Navigationsbereich

Sie befinden sich hier:

Secomba GmbH

Secomba Gründerteam Andrea Pfundmeier, Robert Freudenreich
© Matthias Baumgartner

"Ohne EXIST hätten Robert Freudenreich und ich uns sehr wahrscheinlich für attraktivere Angebote aus der Wirtschaft entschieden. Dann wären wir keine Unternehmer geworden."

Interview mit Andrea Pfundmeier

Bereits seit sechs Jahren sind Andrea Pfundmeier und Robert Freudenreich mit ihrer speziellen Verschlüsselungssoftware erfolgreich am Markt. Als ursprünglich EXIST-geförderte Gründerin, engagiert sich Andrea Pfundmeier heute im EXIST-Beirat.

Frau Pfundmeier, Sie haben gemeinsam mit Ihrem Kollegen Robert Freudenreich vor sechs Jahren die Secomba GmbH gegründet. Seitdem sind Sie erfolgreich mit Ihrer Software Boxcryptor am Markt. Was ist das Besondere daran?

Pfundmeier: Bei Boxcryptor handelt es sich um eine von uns entwickelte Software, mit der Sie Daten verschlüsseln können, bevor Sie sie in externen oder unternehmensinternen Clouds ablegen. Als wir damit auf den Markt gegangen sind, gab es zwar bereits Anbieter von Verschlüsselungssoftware, allerdings konnten die nur für lokale Festplatten auf bestimmten Endgeräten eingesetzt werden. Unsere Idee war es daher, die bestehenden Verschlüsselungsstandards speziell für den Einsatz für Onlinespeicher bzw. Clouds zu optimieren. Wir hatten damit als erstes Unternehmen eine Lösung entwickelt, mit der man Daten geräteübergreifend ver- und entschlüsseln sowie problemlos mit anderen teilen kann.

Wer gehört zu Ihren Kunden?

Pfundmeier: Wir verkaufen weltweit Lizenzen und haben Unternehmenskunden und private Kunden aus über 190 Ländern Dazu gehören Unternehmen, die zum Beispiel ihre Daten verschlüsseln möchte, damit wirklich nur die Geschäftsführer Zugriff darauf haben. Wir haben aber auch viele Privatnutzer, die zum Beispiel sagen, die Bilder meiner Kinder landen nur verschlüsselt im Internet, damit sie beispielsweise tatsächlich nur von den Großeltern abgerufen werden können. Hinzu kommen Hochschulabsolventen und Wissenschaftler, die ihre Diplomarbeiten, Dissertationen oder Masterarbeiten verschlüsseln und damit sicher vor unberechtigtem Zugriff ablegen möchten.

Wie akquirieren Sie Ihre Kunden?

Pfundmeier: Vor allem über Online-Marketing, viele kommen aber auch über Empfehlungen. Darüber hinaus haben wir ein Vertriebsteam, das gezielt Unternehmen anspricht, für die unsere Software interessant sein könnte.

Sie wurden 2014 mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet. Hat Ihnen diese Auszeichnung weitergeholfen?

Pfundmeier: Ja, auf jeden Fall. Zum einen durch den Kontakt zu einem umfangreichen und hochkarätigen Gründer- und Mentorennetzwerk. Unser Pate ist zum Beispiel der Bankier Friedrich von Metzler, mit dessen Mitarbeitern wir unter anderem über deren Erfahrungen und Anforderungen an Sicherheitsprodukte sprechen konnten. Darüber hinaus hat uns Herr von Metzler immer wieder zu Veranstaltungen mit Freunden und Bekannten aus Wirtschaft und Politik eingeladen. Zu so einem Netzwerk hat man als ‚kleiner‘ Gründer natürlich normalerweise keinen Zugang. Insofern hat uns der Deutsche Gründerpreis hier wirklich eine große Tür geöffnet.

Wovon wir auch sehr profitiert haben, war die Außenwirkung. Die Berichterstattung im ZDF und in anderen Medien hat uns zum Beispiel bei der Personalrekrutierung sehr geholfen. Das bedeutet, wir haben jede Menge Bewerbungen erhalten, auch von Leuten hier aus Augsburg. So etwas war und ist für uns Gold wert.

