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Performanat GmbH

Gründerinnen der Performanat GmbH i.G. vor einem Tierstall Katharina Hille, Hannah Braun, Dr. Julia Rosendahl
© privat

"Wir haben einen breit aufgestellten Beirat, dessen Mitglieder uns bei betriebswirtschaftlichen Fragestellungen sehr unterstützen."

Interview mit Dr. Julia Rosendahl

In der konventionellen Landwirtschaft müssen Milchkühe Hochleistung bringen. Oft mehr als ihnen gut tut. Damit bestimmte gesundheitliche Probleme bei den Tieren erst gar nicht auftreten, haben die Tierärztin Dr. Julia Rosendahl und ihre Teamkollegen vom Institut für Veterinär-Physiologie der Freien Universität Berlin einen Futtermittelzusatz für Milchkühe entwickelt. Mit Unterstützung von EXIST-Forschungstransfer bereitet sich das Gründungsteam gerade auf seine unternehmerische Selbständigkeit vor. Ihr Unternehmen, die Performanat GmbH, haben Sie bereits gegründet.

Frau Dr. Rosendahl, Sie entwickeln derzeit am Institut für Veterinär-Physiologie der Freien Universität Berlin zusammen mit Ihren Kolleginnen einen neuenFuttermittelzusatz für Milchkühe. Was ist das Neue daran?

Dr. Rosendahl: Unser Ziel ist es, dass die Tiere gesünder werden. Dazu muss man wissen, dass eine Milchkuh heutzutage in der konventionellen Landwirtschaft bis zu 40 bis 60 Liter Milch am Tag gibt. Die Tiere werden dadurch sehr stark beansprucht, so dass sie häufig unter Stoffwechselproblemen leiden. Als Beispiel: Eine Kuh, die gerade gekalbt hat, produziert von heute auf morgen sehr viel Milch, so dass große Mengen Calcium mobilisiert werden, die in die Milch abgegeben werden. Der entstehende Kalziummangel und die damit verbundenen Krankheitssymptome werden als Milchfieber bezeichnet. Wir wollen mit unserem Futtermittelzusatzstoff die Calciumversorgung der Kuh in dieser Phase verbessern.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Steigerung der Futterverwertung der Kühe. Mit unserem Produkt wollen wir erreichen, dass die Tiere das Futter besser verwerten können. Das sind zwei Beispiele für derzeitige Problemstellungen, die wir durch die Entwicklung unseres Futterzusatzstoffes angehen.

In welcher Phase der Produktentwicklung befinden Sie sich?

Dr. Rosendahl: Die ersten Versuche und Fütterungsstudien sind abgeschlossen. Wir sind gerade dabei, die Ergebnisse auszuwerten. Im nächsten Schritt geht es darum, basierend auf diesen Ergebnissen einen Prototypen zu entwickeln. Was EXIST betrifft, befinden wir uns gerade genau zwischen Phase I und II von EXIST-Forschungstransfer.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihre Forschungsergebnisse im Rahmen einer Unternehmensgründung zu verwerten?

Dr. Rosendahl: Als wir im Labor die Idee hatten, unsere Entwicklung selbst zu vermarkten, haben wir uns zunächst an die Patentstelle der Freien Universität gewendet. Wir wollten wissen, ob unser Produkt patentfähig ist. Darüber ist dann der Kontakt zur Gründungsförderung der FU entstanden. Und dann ging alles relativ schnell. Ich habe mich mit Kollegen und Freunden unterhalten und bekam sehr viel Zuspruch. Also haben wir uns gesagt: 'Bestimmte Chancen muss man einfach nutzen.'

Sie haben dann mit Unterstützung der Gründungsberatung profund der Freien Universität einen Antrag für EXIST-Forschungstransfer gestellt. Wie ging es weiter?

Dr. Rosendahl: Wir haben zum Beispiel die Gründerseminare des Projektträgers besucht, die uns wirklich ein ganzes Stück voran gebracht haben. Wir gründen ja zu viert. Das bedeutet, wir müssen auch festlegen, wer welche Stellung im Team hat: Wer ist für welchen Bereich zuständig? Insgesamt war die ganze Frage des Teambuildings nicht einfach, zumal sich das Team zwischen Antragstellung und Projektstart nochmal komplett geändert hat. Nach Beginn des Projektes hatten wir zum Beispiel einen Betriebswirt 'im Boot', mussten aber feststellen, dass die Chemie einfach nicht passte. Aber mit dem jetzigen Team bin ich wirklich glücklich. Außer mir sind noch die Tierärztin Hannah Braun und die Biologin Katharina Hille am operativen Geschäft beteiligt. Die vierte Mit-Gründerin ist Frau PD Dr. Friederike Stumpff.

In den kaufmännischen Bereich habe ich mich inzwischen gut eingearbeitet, so dass mich Finanzierungspläne, Umsatz- oder Kostenkalkulationen und Verhandlungsgespräche nicht mehr schrecken. Wir haben großes Glück, dass wir einen breit aufgestellten Beirat auf die Beine stellen konnten, dessen Mitglieder uns vor allem bei betriebswirtschaftlichen Fragestellungen sehr unterstützen. Dazu gehören unsere Coaches, die zum Teil auch als Geschäftsführer in Betrieben der Milchviehwirtschaft tätig sind. Einer von ihnen wurde sogar selbst vor einigen Jahren mit EXIST gefördert.

Gab es weitere besondere Herausforderungen?

Dr. Rosendahl: In unserem Fall gehört das Patent der Universität. Schon in Phase I von EXIST-Forschungstransfer wird vom Fördergeber eine erste Vorbereitung zur Einigung über die Nutzung der Schutzrechte verlangt. Dies ist eine sehr sinnvolle Vorgabe, denn aus Erfahrung können wir sagen, dass hier beide Seiten mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen aufeinandertreffen, so dass der Prozess viel länger dauern kann als ursprünglich gedacht. Dabei unterstützt hat uns der Projektträger, dessen Mitarbeiter sich auch an Gesprächen beteiligt haben.

Welchen Tipp können Sie anderen Start-ups geben?

Dr. Rosendahl: Ich kann sehr empfehlen, einen Beirat einzurichten. Unsere Beiratsmitglieder brauchten wir gar nicht erst groß zu überreden. Sie haben uns gegenüber keine Verpflichtungen und der Zeitaufwand ist sehr überschaubar. Wenn wir Fragen haben, nehmen Sie sich immer viel Zeit und helfen uns dabei, die Dinge auch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Was uns außerdem immer wieder weitergebracht hat, war der Austausch mit anderen Start-ups. Denn die Hürden und Probleme während einer Gründung sind ja meist ähnlich.

Wie sehen Ihre nächsten Schritte aus?

Dr. Rosendahl: Als Nächstes kommen die Prototypenentwicklung und der Markteintritt. Das heißt, es geht um Fragen wie Finanzierung, Marketing und Vertrieb sowie strategische Partnerschaften. Außerdem warten wir auf die Zusage von EXIST-Forschungstransfer II.
Insgesamt ist es einfach spannend zu erleben, wie unsere Idee immer mehr Form annimmt. Und dabei geht es um weit mehr als um eine veterinärmedizinische Entwicklung.

Stand: Juli 2015