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LiPRO Energy GmbH & Co. KG

Gründerteam LiPRO Energy v.l.n.r.: Frederik Köster, Julian Fintelmann, Jonas Zimmermann
© LiPRO Energy GmbH & Co. KG

"Was bei uns wirklich großartig klappt, ist das Team. Das ist für jede Gründung ein ganz wichtiger Punkt."

Interview mit Julian Fintelmann

Direkt nach Ablauf der EXIST-Förderphase konnten Julian Fintelmann, Jonas Zimmermann und Frederik Köster durchstarten. Die von ihnen entwickelte Anlage erzeugtaus nachwachsenden Rohstoffen Strom und Wärme und läuft bereits an mehreren Standorten in Deutschland und Österreich.Betreut wurden sie bei ihren Gründungsvorbereitungen vom Gründungs- und Innovationszentrum (GIZ) an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Herr Fintelmann, Sie haben mit Ihren Gründungspartnern eine Anlage entwickelt, die aus nachwachsenden Rohstoffen Strom und Wärme erzeugt. Was ist das Besondere daran?

Fintelmann: Dass bei unserem Verfahren keine Fremdstoffe wie Teer im Holzgas oder der Schlacke in der Rostasche anfallen. Dadurch ist unsere Anlage LiPRO HKW um ein Vielfaches langlebiger und wirtschaftlicher als vergleichbare Anlagen, die es bereits auf dem Markt gibt. Hinzu kommt, dass unsere Anlagen nicht nur mit Holz, sondern zukünftig auch mit verschiedenen holzigen Reststoffen wie zum Beispiel aus Biogasanlagen betrieben werden können. Diese Reststoffe fallen in so großen Mengen an, dass sie zum Teil in andere Regionen transportiert werden müssen, um sie dort auf den Feldern auszubringen. Aber selbst das reicht nicht aus. Es ist die Masse an Reststoffen, die nicht umweltgerecht verwertet werden kann und ein zunehmendes Problem darstellt.

Ihre Anlage kann sowohl zur Wärme- als auch zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Von daher sind die Einsatzmöglichkeiten sehr vielseitig.

Fintelmann: Ja, der Kreis der denkbaren Auftraggeber umfasst größere landwirtschaftliche Betriebe, mittelständische Industriebetriebe, Kommunen oder größere Wohnungsbaugesellschaften. Mit einer Mehrblockanlage lassen sich zum Beispiel rund 60 Haushalte mit Wärme versorgen. Und die gewonnene Elektrizität kann in der Nachbarschaft an einzelne Haushalte verkauft werden.

Wie kam es zu der Idee?

Fintelmann: Frederik Köster, Jonas Zimmermann und ich sind schon lange befreundet. Frederik und Jonas sind auf einem landwirtschaftlichen Demeter-Betrieb in der Region Oldenburg aufgewachsen. Und als dort vor ein paar Jahren eine Energieversorgungsanlage im Sinne einer ökologischen Kreislaufwirtschaft gesucht wurde, haben wir das in die Hand genommen. Bei den Gesprächen mit den verschiedenen Anbietern und Betreibern solcher Anlagen hat sich allerdings schnell herausgestellt, dass deren Wartungs- und Reparaturbedarf ziemlich hoch ist. Also haben wir uns mit fünf Ingenieuren zusammengesetzt und angefangen, eine eigene Anlage zu entwickeln. Darüber haben wir dann auch unsere Abschlussarbeiten geschrieben. Jonas Zimmermann hat sich in seiner Masterthesis an der Jade Hochschule Wilhelmshaven im Fachbereich Maschinenbau mit der technischen Auslegung und Konstruktion der Anlage beschäftigt. Frederik Köster hat an der HAWK Hochschule in Göttingen ebenfalls im Bereich Forstingenieur und Ingenieur für Nachwachsende Rohstoffe und Erneuerbare Energien in seiner Masterthesis die ökologischen und ökonomischen Rahmenbedingungen der Biomassebereitstellung untersucht. Und ich war an der Beuth Hochschule in Berlin und habe als angehender Wirtschaftsingenieur für Umwelt und Nachhaltigkeit in meiner Bachelorthesis die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung der Prototypen-Anlage analysiert sowie die Marktintegrationsfähigkeit untersucht. Darüber hinaus hatten wir jede Menge Unterstützung von Freunden, die zum Beispiel den notwendigen Input für die Steuerungsanlage oder die Softwareprogrammierung beigetragen haben.

Und wie kam es dann zum Schritt in Richtung unternehmerische Selbständigkeit?

