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Magazino GmbH

Team der Magazino GmbH Links: Lukas Zanger (Gründer), 5. v.l.: Nikolas Engelhard (Gründer), 4. v.r.: Frederik Brantner
© Frederik Brantner, Magazino GmbH

"If you think you have got everything under control, you are not fast enough."

Interview mit Frederik Brantner

Mit ihrem mobilen Lagerroboter möchte das EXIST-Start-up Magazino die Lagerhaltung revolutionieren. Die Chancen dafür stehen gut, denn obwohl der Roboter noch nicht auf dem Markt ist, melden sich bereits jetzt schon jede Menge Interessenten bei der Ausgründung der Technischen Universität München.

Herr Brantner, was ist das Besondere an Ihrer Geschäftsidee?

Brantner: Stellen Sie sich die Amazon- und Zalando-Lager dieser Welt vor. Tausende von Mitarbeitern laufen dort jeden Tag zu den Regalen, um die bestellten Waren herauszunehmen. Dennoch packen die Versandhändler ihre Lager nur zu zwei Dritteln voll, weil sie nicht genügend Lager-Mitarbeiter finden. Wir wollen diesen Prozess daher automatisieren. Bisherige Shuttlelifts oder Paternoster sind nur in der Lage, standardisierte Paletten in Lagerregalen einzustellen oder herauszuholen. Wir haben daher einen Roboter entwickelt, der mit Hilfe von 2D und 3D Kameras die verschiedenen Einzelwaren genau vermessen, erkennen und darauf zugreifen kann. Das hört sich einfach an, ist es aber nicht. Nehmen sie allein die Greiffunktion. Eine standardisierte Palette kann von einem Shuttlelift immer mit ein und derselben Zinke hochgehoben werden. Aber einen Teddybären oder eine CD-Packung oder ein Fahrrad  zu greifen, ist wesentlich schwieriger. Das heißt, der Roboter muss zunächst das Objekt identifizieren, dann muss er an der geeigneten Stelle sicher zugreifen oder saugen und schließlich - wenn er die Ware ins Regal oder in das Transportfahrzeug hineinlegt, sollte er das möglichst platzsparend tun. Allein diese wenigen Beispiele zeigen, dass es sich um eine ziemlich komplexe Angelegenheit handelt.

Prototyp des Lagerroboter Toru Der Prototyp des Lagerroboters Toru vor einem Bücherregal.
© Magazino GmbH

 

Wie ist diese Idee entstanden?

Brantner: Über private Kontakte hatte ich zufällig mitbekommen, dass es ein ähnliches System schon in Apotheken gibt. Da dachte ich zuerst: Super, so etwas könnte ich auch zuhause brauchen, um Ordnung zu schaffen.

Erst nach langen weiteren Überlegungen zusammen mit dem Informatiker Nikolas Engelhard und dem Maschinenbauer Lukas Zanger entstand die Idee, dass sich der größte Mehrwert eigentlich im stückgenauen E-Commerce-Handel ergibt. Und mit Unterstützung der  Technischen Universität München haben wir dann die Idee in die Tat umgesetzt.

Aus einer interessanten Idee eine Geschäftsidee zu entwickeln ist für Sie aber nicht neu gewesen, oder?

Brantner: Nein, mein erstes Unternehmen habe ich mit 16 gegründet. Da habe ich Webseiten gebaut und Hardware verkauft. Das Zweite war dann eine studentische Unternehmensberatung. Die Magazino GmbH ist nun das Dritte. Von daher sehe ich so Dinge wie eine GmbH-Gründung, Steuererklärung, Buchhaltung oder andere bürokratische Aufgaben gelassen. Das habe ich alles schon einmal gemacht und als Betriebswirt bin ich mit diesen Dingen ohnehin vertraut.

Beratung haben Sie aber trotzdem in Anspruch genommen.

Brantner: Ja, wir hatten und haben verschiedene Berater. Ein Start-up ist so komplex wie ein großes Unternehmen und muss auch ähnliche Herausforderungen meistern. Und wenn man sein Unternehmen vor allem über Fremdkapital finanziert, muss man darauf achten, dass die ganzen Unterlagen wirklich Hand und Fuß haben - auch die Buchhaltung. Von daher haben wir zum Beispiel einen Steuerberater an Bord geholt. Außerdem braucht man Juristen, die in der Lage sind, für jede Finanzierungsrunde ein sehr komplexes Vertragswerk zu betreuen. Und man braucht Leute, die einem das eine oder andere erklären und einem auch mal auf die Schulter klopfen. Hier sind die Unternehmer und Berater, die wir über den Münchner Business Plan Wettbewerb kennengelernt haben, sehr hilfreich.

