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akvola Technologies GmbH

Gründerteam akvola Lucas León, Dr. Matan Beery, Johanna Ludwig
© Lutz Maternowski

„Ich finde es gut, wenn das Team nicht nur aus jungen Leuten besteht, sondern auch ein paar ältere Kollegen dabei sind, die bereits Berufserfahrung haben.“

Sauberes Wasser wird weltweit zu einer immer knapper werdenden Ressource. Gefragt sind daher Anlagen zur Aufbereitung von industriellem Abwasser. Der Nachteil ist, der Energieverbrauch dieser Anlagen ist (zu) hoch. Dass es auch anders geht, zeigt ein neuartiges Verfahren, das das Gründungsteam der akvola Technologies GmbH, an der Technischen Universität Berlin entwickelt hat.

Frau Ludwig, Sie haben zusammen mit Matan Beery ein Verfahren zur Aufbereitung von Abwasser entwickelt, worum geht es dabei genau?

Ludwig: Unser Verfahren filtert Schadstoffe aus ölhaltigen Industrieabwässern. Es handelt sich um Abwässer, die vor allem bei der Metallverarbeitung, in Raffinerien und bei der Erdölförderung auftreten. Das Besondere bei unserer akvoFloat™-Technologie ist, dass sie überdurchschnittlich energieeffizient ist und im Vergleich zu anderen Verfahren bis zu 90 Prozent weniger Energie verbraucht. Wenn man weiß, dass bei der Energiegewinnung, -speicherung und -umformung immer mehr Wasser benötigt wird, wird umso deutlicher, wie wichtig das Thema Energieeffizienz hier ist. Darüber hinaus kommt unser Verfahren gut mit Wasserqualitätsschwankungen zurecht. Das heißt, die Schadstoffe werden in jedem Fall zuverlässig herausgefiltert. Dazu verwenden wir unter anderem Materialien aus Keramik, die sehr robust sind und auch aggressiven chemischen Substanzen standhalten. Im Ergebnis kann der Kunde das gefilterte Wasser dann entweder in die Kanalisation einleiten oder in seinem Produktionsprozess wiederverwenden.

Das Verfahren ist an der TU Berlin entstanden?

Ludwig: Das war im Jahr 2011 im Rahmen eines Forschungsprojekts, an dem Matan Beery und ich beteiligt waren. Damals haben wir den ersten Prototypen gebaut. Und nachdem Matan promoviert wurde und ich mein Studium der Verfahrenstechnik absolviert hatte, haben wir einfach beschlossen, die Technologie in den Markt zu bringen.

…und sich selbständig zu machen.

Ludwig: Ja, wobei Matan Beery dabei die treibende Kraft war. Er ist aus Israel und dort sind Ausgründungen aus Hochschulen viel weiterverbreitet als hier in Deutschland. Matan hatte schon länger den Wunsch gehabt, sich selbständig zu machen und hat mich dann kurzerhand davon überzeugt. Für den notwendigen Rückenwind hat dabei das Centre for Entrepreneurship hier an der TU gesorgt. Die Mitarbeiter des CfE waren wirklich super und haben uns über alles informiert, was man als Gründer wissen muss: von der Idee bis zu den ersten unternehmerischen Schritten.

Sie haben EXIST-Forschungstransfer beantragt und in der zweiten Phase den High-Tech Gründerfonds als Investor an Bord geholt. Wie kam der Kontakt zustande?

Ludwig: Zwei- bis dreimal im Jahr kommt ein Berater des High-Tech Gründerfonds an die TU Berlin, um mit Teams, die an einer Finanzierung interessiert sind, zu sprechen. In den 15-minütigen Meetings haben die Gründerinnen und Gründer die Möglichkeit, ihre Idee vorzustellen und sich das Feedback anzuhören. Das ist ein ganz gutes Verfahren, weil man dadurch erfährt, an wen man sich beim HTGF wenden kann, wenn es „ernst“ wird und wie der Bewerbungsprozess abläuft. Letztendlich hatten wir dann bereits vor Ablauf der ersten Phase von EXIST-Forschungstransfer den High-Tech Gründerfonds als Investor an Bord. Mittlerweile sind auch noch fünf weitere Investoren aus dem In- und Ausland hinzugekommen.