Fintelmann: Als die Anlage soweit fertig war, erwies sich die Technik als so stabil, dass weitere Interessenten auf uns zukamen und sehr positiv reagiert haben. Also haben wir uns überlegt, uns selbständig zu machen und unsere Anlage auf den Markt zu bringen. Unserer Abschlussarbeiten enthielten ja bereits Komponenten, die für die Vorbereitung einer Unternehmensgründung relevant waren. Zu meiner Wirtschaftlichkeitsbetrachtung gehörte zum Beispiel eine Marktanalyse. Insofern waren wir insgesamt ganz gut gewappnet, um an der Universität Oldenburg ein EXIST-Gründerstipendium zu beantragen. Und die Betreuung, die wir dann vom Gründungsnetzwerk der Uni Oldenburg erhielten, war wirklich super.

Ihre EXIST-Förderung ist inzwischen abgelaufen. Wie sieht es mit der  Anschlussfinanzierung aus?

Fintelmann: Die brauchen wir nicht. Zwei Anlagen laufen bereits über einen Contracting-Vertrag, das heißt, wir vermieten die quasi und werden vom Betreiber bezahlt. Fünf Anlagen befinden sich derzeit in Österreich in der Planungsphase, zwei sind in Deutschland projektiert und darüber hinaus haben wir Interessenten in der Schweiz. Außerdem bieten wir Beratungsleistungen im Brennstoffanbau an. Dabei geht es zum Beispiel um die Anpflanzung von Weide- oder Pappel-Plantagen, die auf großen Flächen angebaut und als Energieholz genutzt werden können 

Wie haben Sie Ihre Kunden auf sich aufmerksam gemacht?

Fintelmann: Der Einstieg erfolgte über die Teilnahme an der Hannover-Messe. Das hat uns damals die Universität Oldenburg im Rahmen der EXIST-Förderung ermöglicht. Dadurch konnten wir uns relativ günstig als Mit-Aussteller auf dem Messestand des Landes Niedersachsen präsentieren. Das war ein großer Erfolg, so dass wir ein riesiges Netzwerk aufbauen konnten.  Anschließend haben wir noch weitere Messen wie zum Beispiel die KWF, die größte internationale Forstmesse, besucht.

Wie bringen Sie Ihre Anlage „an den Mann“?

Fintelmann: Wir arbeiten beim Vertrieb im Wesentlichen mit Partnern zusammen. Dazu gehört zum Beispiel ein Anbieter von Trocknungsanlagen für Holzhackschnitzel. Unser Vertriebspartner, der diese Trocknungsanlagen entwickelt und vertreibt, hat bereits ein großes Netzwerk in Österreich und der Schweiz und vermarktet unsere Anlagen jetzt mit. Das hat den großen Vorteil, dass wir uns als kleines Start-up gegenüber Kunden nicht erst mühsam einen Vertrauensvorschuss erarbeiten müssen. Das wäre bei einer hochpreisigen Anlage wie der unseren eine hohe Einstiegshürde. Aber wenn unser Vertriebspartner, der seit zehn Jahren am Markt ist, zu seinen Kunden sagt, ich bin von der Technik so überzeugt, dass ich sie unter meinem Namen verkaufe und stehe dafür auch gerade, selbst wenn das Start-up nicht mehr sein sollte, wissen seine Kunden, dass sie sich darauf verlassen können.

Das scheint ja alles ideal zu laufen. Gibt es dennoch Dinge, die Sie im Nachhinein anders machen würden?

Fintelmann: Ich würde während der EXIST-Förderphase noch mehr Gas geben und innerhalb der ersten drei Monate gründen und mich noch mehr auf den Absatz konzentrieren. Dann hat man die Chance, mit dem Auslaufen von EXIST bereits über eigene finanzielle Mittel zu verfügen. Das hat bei uns funktioniert, aber es war knapp, weil wir erst nach einem halben Jahr gegründet haben.

Was bei uns wirklich großartig klappt und für jede Gründung ein ganz wichtiger Punkt ist, ist das Team. Wir ergänzen uns sehr gut und haben die Aufgaben sinnvoll verteilt. Außerdem stehen uns unsere Freunde mit Rat und Tat zur Seite. Das klappt so gut, dass wir eigentlich kaum externe Beratungsleistungen einkaufen müssen, außer Rechts- und Steuerberatung. Aber ich fuchse mich auch gerne in so etwas rein. Man muss halt für alles eine Leidenschaft entwickeln und es nicht als Pflicht sehen

Wie sehen Ihre nächsten Schritte aus? Was haben Sie vor?

Fintelmann: Wir führen zurzeit gemeinsam mit einem Forstwirt ein Pilotprojekt in Süddeutschland durch, um Interessenten unsere Anlage vorzustellen. Außerdem nehmen wir weiterhin an Fachmessen teil.

Und schließlich werden wir Forschungsprojekte initiieren, um die Verwertung von Reststoffen aus Biogasanlagen und unter anderem der Lebensmittel- und Holzindustrie zu untersuchen.