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NUMAFERM GmbH

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"Es hat sich einfach bewährt, dass wir bei den Bewerbungsgesprächen nicht nur auf die Qualifikation geachtet haben, sondern auch darauf, ob die Chemie stimmt.“

Interview mit Dr. Christian Schwarz

Mit einem neuen biotechnischen Verfahren zur Herstellung von Peptiden, also Biomolekülen aus Aminosäuren, sind Dr. Christian Schwarz und Philipp Bürling in 2017 an den Markt gegangen. Die Ausgründung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wird mit EXIST-Forschungstransfer gefördert.

Herr Dr. Schwarz, Sie haben ein neues Verfahren zur Herstellung von Peptiden entwickelt. Wo werden diese Peptide eingesetzt?

Dr. Schwarz: Die Einsatzbereiche sind sehr vielfältig, wobei an erster Stelle mit weltweit circa 90 peptidbasierten Medikamenten die pharmazeutische Industrie steht. Peptide ermöglichen beispielsweise die Kommunikation zwischen Zellen und optimieren biochemische Reaktionen. Insgesamt ist der Anwendungsbereich sehr breit, so dass Peptide beispielsweise in der Klebstoffindustrie, der Oberflächenbeschichtung, in der Kosmetik, in der Agrarwirtschaft oder auch Aquakultur eingesetzt werden. Da die derzeitige Herstellungsmethode allerdings immer noch zu teuer ist, haben wir ein biotechnisches Verfahren entwickelt, das im Unterschied zur bisher angewandten chemischen Synthese weitaus kostengünstiger und nachhaltiger – im Sinne der Rohstoffeinsparung – ist.

Wie haben Sie sich auf Ihre unternehmerische Selbständigkeit vorbereitet?

Dr. Schwarz: Im Wesentlichen durch Learning by Doing - ganz gleich, ob es um die Beantragung von EXIST-Forschungstransfer, um Marktrecherchen oder Investorengespräche ging. In der Startphase hat uns die Düsseldorfer Innovations- und Wissenschaftsagentur zwar tatkräftig unterstützt, aber der Lernprozess geht ja auch nach der Gründung weiter. Von daher lernen wir täglich dazu, nicht zuletzt aus unseren Fehlern. 

Viele Gründer sagen, dass sie den Aufwand für Vertrieb und Marketing unterschätzt haben. Geht Ihnen das auch so?

Dr. Schwarz: Wir sind im B2B-Bereich unterwegs und haben daher nur wenige ausgewählte Kunden. Umfangreiche Werbe- oder Social-Media-Maßnahmen spielen für uns eher eine untergeordnete Rolle. Nichtsdestotrotz gewinnt inzwischen unsere Webpräsenz zunehmend an Bedeutung: Viele Interessenten aus dem Ausland kontaktieren uns über unsere Homepage.

Entscheidend aber ist die Teilnahme an Fachmessen, Konferenzen und ähnlichen Veranstaltungen, um mit den richtigen Ansprechpartnern in Kontakt zu kommen und ein Netzwerk aufzubauen. Auch hier gilt die Devise Learning by Doing, wobei wir in der Startphase von den Erfahrungen zweier ausgewiesener Branchenkenner profitieren konnten, die wir hier in der Düsseldorfer Gründungsszene kennengelernt haben. Beide engagieren sich inzwischen auch als Business Angels für NUMAFERM.

Sie haben im Januar 2017 die NUMAFERM GmbH gegründet. Was hat sich seitdem getan?

Dr. Schwarz: Sehr viel! Wir sind aus den Räumlichkeiten der Universität Düsseldorf ausgezogen und haben eigene Labore in Betrieb genommen. Unsere Seed-Finanzierungsrunde konnten wir mit dem High-Tech Gründerfonds und Evonik Venture Capital, einem internationalen Player im Bereich Spezialchemie, sowie mit unseren beiden Business-Angels und dem European Investmentfond erfolgreich abschließen. Außerdem sind wir inzwischen am Markt und haben Kunden aus der Pharmazie und Biotechnologie im In- und Ausland.

Gibt es etwas, was Sie rückblickend anders machen würden?

Dr. Schwarz: Eigentlich nicht. Insgesamt ist bisher alles sehr positiv gelaufen. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir Evonik überzeugen konnten, bereits in der Frühphase bei uns einzusteigen. Positiv ist auch: Wir sind immer noch dasselbe Gründungs- bzw. Führungsteam wie zu Beginn von EXIST - ein Betriebswirt und drei Wissenschaftler. Auch unsere drei Mitarbeiter sind alle noch an Bord.

Es hat sich einfach bewährt, dass wir bei den Bewerbungsgesprächen nicht nur auf die Qualifikation geachtet haben, sondern auch darauf, ob „die Chemie stimmt“.

Wie sehen Ihre nächsten Schritte aus?

Dr. Schwarz: Wir möchten die nächsten ein, zwei Jahre dazu nutzen, um sogenannte Sweet-Spots zu recherchieren. Wir müssen uns auf bestimmte Einsatzbereiche fokussieren und daher wissen, wo – abgesehen von der Pharmazie - der Bedarf am größten ist.

Welchen Tipp können Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben?

Dr. Schwarz: Ich hatte schon einmal ein Unternehmen gegründet, das ich dann aber wieder aufgegeben habe. Letztlich ist es daran gescheitert, dass die Rollenverteilung im operativen Geschäft nicht vorab geklärt wurde.

Ein weiterer Tipp ist, sich frühzeitig mit dem Thema IP zu beschäftigen. Auch wenn es teuer ist, sollte man nicht auf Patentanwälte verzichten. Die Übertragung des IPs, meist von der Universität, kann nicht früh genug geklärt werden.

Stand: November 2017