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Holidu GmbH

Gründer von Holidu GmbH Michael und Johannes Siebers
© Holidu GmbH

„Man muss überall den Austausch suchen. Aber es ist auch notwendig, sich für ein paar Wochen einzuschließen und in aller Ruhe an seinem Produkt zu arbeiten.“

Interview mit Johannes und Michael Siebers

Für mehr Transparenz auf dem Markt für Ferienunterkünfte möchten Johannes und Michael Siebers sorgen. Dazu bieten sie ein Vergleichsportal für Ferienhäuser an, das auf einer eigens entwickelten Bilderkennungstechnologie basiert.  

Herr Siebers, welche Geschichte steckt hinter Holidu?

J. Siebers: Die Geschichte ist schnell erzählt: Mein Bruder und ich haben vor ein paar Jahren ein Ferienhaus in Portugal gesucht. Wir haben dazu in verschiedenen Ferienunterkunfts-Portalen recherchiert und dabei festgestellt, dass auf fast allen Webangeboten ähnliche Häuser abgebildet sind, aber zu unterschiedlichen Preisen. Erst als wir uns die Bilder dann näher angeschaut und miteinander verglichen haben, war klar, dass es sich tatsächlich oft um identische Objekte gehandelt hat. Das liegt daran, dass viele Vermieter ihre Ferienwohnung oder ihr Ferienhaus auf mehreren Portalen anbieten, um eine größtmögliche Buchungsauslastung zu erreichen. Aufgrund der unterschiedlichen Gebührenstrukturen der Vermittler entstehen dabei Preisdifferenzen von bis zu 55 Prozent. Das Problem ist nur, dass der Nutzer nicht direkt erkennen kann, ob es sich um unterschiedliche Ferienobjekte oder um ein und dasselbe handelt. Auch die Beschreibungstexte, Lageinformationen und Fotos sind bei einem Ferienhaus nicht einheitlich auf den verschiedenen Webportalen aufgeführt. Wir haben uns daher die Frage gestellt, ob es nicht möglich ist, ein Portal anzubieten, das den Nutzern eine transparentere und einfachere Suche ermöglicht. So, wie man es eben auch von Vergleichsportalen für Flugverbindungen oder Hotels kennt.

Und da kam Ihre Bilderkennungstechnologie ins Spiel?

M. Siebers: Genau, die größte Herausforderung für den Aufbau eines Vergleichsportals, so wie wir es uns vorstellten, war, zuverlässig zu erkennen, ob dieselbe Ferienwohnung gleichzeitig auf verschiedenen Internetseiten angeboten wird. Wir haben schnell erkannt: Nur mit einer technologischen Innovation können wir das Problem lösen und erfolgreich sein. Wir haben daher eine Bilderkennungstechnologie entwickelt, mit deren Grundlagen wir uns bereits im Rahmen unseres Studiums an der Hochschule Karlsruhe beschäftigt hatten.

J. Siebers: Das Ganze basiert auf unserer natürlichen visuellen Wahrnehmung: Wenn wir in einem Wohnzimmer aus unterschiedlichen Perspektiven in den Raum blicken, wissen wir trotzdem, dass es dasselbe Wohnzimmer ist, weil bestimmte Merkmale eben identisch sind. Ähnlich funktioniert unsere Bildanalyse.

Zu dem Zeitpunkt als die Idee entstanden ist waren Sie bereits berufstätig.

J. Siebers: Ja, wir haben beide in bekannten Start-ups und im Bereich Venture Capital gearbeitet. Insofern lag der Entschluss, irgendwann selbst ein Unternehmen zu gründen, ziemlich nahe.

Anfangs haben wir dann erst einmal geschaut, wer uns bei unserer Idee unterstützen könnte. Wer würde sowohl auf technischer Seite als auch auf Business-Seite helfen? Wer kennt sich mit dem Geschäftsmodell aus und hat vielleicht schon Erfahrungen in der Reisebranche gesammelt?

Sie haben über das Karlsruher Institut für Technologie,KIT, EXIST beantragt. Wer hat Sie dort unterstützt?

J. Siebers: Professor Orestis Terzidis vom KIT-ENTECHNON-Institut hat uns in vielerlei Hinsicht unterstützt. Hinzu kamen Professoren von der Universität Karlsruhe, die uns bei der Weiterentwicklung der Bilderkennungstechnologie geholfen haben. 