Sie sind 2013 an den Start gegangen. Wie hat sich akvola Technologies seitdem entwickelt?

Ludwig: Sehr gut. Wir verdoppeln unser Umsatz jährlich, unser Team wächst und gewinnen an Marktanteilen. Im Sommer werden wir die Büroräume, die uns die TU Berlin zur Verfügung gestellt hat verlassen und in eigene, größere Räumlichkeiten umziehen. 

Unser Team ist international zusammengesetzt und besteht inzwischen aus 15 Mitarbeitern. Auch unser Kundenkreis kommt aus dem europäischen In- und Ausland. Aktuell sind wir dabei, in den asiatischen Markt einzusteigen. Der Kontakt kommt dabei in der Regel über Fachmessen, Seminare und Konferenzen zustande. Das ist meiner Erfahrung nach der beste Weg, um Entscheider kennenzulernen, die in ihren Unternehmen für die Wasseraufbereitung zuständig sind. Wir betreiben außerdem einige Projekte in den USA. Typischerweise läuft ein Verkaufszyklus ja so ab, dass wir zuerst ein Pilotprojekt starten. Das dauert meistens ein bis drei Monate. In dieser Zeit betreiben wir eine Anlage von uns vor Ort beim Kunden, um die Betriebsparameter zu ermitteln und die Anlage auf die Abwassersituation in dem jeweiligen Unternehmen optimal einzustellen. Darauf aufbauend entwickeln und bauen wir die eigentliche Anlage, die dann an den Kunden verkauft wird. Diese Pilotphase ist auch wichtig, damit der Kunde sich tatsächlich davon überzeugen kann, dass die Anlage vom Prinzip her funktioniert.

Gab es auch Herausforderungen, vor denen Sie als Unternehmerin standen?

Ludwig: Die gab es und es gibt sie immer noch. Die eine betrifft das Thema Personal: Ich finde es gut, wenn das Team nicht nur aus jungen Leuten besteht, sondern auch ein paar ältere Kollegen dabei sind, die bereits Berufserfahrung haben und einfach andere Einblicke aus dem Industriealltag mitbringen. Diese Mitarbeiter zu finden, ist aber gar nicht so einfach. Da muss man all seine Vorteile ausspielen, die man als junges Unternehmen so hat. Als Mitarbeiter hat man da eher noch die Möglichkeit mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen als in etablierten Unternehmen, wo alle Prozesse schon fest eingefahren sind.

Der zweite Punkt ist weniger eine Herausforderung, sondern etwas, was wir im Nachhinein gelernt haben und beim nächsten Mal anders machen würden: Wir hatten eigentlich von Anfang vor, so früh wie möglich an den Markt zu gehen und Umsätze zu erzielen, auch wenn das Produkt noch nicht perfekt ist. Aber im Nachhinein denke ich, dass wir uns doch etwas zu viel Zeit gelassen haben und doch schon früher hätten „raus“ gehen können. Es braucht einfach einige Monate bis zu den ersten Umsätzen, so dass man tatsächlich so früh wie möglich mit der Vermarktung beginnen sollte.

Was würden Sie anderen Gründern empfehlen: Worauf kommt es an?

Ludwig: Ein gutes Team ist auf jeden Fall wichtig. Man muss sich gegenseitig vertrauen können und Verantwortungsbereiche delegieren. Es braucht Durchhaltevermögen, aber auch klare Zuständigkeiten unter den Gründern bzw. in der Geschäftsführung. Als junges Unternehmen ohne Erfahrungen ist es schwer, von Anfang an alles zu 100 Prozent sauber zu definieren. Vieles muss sich erst entwickeln.

Darüber hinaus muss man als Technologie-Unternehmen in unserer Branche eng mit den Kunden kooperieren, um die Produktentwicklung auf den Punkt zu bringen. Nichtdestotrotz muss man immer auch einen kritischen Blick auf die Wünsche der Kunden haben und nicht allen zwangsläufig folgen. Wichtig ist, dass das Gründungsteam seine Vision behält und die Technologie in diese Richtung weiterentwickelt.

Stand: Juni 2017