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HERMS-Technologies GmbH / Pendix GmbH

Gründungsteam Pendix GmbH / HERMS-Technologies GmbH v.l.n.r.: Andreas Grebner, Christian Hennig, Prof. Dr.-Ing. Peter Reinke, Thomas Herzog, Sebastian Fethke, André Lehmann
© Pendix GmbH / HERMS-Technologies GmbH

"Wir hatten schon immer mit dem Gedanken gespielt, ein Serienprodukt im Bereich Elektromobilität auf den Markt zu bringen."

Interview mit Thomas Herzog

eMobility bietet für Start-ups jede Menge Möglichkeiten, innovative Ideen und neue Geschäftsfelder zu entwickeln. Thomas Herzog, Andreas Grebner, André Lehmann, Sebastian Fethke und Christian Hennig hatten zum Beispiel mit ihrer Ausgründung aus der Westsächsischen Hochschule Zwickau zunächst die Automobilindustrie im Visier. Inzwischen haben sie ihr zweites Unternehmen gegründet und setzen auf den vielversprechenden Markt für eBikes.

Herr Herzog, Ihr Unternehmen Pendix entwickelt Elektromotoren für Fahrräder. Was ist das Besondere daran?

Herzog: Bei unserem System handelt es sich um einen Direktantrieb ohne Getriebe. Das heißt, wenn der Antrieb ausgeschaltet ist, fährt man wie mit einem normalen Fahrrad, ohne Tretwiderstand und ohne ein schweres eBike fortbewegen zu müssen. Hinzu kommt, dass wir bestehende, "normale" Fahrräder mit unserem Motor nachrüsten können - sofern sie über den BSA-Standard für Tretlager und einen geeigneten Baurahmen verfügen. Man braucht sich also nicht unbedingt ein neues Fahrrad zu kaufen, um ein eBike zu fahren.

Wie kam es zu der Idee? Während Ihres Studiums hatten Sie mit Fahrrädern doch gar nichts zu tun.

Herzog: Stimmt. Fahrräder hatten wir damals überhaupt nicht "auf dem Schirm". Im Gegenteil: Unsere Leidenschaft waren Rennwagen. Deswegen haben wir zum Beispiel von 2006 bis 2009 im Rahmen des internationalen Formula-Student-Projekts an der Hochschule Zwickau Rennfahrzeuge gebaut.

Daraus entstand dann auch die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen und Elektromotoren, Steuergeräte und Fahrzeugprototypen für Automobilhersteller und Automobilzulieferer zu entwickeln. Für unsere Gründungsvorbereitungen erhielten wir damals EXIST-Gründerstipendium. Darüber hinaus wurden wir vom Saxeed-Gründungsnetzwerk unterstützt. Auch die Bereitschaft seitens der Hochschule, uns zu helfen, war sehr groß, obwohl die ganze Infrastruktur für Gründungsteams an der Hochschule damals noch in den Kinderschuhen steckte. Letztlich konnten wir aber in 2011 mit der HERMS-Technologies GmbH an den Start gehen.

Irgendwann haben Sie dann aber auch Ihr Herz für Zweiräder entdeckt. Wie kam es dazu?

Herzog: Wir hatten uns ziemlich schnell einen guten Namen in der Prototypenentwicklung gemacht und gezeigt, dass wir unabhängig vom Automobil im Bereich Elektromobilität sehr innovativ sind und verschiedene Lösungen anbieten können. Von daher kam nach etwa zwei Jahren ein Fahrradhersteller, der uns mit der Entwicklung eines Prototypen für einen elektrischen Fahrradantrieb beauftragte. Je intensiver wir uns damit beschäftigten, desto klarer wurde uns, dass wir mit unserem Know-how in der Lage waren, einen ganz neuen Antrieb zu entwickeln. Außerdem hatten wir sowieso mit dem Gedanken gespielt, ein Serienprodukt im Bereich Elektromobilität auf den Markt zu bringen. Insofern haben wir in der Entwicklung eines elektrischen Fahrradantriebs eine gute Chance gesehen, zumal die Marktchancen im eBikebereich deutlich höher sind als im Automobilbereich. 

Und wie ging es dann weiter?

Herzog: Da es sich um einen neuen Markt und um ein ganz neues Geschäftsfeld handelte, lag es nahe, zunächst ein eigenes Unternehmen zu gründen. Tatkräftig unterstützt wurden wir dabei durch den Technologiegründerfonds Sachsen, die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen und einen privaten Investor. Darüber hinaus hatten wir Kontakte zu gestandenen Unternehmern, die uns mit Rat und Tat zur Seite standen, so dass wir - das Gründungsteam der HERMS Technologies - im Jahr 2013 dann die Pendix GmbH gründen konnten. 

