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Rapidfacture GmbH

Teamfoto Rapidfacture v.l.n.r.: Felix Furtmayr, Jochen Hörmann, Bernhard Römer
© Rapidfacture GmbH

„Letztlich haben wir den Markt gesehen und richtig eingeschätzt und uns nicht von unserer Idee abbringen lassen.“

Interview mit Felix Furtmayr

Am Anfang stand die Idee, Dreh- oder Frästeile in kleinen Stückzahlen herzustellen. Heute bieten die Maschinenbauingenieure Bernhard Römer und Felix Furtmayr mit ihrer Rapidfacture GmbH einen Web-Dienst an, der den kompletten Auftrags-, Produktions- und Lieferprozess für CNC-Sonderteile abwickelt. Es ist das Ergebnis aus dem Zusammenspiel von Maschinenbau, Handwerk und Software.

Herr Furtmayr, Sie stellen kleine Metallteile als Einzelanfertigung her. Wie kommt man auf so eine Idee?

Furtmayr: Bernhard Römer und ich hatten im Rahmen unserer Bachelorarbeiten an der Hochschule Ingolstadt festgestellt, dass es unglaublich schwierig ist, speziell angefertigte Prototypen in der Metallverarbeitung zu beziehen – also Drehteile oder Frästeile in kleinen Stückzahlen. Die Uniwerkstätten sind prinzipiell gut ausgestattet, stoßen aber auch irgendwann an ihre Grenzen; insbesondere zeitliche. Also haben wir damals unsere Einzelteile bei einer Reihe von metallverarbeitenden Betrieben zusätzlich angefragt.

Und, wie war die Resonanz?

Furtmayr: Ernüchternd. Für die meisten Unternehmen lohnt es sich einfach nicht, ihre Maschinen für solche Kleinstaufträge umzurüsten. Das ist nachvollziehbar, wenn man weiß, dass es in der Metallverarbeitung ziemlich komplex zugeht: Für jeden Produktionsauftrag müssen Maschinen und Werkzeuge umgerüstet und programmiert werden. Das ist aufwändig und lohnt sich nur für Großserien. Trotzdem haben wir uns gefragt, ob das so sein muss. Schließlich waren wir mit diesem Problem bei weitem nicht allein, auch anderen Studenten ging es so.

Und wie sind Sie weiter vorgegangen?

Furtmayr: Wir hatten noch unser Masterstudium abzuschließen und beobachteten währenddessen weiter den Markt. Unsere Idee war, einen Web-Dienst zu entwickeln, der den kompletten Prozess für CNC-Sonderteile - Preiskalkulation, Abwicklung, Fertigung, bis hin zur Lieferung - stark vereinfacht und beschleunigt. Auch die Produktion von Einzelteilen sollte sich so lohnen. Glücklicherweise konnten wir mit unseren zwei Masterarbeiten gleich in Richtung Informatik einsteigen und für unser Projekt gute Vorarbeit leisten. Hilfreich war aber auch die Beratung des Gründerzentrums an der FAU Erlangen sowie der unternehmerische Rat von unserem Mentor, Herrn Professor Hasse. Kurz nach Abschluss des Studiums haben wir uns dann weitere Programmierer auf freiberuflicher Basis gesucht. Das EXIST-Stipendium hat das finanziell ermöglicht. Nun konnte die Entwicklung losgehen. 

Hört sich gut an!

Furtmayr: Eine lange Zeit war es viel Arbeit und noch mehr Arbeit. Einerseits war es schwierig, komplexe Software ohne große Programmiererfahrung und IT-Projektmanagement zu erstellen. Andererseits hatten wir als Ingenieure den nüchternen Blick des Anwenders: Wir wussten genau, welche Probleme wir lösen wollten. Und das konnten wir nun. Im Ergebnis haben wir eine Software entwickelt, die es dem Kunden ermöglicht, das gewünschte Werkstück mit unserem Online-CAD zu konstruieren, während der Preis live berechnet wird. Im Anschluss kann man diese Teile beziehen. Die weiteren internen Prozesse laufen über unser ERP- und CAM-System, die in die Produktionsabteilung unseres Fertigungspartners integriert sind. Der gesamte Fertigungsprozess ist automatisiert, sodass wir den Preis auch bei geringer Stückzahl niedrig halten können.

Sie zählen Studenten, Hochschulen und Unternehmen zu Ihren Kunden.

