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SmartEnergy GmbH

Patrick Steindl, Dr. Tolgay Ungan Patrick Steindl, Dr. Tolgay Ungan (Quelle: SmartExergy GmbH, Thomas Kunz)

"Besonders bei Vertriebs- und Kooperationspartnern sollte man sich nicht nur auf einen Partner verlassen."

Interview mit Dr. Tolgay Ungan

Fotovoltaikanlagen bestehen aus einer Vielzahl einzelner Module, das jedes für sich überwacht und gesteuert sowie je nach Bedarf gewartet und abgeschaltet werden muss. Genau das übernimmt in der Regel eine zentrale automatisierte Steuerung. Eine solche Steuerung auf Grundlage einer drahtlosen Funktechnologie haben die Gründer der SmartExergy GmbH, eine Ausgründung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, entwickelt.

Herr Dr. Ungan, Sie bieten Funksensoren zur Überwachung und Steuerung von Fotovoltaikanlagen an. Was ist das besondere daran?

Dr. Ungan: Unsere Funksensoren sind mit einer drahtlosen Funktechnologie ausgestattet und ermöglichen es, jedes einzelne Modul einer Fotovoltaikanlage zu überwachen und zu steuern. Je größer die Anlage, desto wichtiger ist es, dass die Steuerungstechnik sparsam und zuverlässig arbeitet. Und genau das erreichen wir mit unserer Technologie. Der Punkt ist, dass funkgesteuerte Überwachungs- und Steuerungsanlagen immer erreichbar sein müssen, um Signale zu empfangen und entsprechend darauf zu reagieren. Lange Zeit hatte die Funktechnologie aber den Nachteil, dass die ständige Erreichbarkeit genauso viel Strom benötigte wie das Senden von Funksignalen. Uns ist es daher gelungen, gemeinsam mit Kollegen am Institut für Mikrosystemtechnik der Universität Freiburg, eine Funktechnologie zu entwickeln, die im Vergleich 10.000 Mal weniger Strom benötigt als herkömmliche Anlagen und trotzdem rund um die Uhr erreichbar ist. Dabei handelt es sich letztlich um eine Technologie, die sich nicht nur für Fotovoltaikanlagen, sondern für viele Bereiche anwenden lässt.

Sie haben diese Technologie im Rahmen eines Forschungsprojektes entwickelt. Wie kamen Sie auf die Idee, damit auf den Markt zu gehen?

Dr. Ungan: Ich habe während meiner Promotion auch für Unternehmen Schaltungen entwickelt und war mit der Welt der Industrie schon sehr vertraut. Als ich dann am Institut für Mikrosystemtechnik die Möglichkeit hatte, im Rahmen meiner Dissertation, eine neue Technologie mit einem erkennbaren Vermarktungspotenzial mit zu entwickeln, hat es mich einfach gereizt, diesen ganzen Prozess von der Grundlagentechnologie bis zur Umsetzung in ein Produkt gemeinsam im Team zu gestalten.

Als Gründungspartner haben Sie Herrn Steindl mit ins Boot geholt, obwohl Sie ihn vorher noch gar nicht kannten. Wie kam es dazu?

Dr. Ungan: Die Mitarbeiter des Gründerbüros an der Universität Freiburg hatten mir nahe gelegt, die Gründung gemeinsam mit einem Betriebswirt anzugehen und mir Online-Foren empfohlen, wo man seine Geschäftsidee skizzieren und in ganz Europa mit gründungswilligen jungen Leuten Kontakt aufnehmen kann. Auf einer dieser Online-Plattformen hat mich dann Patrick Steindl kontaktiert. Und nach mehreren Treffen haben wir gesehen, dass wir ähnliche Vorstellungen haben und die "Chemie stimmt". Also haben wir zusammen den Businessplan geschrieben und für die Förderung durch EXIST-Gründerstipendium eingereicht. Rückblickend überrascht es mich schon, dass man mit einem Kollegen, den man noch gar nicht so lange kennt, besser zusammenarbeiten kann, als mit manch anderem langjährigen Vertrauten.

Sie wurden dann bei Ihren Vorbereitungen vom Gründerverbund Campus Technologies Oberrhein (CTO) an der Universität Freiburg mit Rat und Tat versorgt.

