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LowoTec GmbH

Die Gründer der LowoTec GmbH auf einem Gruppenbild v.l.n.r.: Axel Ritz, Henning Hoffmann, Wolf-Christian Gantert, Guido Neun
© LowoTec GmbH

"Der Austausch mit jungen Unternehmern, die bereits am Markt etabliert sind, hat uns weitaus mehr genutzt als jeder Ratgeber."

Interview mit Wolf-Christian Gantert

Home-Office statt Büro: Telearbeit boomt und eröffnet zahlreiche Chancen und Möglichkeiten. Doch was für große Unternehmen längst Normalität ist, bedeutet für kleinere Betriebe oftmals eine hohe Hürde: zu aufwendig und zu kompliziert ist für sie die Einrichtung von Telearbeitsplätzen. Das EXIST-Start-up LowoTec hat mit Unterstützung der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg nun ein Gerät entwickelt, mit dem auch kleine Unternehmen das Thema "Telearbeit" schultern können.

Herr Gantert, worum geht es bei Ihrer Geschäftsidee?

Gantert: Wir haben ein Gerät entwickelt, das die Einrichtung von Telearbeitsplätzen ohne großen technischen Aufwand ermöglicht. Es besteht aus zwei kleinen Boxen: Die eine wird im Unternehmen mit dem Netzwerk verbunden, die andere am gewünschten Arbeitsort zwischen Computer und Router eingesteckt. Sobald beide Geräte angeschlossen sind, bauen sie automatisch über das Internet eine gesicherte Verbindung zueinander auf. Der Mitarbeiter erhält sofort Zugriff auf die gesamte IT-Infrastruktur der Firma: so als wäre er selbst vor Ort.

Ihr Team besteht aus vier Informatikern. Wie haben Sie zusammengefunden?

Gantert: Wir kennen uns bereits ziemlich lange und ziemlich gut – was für ein Start-up-Vorhaben ein großer Vorteil ist. Guido Neun, Axel Ritz und Henning Hoffmann haben wie ich an der Universität Oldenburg studiert. Schon dort haben wir in verschiedenen Projekten im Bereich Netzwerktechnik zusammengearbeitet. Und anschließend waren wir sogar alle im gleichen Unternehmen beschäftigt.

Dort entstand auch die Idee zu Ihrem Produkt. Wie kam es dazu?

Gantert: Wir haben zu der Zeit viel mit Messsystemen gearbeitet. Dabei hatten wir wiederholt Probleme, die Messdaten schnell und sicher über VPN – also über ein Virtuelles Privates Netzwerk – auf den Server zu bekommen. Andauernd haben wir uns über schlecht funktionierende Verbindungen geärgert und gedacht, das müsste doch eigentlich auch anders gehen. So entstand der Plan, eine wirklich einfache VPN-Lösung zu entwickeln.

Hatten Sie da bereits das eigene Start-up im Visier?

Gantert: Nicht sofort. Aber wir haben auch in der Freizeit intensiv an dem Projekt getüftelt und die Idee immer weiter gesponnen. Zugleich hatten wir noch gute Kontakte zu unserer ehemaligen Fakultät an der Universität, über die wir hilfreichen Input erhielten. Irgendwann kam der Punkt, an dem der Weg in die unternehmerische Selbständigkeit nicht mehr fremd, sondern logisch erschien. Die eigene Idee selbst umzusetzen und zu entscheiden, in welche Richtung das Ganze geht - das hat uns letztlich enorm gereizt.

Was waren dann die ersten Schritte?

Gantert: Wir haben mit anderen Start-ups aus der Region Kontakt aufgenommen und dabei viel über EXIST erfahren. Mit Unterstützung des Gründungs- und Innovationszentrums der Universität Oldenburg haben wir dann EXIST-Gründerstipendium beantragt. Danach ging alles sehr rasch. Über die Vermittlung des VentureLab Oldenburg konnten wir ein Büro im Technologie- und Gründerzentrum beziehen, denn die Nähe zu anderen jungen Unternehmen war und ist für uns enorm wichtig. Einen Monat später sind wir dann offiziell gestartet.