Sie sind bereits seit sechs Jahren am Markt. Wie geht es Ihrem Unternehmen?

Pfundmeier: Sehr gut. Wir sind mittlerweile ein Team von 30 Leuten, sitzen alle nach wie vor in Augsburg und haben unsere Software in den letzten Jahren immer weiterentwickelt. Mittlerweile gibt es zwar vergleichbare Produkte auf dem Markt, aber von der Anzahl der Nutzer und der Entwicklung der Software her sind wir immer noch weltweit führend.

Sicher gab es auch immer mal wieder Tiefen, wenn zum Beispiel gute Mitarbeiter abgeworben wurden oder von sich aus gegangen sind. Das ist für ein Unternehmen immer schwierig – gerade auch in unserer Größe: Bei 30 Leuten bauchen wir wirklich jeden. Das sind dann die schwierigen Momente. Aber da hoffen wir immer, dass wir zum Beispiel über den Deutschen Gründerpreis immer noch genug Aufmerksamkeit bekommen und neue Mitarbeiter finden.

Inzwischen sind Sie im Beirat von EXIST. Was hat Sie motiviert, sich neben Ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin für EXIST zu engagieren?

Pfundmeier: Eine wichtiger Grund, warum ich den EXIST-Beirat gerne unterstütze ist: Ohne EXIST hätten Robert Freudenreich und ich uns sehr wahrscheinlich für attraktivere Angebote aus der Wirtschaft entschieden. Dann wären wir keine Unternehmer geworden. Irgendwann kam dann der Punkt, wo wir gesagt haben, dass wir auch etwas zurückgeben und anderen Gründerinnen und Gründern von unseren Erfahrungen berichten und sie motivieren möchten. Und wenn ich da als EXIST-Beirätin einen Beitrag leisten kann, mache ich das natürlich gerne.

Welchen Handlungsbedarf sehen Sie bei Politik und Wirtschaft, um die Zahl der Gründungen in Deutschland zu erhöhen?

Pfundmeier: Zunächst einmal bin ich davon überzeugt, dass Angebote wie EXIST sehr wichtig sind, weil sie sich sehr eng an den Bedürfnissen von Gründern orientieren. Das ist nicht bei allen Förderprogrammen der Fall.

Was meiner Ansicht nach noch ausbaufähig ist, dass in Politik und Wirtschaft mehr über Gründerinnen und Gründer gesprochen wird. Wir brauchen mehr  Vorbilder. Nur so können meines Erachtens Studentinnen und Studenten motiviert werden, sich nach dem Studium oder zu einem späteren Zeitpunkt selbständig zu machen. Mehr konkrete Unterstützung wünsche ich mir von größeren Unternehmen, indem sie sich zum Beispiel beim Einkauf auch einmal für die Produkte eines jungen Unternehmens entscheiden. 

Sie haben jede Menge unternehmerische Erfahrungen gesammelt. Was würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen?

Pfundmeier: Auf jeden Fall einfach machen und loslegen. Ich denke, der Vorteil hier in Deutschland ist die relativ geringe Fallhöhe. Wenn ich jetzt gründe und es dann doch nicht funktioniert, kann ich dennoch sich sicher sein, nicht ins Bodenlose zu fallen, sondern mit einer guten Ausbildung schnell einen anderen Job zu finden.

Wichtig ist auch, möglichst vielen Leuten seine Idee vorzustellen und Feedback einzuholen. Wir bekommen immer wieder Anfragen von jungen Gründern, die uns um Rat fragen. Aber wenn die uns dann erst einmal eine Geheimhaltungsvereinbarung zur Unterschrift vorlegen, damit wir nichts weiter erzählen, müssen wir immer ein bisschen schmunzeln. Die Gefahr, dass jemand alles sofort stehen und liegen lässt und die Idee kopiert, ist doch relativ gering.

Nicht zuletzt kann ich allen nur empfehlen, im Team zu gründen und einen oder mehrere Partner zu suchen, mit dem oder mit denen man das gut durchziehen kann. Es macht einfach mehr Spaß und außerdem nimmt die Erfolgswahrscheinlichkeit zu.

Stand: Juli 2017