Protoyp des Lagerroboter Toru Der Prototyp des Lagerroboters Toru greift ein Buch.
© Magazino GmbH

 

Gab es denn Hürden, mit denen Sie nicht gerechnet hatten?

Brantner: Ach ja, andauernd. Das gehört dazu. Außerdem dauert einfach alles viel länger, als man denkt. Unser erster Antrag für EXIST-Gründerstipendium wurde zum Beispiel abgelehnt. Auch beim High-Tech Gründerfonds hat es erst beim zweiten Mal geklappt. Da muss man hartnäckig sein und dran bleiben. Aber um die Motivation nicht zu verlieren und nicht nervös zu werden braucht man auf jeden Fall jemanden, der sagt: Okay, das passt schon, es geht schon irgendwie weiter.

Warum hatten Sie EXIST-Gründerstipendium beantragt?

Brantner: Man nimmt dadurch an einem strukturierten Prozess teil und hat durch die finanzielle Unterstützung erst einmal Luft, um sich auf seine Gründung vorzubereiten. Insofern lohnt es sich schon, Zeit in die Antragstellung zu investieren.

Die Magazino GmbH ist letztes Jahr an den Start gegangen. Wie hat sich Ihr Start-up seitdem entwickelt?

Brantner: Rasant. Wir sind jetzt so an die 25 Leute. Nächste Woche kommen wieder zwei Angestellte hinzu. Insgesamt haben wir ein sehr interdisziplinäres Team mit Maschinenbauern, Elektrotechnikern, Industriedesignern und natürlich vielen Informatikern. Bei der Geschwindigkeit kommen wir fast nicht hinterher. Wir müssen uns im Eiltempo professionalisieren, die Personalabteilung aufbauen, das Buchhaltungssystem installieren usw. Es gibt den Spruch: If you think you have got everything under control, you are not fast enough. So ein bisschen erleben wir das auch gerade. Aber bisher waren wir auf jeden Fall immer schnell genug.

Auch dass wir im Mai 2014 eine Finanzierung über den High-Tech Gründerfonds und zwei Business Angels erhalten haben und jetzt noch Siemens eingestiegen ist, ist ein großer Erfolg,

Das heißt, Ihre Kundenakquise ist erfolgreich?

Brantner: Wir besuchen Fachmessen, nutzen unsere Netzwerke und präsentieren unseren mobilen Regalroboter auf Veranstaltungen. Auf diese Weise haben wir unseren ersten Kunden aus dem Versandhandel gefunden. Mittlerweile ist es so, dass sich wöchentlich Interessenten bei uns melden, obwohl der Regalroboter eigentlich gar nicht fertig ist. Darüber hinaus haben wir noch einen zweiten Roboter für Apotheken. der schon seit sechs Wochen im Einsatz ist. Das war auch mit ein Grund, warum jetzt ein weiterer potenzieller Investor gesagt hat: "Wenn die Jungs es schaffen, innerhalb von einem Jahr eine komplette neue Maschine auf einer komplett neuen technologischen Basis zu bauen, dann traut man denen auch zu, dass sie etwas Komplexeres und Größeres wie den mobilen Regalroboter bauen können."

Welchen Tipp können Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben?

Brantner: Als junger Unternehmer muss man dauernd positive Signale nach allen Seiten schicken: ans Team, an die Investoren, Kunden, Beziehungspartner, Familie. Da tut es manchmal gut, ganz offen mit anderen Gründerinnen und Gründern sprechen zu können. Darin liegt auch ein großer Wert von EXIST. Hier in München haben wir ein sehr intensives Netzwerk, in dem wir uns darüber austauschen, was gut läuft und was nicht und wo man persönlich auch Schwierigkeiten hat. Es ist ja eine spannende, aber auch aufreibende Berufsentscheidung, die man da getroffen hat. Und sich da immer wieder mit Gründern, Unternehmern und Mentoren auszutauschen, hilft auf jeden Fall.

Was die Produktentwicklung betrifft, ist es entscheidend eng mit den Kunden zusammenzuarbeiten. Das ist vermutlich auch der Unterschied zu großen Unternehmen. Wir entwickeln das Produkt zusammen mit unseren Kunden und nicht in irgendeiner Forschungsabteilung.

Stand: August 2015