Das ging ja Schlag auf Schlag …

Gantert: Die schnelle Gründung war notwendig, da wir als Hardware-Start-up vor ganz speziellen Herausforderungen stehen: Wir müssen in die Produktion gehen und vorab geeignete Partner finden. Und ein Platinen-Hersteller verhandelt nun einmal nicht mit Privatpersonen. Da muss schon ein Unternehmen dahinter stehen. Hinzu kommen die Lieferzeiten von bis zu 24 Wochen. Da wir im Berufsleben bereits ein kleines Kontaktnetz aufgebaut hatten, konnten wir aber glücklicherweise sehr schnell mehrere kompetente Partner finden.

Viele Hardwarefirmen gehen mit ihrer Produktion nach China …

Gantert: Das ist für uns keine Option. Zum einen ist es für ein Sicherheitsprodukt ein echtes Gütesiegel, in Deutschland gefertigt zu sein. Zum anderen kommt es gerade beim Aufbau der Fertigungskette darauf an, schnell vor Ort zu sein, wenn Probleme auftreten. Die hohe Anzahl an Kaufinteressenten beweist uns, dass wir mit unserem Preis dennoch attraktiv sind.

Produktentwicklung ist das Eine. Ebenso wichtig ist die unternehmerische Seite. Wie haben Sie diese mit vier Informatikern abgedeckt?

Gantert: Guido Neun war bereits mehrere Jahre als Geschäftsführer tätig. Und Henning Hoffmann, der das Produktionsmanagement verantwortet, verfügt über langjährige Erfahrung im Einkauf. Kaufmännische Kompetenz war insofern kein Problem. Und was die Positionierung der Teamrollen angeht, haben uns die Seminare, die im Rahmen der EXIST-Förderung angeboten werden, sehr geholfen.

Eine gewaltige Herausforderung war für uns allerdings das Marketing. Auf diesem Gebiet waren wir komplette Neulinge. Besonders, wenn es darum ging, dem Kunden nicht nur technische Fakten, sondern auch eine gewisse Emotionalität zu vermitteln. Über das EXIST-Coachingbudget haben wir uns dann Unterstützung geholt, die auch sehr hilfreich war. Trotzdem haben wir bald gemerkt: Für eine professionelle Marketingkampagne reicht es nicht. Letztlich haben wir dafür eine Agentur beauftragt.

Gab es weitere Stolpersteine?

Gantert: Ein großes Thema ist, dass wir die komplette Produktion am Anfang weit im Voraus vorfinanzieren müssen. Die meisten Lieferanten wollen bei Erstaufträgen bereits vorab bezahlt werden. Als Hardware-Start-up benötigt man daher schon in einem frühen Stadium relativ viel Geld. Unsere erste Kleinserie, die wir gerade in Auftrag gegeben haben, haben wir mit dem Preisgeld aus dem Gründerwettbewerb - IKT Innovativ finanziert. Jetzt steht die nächste, größere Auftragsserie an und dafür suchen wir gerade Investoren. 

Wie geht es jetzt weiter bei LowoTec?

Gantert: Spätestens im vierten Quartal 2015 werden unsere ersten Geräte auf den Markt kommen. Daher arbeiten wir jetzt mit Hochdruck daran, den Vertrieb auf die Beine zu stellen und führen Gespräche mit IT-Systemhäusern und großen Fachverlagen. Die stehen in engem Kontakt zu unseren Endkunden – den kleinen und mittleren Unternehmen – und agieren für uns als Mittler. Denn die Firmen alle selbst zu kontaktieren erschien uns als noch unbekanntes Start-up wenig aussichtsreich. Ebenfalls ganz oben auf unserer Liste steht das Thema Personal, denn wir wollen wachsen und unser Team vergrößern.

Welche Tipps geben Sie anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg?

Gantert: Der Austausch mit jungen Unternehmern, die bereits am Markt etabliert sind, hat uns weitaus mehr genutzt als jeder Ratgeber. Zudem muss man als Gründer nicht alles selbst können und alles selbst machen. Stattdessen sollte man lernen, bestimmte Aufgaben an externe Profis abzugeben - und damit nicht allzu lange warten. Andernfalls zerrinnt wertvolle Zeit und als Gründer braucht man jede Minute.

Stand: Mai 2015