerhand selbst zu entwickeln?

Feicht: Im Studium habe ich gelernt, Produkte systematisch voranzutreiben, dazu kommt, dass ich aus einer Unternehmerfamilie stamme. Ausschlaggebend aber war mein Professor, der mich sehr motivierte. In meiner Diplomarbeit habe ich dann die technische Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit eines solchen Projekts untersucht. Unter anderem habe ich rund 200 Taucher befragt und ähnliche Unterwassergeräte auf Ultraschallbasis analysiert. Am Ende stand fest: Die Idee ist zukunftsfähig.

Wie ging es weiter?

Feicht: Da ich nicht als Einzelkämpfer gründen wollte, habe ich mich auf die Suche nach geeigneten Mitgründern begeben. Für das Vorhaben brauchte es noch einen Hard- und Softwareentwickler und jemanden, der sich mit Marketing und Finanzen auskennt. Den Elektroingenieur Sergej Koch und den Wirtschaftsingenieur Eduard Sabelfeld kannte ich bereits aus dem Freundeskreis – beide konnte ich von der Idee begeistern. Mit tatkräftiger Unterstützung der Hochschule Pforzheim haben wir dann erfolgreich EXIST-Gründerstipendium beantragt und sind 2010 offiziell gestartet.

Das lief ja wie am Schnürchen. Ist Ihre Gründung immer ganz nach Plan verlaufen?

Feicht: Nein, durchaus nicht. Aber ich denke, das ist normal – kein Start-up ist kurz nach der Gründung perfekt. Wir hatten zum Beispiel eine weitaus längere Entwicklungszeit als vorgesehen. Ein Grund war, dass wir, ein halbes Jahr ohne finanzielle Rücklagen und Einkünfte überbrücken mussten, nachdem die EXIST-Förderung auslief. Darunter hat das Projekt natürlich gelitten. Wir hatten erst gegen Ende des EXIST-Zeitraums mit der Investorensuche begonnen, weil eben dann auch der Businessplan fertig war. Rückblickend kann ich sagen, es hätte mindestens ein halbes Jahr früher sein müssen. Ursprüngliche Idee war auch, das Gerät zusätzlich mit einer Warnfunktion auszustatten. Doch weil die Zeit rannte, entschieden wir, den Markteintritt erstmal nur mit einem Feature zu machen.

Gab oder gibt es weitere Herausforderungen?

Feicht: Viele Kunden können sich unser Gerät noch nicht so recht vorstellen. Obgleich das Interesse der Tauchcommunity hoch ist, gibt es gerade am Anfang auch Erklärungsbedarf. Viele fragen sich, wozu sie das brauchen, wenn es doch wesentlich günstigere Möglichkeiten gibt. Unsere Testkunden hingegen sind fast ausnahmslos begeistert. Für uns heißt das: Der Kunde ist spätestens dann überzeugt, wenn er das Gerät ausprobiert und „am eigenen Körper“ erlebt, wie es unter Wasser funktioniert. Daher arbeiten wir derzeit an einer Marketingkampagne, die genau dieses Erlebnis imaginär vermittelt.

Ihr Produkt ist seit knapp einem Jahr auf dem Markt. Wo bieten Sie es an und welchen Vertriebsweg nutzen Sie?

Feicht: Derzeit ist unser Gerät in ausgewählten Tauchläden, großen Online-Kaufhäusern und über unseren Webshop erhältlich. Die Fachhändler kontaktieren wir über Berichtschaltungen und gezielte Direktansprachen. Letzteres ist zwar zeitintensiv, doch in direktem Kontakt lassen sich die Vorteile des Produkts am besten darstellen und man erhält zugleich wertvolles Marktfeedback.

Welche Pläne hat Free-Linked für die Zukunft?

Feicht: Wir wollen unser Produkt auf jeden Fall ausbauen und mit weiteren Funktionen ausstatten. Hierfür suchen wir gerade noch einen Entwicklungsingenieur. Mittelfristig ist zudem ein komplettes Navigationssystem für den Unterwasserbereich geplant.

Und wenn wir hierzulande bekannter sind, kommt der nächste große Schritt: Die großen Taucherparadiese liegen schließlich alle im Ausland – und dort werden auch die Trends gesetzt.

Stand: Oktober 2015