M. Siebers: Das waren meine Professoren, die ich noch vom Studium kannte und die uns unterstützt haben. Geholfen haben uns auch Studenten, die zum Teil inzwischen bei Holidu arbeiten.

Sie waren beide bereits berufstätig und haben ganz gut verdient. Trotzdem haben Sie gekündigt, um sich auf die Gründung Ihres Start-ups vorzubereiten.

M. Siebers: Wir haben gesagt: „Wir probieren das jetzt einfach aus.“ Wobei uns das EXIST-Gründerstipendium die Entscheidung erleichtert hat. EXIST hatte auch den Vorteil, dass wir ein Jahr lang an unserer Technologie arbeiten und grundlegende Innovationen entwickeln konnten, ohne unter dem Druck zu stehen, sofort Umsatzergebnisse erzielen zu müssen.

J. Siebers: Hinzu kam der nicht-monetäre Zweig der Förderung. Die Professoren, Mitarbeiter und Studenten am KIT sowie am Münchner Strascheg Center for Entrepreneuship haben uns wirklich sehr geholfen. Holidu haben wir ja letztlich in München gegründet. Das ist der Vorteil, dass die EXIST-geförderten Hochschulen gut vernetzt sind.

Sie sind im Juli 2014 mit Holidu an den Start gegangen. Welche Bilanz können Sie ziehen?

M. Siebers: In Summe sind wir sehr glücklich darüber, wie es bisher gelaufen ist. Als Metasuchmaschine prüft Holidu inzwischen Millionen von Ferienunterkünften von über hundert Partnerseiten. Unser Unternehmen ist sehr schnell gewachsen. Wir haben über 60 reise- und techbegeisterte Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern, alle hier an unserem Standort in München. Die Bürosprache ist Englisch. Zurzeit sind wir mit Holidu in 14 Ländern präsent. Wir arbeiten mit über 100 Partnern aus der Reisebranche zusammen und haben Millionen Ferienunterkünfte in unserer Datenbank.

J. Siebers: Wir freuen uns auch über den Abschluss unserer ersten größeren Finanzierungsrunde, bei der wir auch Branchengrößen mit an Bord holen konnten, die uns tatkräftig unterstützen.

Und mit welchen Herausforderungen hatten Sie zu kämpfen?

J. Siebers: Am Anfang, als das Unternehmen noch sehr klein war, mussten wir erst einmal das Team aufbauen. Aber wenn man noch nichts vorweisen kann und potenzielle Mitarbeiter davon überzeugen muss, mit anzupacken und darauf zu vertrauen, dass sich das Unternehmen erfolgreich entwickelt, ist das nicht so einfach. Insbesondere wenn es darum geht, gute Entwickler zu finden. Aber es hat sich gelohnt: Wir konnten ein tolles und hoch professionelles Team auf die Beine stellen. Unsere Professoren kannten gute Leute. Und viele Kontakte kamen auch über Veranstaltungen an der Hochschule sowie über Jobportale zustande.

Welchen Tipp können Sie anderen Gründern geben?

J. Siebers: Ich glaube, wichtig ist erst einmal den Mut zu haben, an die eigene Idee zu glauben. Man muss viel mit Leuten sprechen, aber das Feedback dann auch richtig einschätzen können. Außerdem würde ich empfehlen, von Anfang an groß zu denken. Wenn man versucht große Probleme zu lösen, ist es leichter, Geld einzusammeln, Mitarbeiter zu finden und zu begeistern und am Ende dann auch eine erfolgreiche Firma aufzubauen.

M. Siebers: Mir ist auch immer wieder aufgefallen, dass viele Gründer sich nicht trauen, über ihre Idee zu sprechen. Die sagen dann, das sei alles noch geheim. Das kann ich nicht verstehen. Im Gegenteil: Man muss überall den Austausch suchen, um so viele Ratschläge wie möglich von allen Seiten einzuholen. Und dann ist es aber auch notwendig, sich für ein paar Wochen oder Monate einzuschließen und in aller Ruhe an seinem Produkt zu arbeiten. Denn wir wussten: Nur mit einer technologischen Innovation können wir erfolgreich sein.

Wie lange haben Sie sich eingeschlossen?

M. Siebers: Sechs Monate! Im Keller von früh morgens bis nachts!