Sie haben zwei institutionelle Investoren an Bord. Eine gute Entscheidung?

Herzog:  Ja, wir haben dort eine sehr, sehr gute Struktur vorgefunden. Insofern war es eine sehr gute Entscheidung. Das betrifft auch unseren privaten Investor, einen Unternehmer aus der Pfalz. Wobei die Suche nach einem geeigneten privaten Investor nicht einfach war. Wir haben leider auch einige Kandidaten kennengelernt, mit denen wir eine Zusammenarbeit ganz klar abgelehnt haben. 

Warum? Auf was haben Sie bei der Auswahl geachtet?

Herzog: Entscheidend war und ist für uns eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, so dass man offen über alles sprechen kann. Hinzu kommt, dass man gemeinsam eine langfristige Strategie entwickelt, so dass ein nachhaltiger Unternehmensaufbau stattfinden kann. Investoren, die nur daran denken, das Unternehmen möglichst schnell in die Gewinnzone zu führen und das Unternehmenswachstum zu forcieren, um sich dann möglichst schnell mit einer hohen Rendite aus dem Unternehmen zurückzuziehen, kamen für uns daher nicht in Frage. 

Die HERMS Technologies GmbH gibt es seit 2011, die Pendix wurde in 2013 gegründet. Wie haben sich die beiden Unternehmen entwickelt?

Herzog: Sehr gut. Auch wenn es nicht einfach war und viel Zeit in Anspruch genommen hat, ist es uns mit der HERMS Technologies inzwischen gelungen, verlässliche Kundenbeziehungen zur Automobilindustrie aufzubauen.

Nichtsdestotrotz hat sich der Schwerpunkt unserer Arbeit deutlich in Richtung Pendix verschoben. Wir haben sogar einer Reihe von Automobilprojekten abgesagt, damit wir uns bei Pendix auf die Entwicklung und Vermarktung unseres Fahrradantriebs konzentrieren können. Der Grund dafür liegt in den extrem guten Marktchancen für unseren Fahrradantrieb.

Von daher arbeiten wir mit Hochdruck mit unseren 32 Mitarbeitern an der Weiterentwicklung des Pendix-Antriebs. Wir wollen uns dabei zukünftig zum Beispiel auf Antriebslösungen für eFahrzeuge konzentrieren, die zwischen Fahrrad und Pkw angesiedelt sind. Die also etwas kleiner sind als ein Pkw, in denen man aber dennoch vor Witterungseinflüssen geschützt ist.

Wie sieht Ihr Vertriebsnetz zur Zeit aus?

Herzog: Wir haben deutschlandweit 250 Händler, die unser System als Nachrüstlösung vermarkten und 15 Fahrradhersteller, die es als Nach-Ausrüstung einsetzen. 2016 haben wir einen Partner für den Großhandel dazugewonnen. Inzwischen haben wir acht Kooperationspartner in ganz Europa, und zwar in Tschechien, Österreich, Schweiz, Finnland, Norwegen, Dänemark, Großbritannien und Frankreich. Zukünftig werden wir noch einige weiße Flecken auf dem europäischen Markt beseitigen und unsere Schritte in Richtung außer-europäischer Markt intensivieren. 

Sie sind Geschäftsführer von zwei Unternehmen. Bekommen Sie beides gleichermaßen gut "unter einen Hut"?

Herzog: Wir sind jeweils zu zweit. Das heißt, es gibt einen technischen und einen kaufmännischen Geschäftsführer, wobei ich den kaufmännischen Part besetze. Natürlich ist der Aufwand im Bereich Steuerberatung, Jahresabschlüsse und so weiter etwas höher, aber das ist alles noch im machbaren Bereich.

Zu guter Letzt: Was würden Sie anderen Gründern empfehlen?

Herzog: Ich denke, man muss sich in manchen Dingen mehr Zeit lassen. Zum Beispiel für Entwicklungsprozesse oder für die Überführung von Prototypen in Serienproduktion und natürlich den Vermarktungsprozess. Es geht nie nach Plan. Das ist einfach so. Wichtig ist auch, an sich selber und seine Idee zu glauben und vor allem eine gute Mannschaft zu haben. Damit hat man nach meiner Erfahrung schon eine sehr gute Grundlage.

Stand: Januar 2017