Furtmayr: Ja, mit unserem Webdienst bedienen wir Privatleute, Studenten –darunter natürlich auch EXIST-Teams – bis hin zur großen Unternehmen. Das Anwendungsspektrum reicht von Maschinenbauteilen über Modellbau, Medizin, Ersatzteilen, 3D Druck und vielem mehr. Speziell junge Firmen haben Bedarf an Prototypen für neuen Produkte. Auch kleinen Handwerksbetrieben hilft unser Dienst. Weder teure CAD-Software noch eigene CNC-Maschinen lohnen sich bei Anwendern mit unregelmäßigem Bedarf, wie Installateuren oder Schlossereien. Uns kommt zugute, dass wir mit unserem Angebot voll im Trend liegen. Heutzutage müssen in immer kürzerer Zeit Produkte hergestellt werden. Eine Entwicklungsabteilung kann es sich dabei nicht leisten, zwei Wochen auf ein Angebot und weitere acht Wochen auf die Teile zu warten.

Inzwischen verkaufen Sie die Software aber auch.

Furtmayr: Letztes Jahr auf der CEBIT haben wir unsere Fertigungsdienstleistung für Drehteile vorgestellt. Zahlreiche Unternehmen fragten uns dann jedoch nach unserer Softwarelösung selbst. So kam der Entschluss, ein zweites Produkt zu anzubieten: Eine Plattform für Web-Industrieapplikationen. Eine durchgängige Datenbasis ermöglicht maximale Automation über den gesamten Prozess von der Konstruktion bis zur Lieferung. Derzeit sind als Anwendungen unser ERP-System, unsere CAD-CAM-Kette und weitere kleinere Anwendungen verfügbar. Mittlerweile entwickeln wir auch individuelle Softwarelösungen für größere Unternehmen. 

Haben Sie sich in der Entwicklungsphase auch mit Produktionsbetrieben ausgetauscht?

Furtmayr: Als wir 2015 in mehreren Betrieben unser Konzept vorgestellt hatten, wurde zwar Interesse geäußert, es kam aber nichts Handfestes heraus. Maschinenbau ist konservativ und speziell beim Thema Digitalisierung fehlt es an Kompetenz. Man kann es den Betrieben aber nicht verdenken. Software im Maschinenbau ist teuer, man braucht hoch qualifiziertes Personal und schafft es oft trotzdem nicht, alle komplexen Anforderungen abzudecken. Nachdem der Fachkräftemangel im Handwerk weiter zunimmt und die Anforderungen an das Personal steigen, müssen jedoch Maschinenbediener in der Produktion besser mit Software unterstützt werden. Das haben inzwischen viele Firmen verstanden und entwickeln nun gemeinsam mit uns unsere Software weiter. Wichtig ist, dass die Software leicht bedienbar ist und sich dem Fertigungsalltag anpasst.

Sie decken verschiedene Kompetenzen ab: Maschinenbau, Informatik und Handwerk. Sind Sie Allroundtalente?

Furtmayr: Ich bevorzuge zu sagen, dass wir schnell im Lernen sind, und an einem Thema dranbleiben können. Als Maschinenbauingenieure mussten wir uns in das Thema Softwareprogrammierung ganz schön hineinfuchsen. An der Uni haben die Maschinenbauer mit Informatik nicht allzu viel zu tun. Aber inzwischen sind wir richtig gut darin, denn der reguläre Informatiker hat, im Gegensatz zu uns, keinen starken Praxisbezug zur Anwendung. Das ist ein Grund, warum unsere Software so gut ankommt.

Und was das Handwerk betrifft, verfügen wir über ziemlich viel Erfahrung. Bernhard Römer ist gelernter Dreher und kommt aus der Turbinenfertigung. Ich selbst habe seit meinem dritten Lebensjahr unzählige Dinge gebaut; so kam ich zum Maschinenbaustudium. Vorteilhaft ist für uns außerdem, dass wir mit unseren Anwendungen gute Entwickler anziehen wie ein Magnet.

Gibt es Tipps, die Sie anderen Gründern geben würden?

Furtmayr: Zähne zusammenbeißen, weitermachen. Sich nicht aufregen - das kann man üben. Uns fehlte am Anfang die IT-Kompetenz und das unternehmerische Know-how. Viele Leute haben an der technischen Umsetzbarkeit unserer Idee gezweifelt. Wir hatten aber auf jeden Fall solide technische Fertigkeiten; einen Maschinenbaubetrieb und einen Softwarebetrieb gleichzeitig aufzubauen ist dennoch keine Kleinigkeit. Letztlich haben wir den Markt gesehen und richtig eingeschätzt und uns nicht von unserer Idee abbringen lassen. Nun fragen Firmen nach unseren Lösungen.

Wer erfolgreich sein möchte, muss ausdauernd sein und ein gelegentliches Scheitern in Kauf nehmen. Wirklich verlieren kann man nur auf eine Weise: Es gar nicht erst versuchen. Wenn es das erste Mal nicht klappt, klappt es vielleicht das nächste Mal. Wenn es das nächste Mal aber klappt, klappt es das übernächste Mal auch. Man muss es einfach nur tun.

Stand: Oktober 2017