Dr. Ungan: Ja, im Gründerverbund CTO gibt es zum Beispiel Steuerberater, die uns gesagt haben, wie man eine GmbH gründet. Dann kamen weitere Fragen dazu: Wie baut man den Vertrieb oder die PRPublic Relation oder die Darstellung nach außen auf? Auch zu diesen Fragen hat uns das Netzwerk gute Kontakte zu Beratern vermitteln können. Hier in Freiburg gibt es zum Beispiel Consultants, die sich mit PRPublic Relations im Bereich Fotovoltaik beschäftigen. Zu denen haben wir auch Kontakt aufgenommen, nur hat uns damals das Geld gefehlt, um zum Beispiel eine ganze Beratungswoche zu finanzieren. Aber jetzt, fast eineinhalb Jahre später, konnten wir einen der Consultants mit einer PRPublic Relations-Aktion beauftragen. Das ist schon eine gute Sache, dass damals Kontakte entstanden sind, auf die wir jetzt zurückgreifen können.

Welche Vorteile hatten Sie durch das EXIST-Gründerstipendium?

Dr. Ungan: Das war aus zwei Gründen ideal: Zum einen haben wir durch den monatlichen Zuschuss eine Grundförderung erhalten. Jeder von uns hatte also ein Einkommen. Zum anderen gab es einen engen Bezug zur Hochschule. Wir hatten kostenfreien Zugang zu den Labors, zu der ganzen Infrastruktur, zu Hilfskräften, Studenten und so weiter. Und nach außen hin konnten wir sagen, dass wir aufgrund unserer guten Geschäftsidee eine Förderung erhalten. Das kam natürlich gut an.

Und was haben Sie über das EXIST-Coaching finanziert?

Dr. Ungan: Das waren einzelne Tage, an denen wir Coaches eingeladen haben, um uns allgemein beraten zu lassen. Zum Beispiel zu den strategischen Grundlagen für den Vertrieb oder Markteintritt oder auch zu weiteren Geschäftsfeldern für unser Produkt. Oder auch zum Marketing: Wie präsentiert man sich? Wie sieht es mit der Corporate Identity aus oder auch mit Schutzrechten. Das waren alles kurze, aber sehr intensive Gespräche, auf die wir uns sehr gut vorbereitet haben, um die Zeit mit den Experten optimal zu nutzen.

Sie haben vor eineinhalb Jahren Ihren Businessplan geschrieben. Wie hat sich Ihr Unternehmen seither entwickelt?

Dr. Ungan: Wir sind natürlich noch nicht in der Wachstumsphase, aber wir haben es geschafft, im Anschluss an EXIST im Rahmen des Spitzenclusters MicroTEC Südwest an zwei Forschungsprojekten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung als Partner teilzunehmen.

Außerdem arbeiten wir seit zwei Monaten an unserem ersten Auftrag. Das ist eine kleinere Testanlage, wo der Kunde erst mal sehen möchte, ob das so funktioniert wie er sich das vorstellt. Durch die PRPublic Relation-Arbeit für die Messe Intersolar, die in zwei Wochen ansteht, haben wir aber schon weitere Anfragen. Wir gehen also davon aus, dass wir in diesem Jahr noch einige Testanlagen bauen werden.

Gibt es etwas, das Sie rückblickend anders machen würden? Oder was Sie anderen Gründern raten können?

Dr. Ungan: Ich würde viel mehr Zeit und Geld für eine sorgfältige Marken- und Marktanalyse einplanen. Das wäre zwar allein über das EXIST-Budget nicht finanzierbar gewesen, aber da hätten wir uns das Geld eben anderweitig besorgen müssen. Weil wir das versäumt hatten, mussten wir viel Lehrgeld zahlen als ein Unternehmen mit einer Unterlassungserklärung nach unserem ersten großen Messeauftritt auf uns zukam.

Ansonsten würde ich noch mehr darauf achten, dass man sich besonders bei Vertriebspartnern und Kooperationspartnern nicht nur auf einen Partner verlassen, sondern sich sein eigenen Netzwerk aufbauen sollte. Wir sind gerade dabei, das konsequent aufzubauen.

Und zu guter Letzt würde ich jedem Gründer raten, sehr schnell in die Testphase überzugehen: vom Labormuster in reale Testbedingungen. Dass wir das sehr früh gemacht haben, hat uns gut getan.

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