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fos4X GmbH

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Gegründet 2010 (EXIST-Forschungstransfer)

Dr. Thorbjörn Buck, Dr. Mathias Müller, Dr. Lars Hoffmann, Rolf Wojtech v.l.n.r. Dr. Thorbjörn Buck, Dr. Mathias Müller, Dr. Lars Hoffmann, Rolf Wojtech, © fos4X GmbH

"Man muss als junges Unternehmen gegenüber potenziellen Kunden Glaubwürdigkeit vermitteln."

Interview mit Dr. Lars Hoffmann


Rotorblätter von Windkrafträdern müssen einiges aushalten. Wenn der Wind kräftig bläst, muss das Zusammenspiel von Mechanik, Material, Anstellwinkel und Größe der Rotorblätter passgenau funktionieren. Um alle relevanten Komponenten optimal aufeinander abzustimmen, sind daher im Vorfeld und während des laufenden Betriebs Materialmessungen notwendig. Mit ihrem neu entwickelten Messverfahren nehmen die Gründer der fos4X GmbH, eine Ausgründung der Technischen Universität München, dabei vor allem die Eigenschaften von Leichtbaustrukturen ins Visier.

Herr Dr. Hoffmann, Sie und Ihre Kollegen haben eine Messtechnik für den Bereich der faseroptischen Sensorik entwickelt. Was hat es damit auf sich?

Dr. Hoffmann: Bis vor wenigen Jahren wurden ausschließlich Metalle als industrielle Werkstoffe eingesetzt. Heute wird dagegen zunehmend mit Leichtbaustrukturen gearbeitet, die auf Kunststoffen mit Glasfaser- oder Kohlefaserstrukturen basieren. Diese Strukturen erfahren mehr Dehnungszyklen, sie sind belastbarer und ihre Lebensdauer ist länger als die herkömmlicher Metallstrukturen. Die besonderen Eigenschaften dieser neuen Werkstoffe haben auch zu neuen technischen Anforderungen für die Messtechnik und die Überwachung der Strukturen geführt. Wir haben die innovative faseroptische Messtechnik optimiert, so dass damit eine lang etablierte Technologie ersetzt werden kann und nun insbesondere auch Dehnungen, aber auch Temperaturen und andere physikalische Größen dieser neuen Leichtbaustrukturen gemessen werden können. Wir konzentrieren uns dabei vorrangig auf die Hersteller von Windkrafträdern. Durch die faseroptische Messung können wir die Belastungen an Rotorblättern von Windkraftanlagen erfassen und dazu beitragen, die Betriebs- und Wartungskosten zu senken, die Lebensdauer zu verlängern und den Ertrag von Windenergieanlagen zu optimieren.

Wo haben Sie dieses Verfahren entwickelt?

Dr. Hoffmann: Thorbjörn Buck, Mathias Müller und ich haben im Bereich der faseroptischen Messtechnik am Lehrstuhl für Messsystem- und Sensortechnik an der Technischen Universität München promoviert. Die Frage der kommerziellen Verwertung stellte sich dabei für uns relativ früh, da sich schnell gezeigt hat, dass wir es mit einer Technologie zu tun hatten, die für eine ganze Reihe von Problemen, wie das Messen vieler Lastwechsel, hoher Dehnungsamplituden, Messung unter Hochspannung oder im Umfeld elektromagnetischer Felder eine Lösung anbot. Wir haben daher noch während unserer Forschungsphase industrielle Projektpartner gesucht, um unsere weitere Entwicklungsarbeit möglichst praxisnah auszurichten.

Trotzdem haben Sie sich aber nicht direkt nach Ihrer Promotion selbständig gemacht?

Dr. Hoffmann: Nein, ich habe nach meiner Promotion in einer Unternehmensberatung gearbeitet. Aber ich bin mit meinen Kollegen aus der Forschung in Kontakt geblieben und als dann feststand, dass wir es mit einer Unternehmensgründung versuchen möchten und wir dann auch noch einen befreundeten Informatiker, Rolf Wojtech, von der Idee überzeugen konnten, haben wir den Antrag für EXIST-Forschungstransfer gestellt. Damit wollten wir vor allem unser persönliches Risiko bei dieser Unternehmung weitgehend reduzieren. Wie schon gesagt, habe ich damals in einer Unternehmensberatung gearbeitet, Thorbjörn Buck, Mathias Müller waren am Lehrstuhl beschäftigt und hatten ihre Promotion in der Tasche. Rolf Wojtech arbeitete in der Industrie. Einige von uns haben Kinder. Um dann den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen, brauchten wir infrastrukturelle und finanzielle Unterstützung. Und da war EXIST-Forschungstransfer das richtige Instrument, mit Hilfe der Ressourcen der Technischen Universität unsere Technologie weiterzuentwickeln und die Unternehmensgründung vorzubereiten.

Zu Beginn der ersten Förderphase haben wir uns dann erst einmal darauf konzentriert herauszufinden, welcher Markt die besten Einstiegsmöglichkeiten für uns bieten würde. Dazu haben wir die Vorzüge unserer Technologie systematisch analysiert und recherchiert, welche Branche hier den größten Nutzen haben könnte. Anschließend haben wir kalkuliert, wie sich der Kundennutzen für uns in bare Münze auszahlen würde. Und schließlich ging es darum festzustellen, welche Hürden für uns mit dem Markteintritt verbunden waren: Welche Entwicklungsarbeiten mussten noch erledigt werden, um die notwendige Marktreife zu erzielen? Welche Marktbeschränkungen gab es? Im Ergebnis zeigte sich dann, dass für den Einstieg der Windenergiemarkt für uns am besten geeignet war.

Unterstützt wurden Sie bei Ihren Vorbereitungen von UnternehmerTUM, dem Hochschulgründernetzwerk der TU München.

Dr. Hoffmann: Die Mitarbeiter von UnternehmerTUM haben uns von Anfang an begleitet: von der Bewerbung für EXIST-Forschungstransfer bis hin zur Vermittlung von Beratern, die uns bei der Ausarbeitung des Businessplans geholfen haben. Außerdem haben wir uns monatlich kurzgeschlossen und aktuelle Themen besprochen.

Der UnternehmerTUM-Fonds hat sich später auch an Ihrem Unternehmen beteiligt. Wie kam es dazu?

Dr. Hoffmann: Die typischen Kriterien für Investoren, sich an jungen Unternehmen zu beteiligen, sind das Team, das Marktpotenzial der Technologie und die Nachfrage auf dem Markt. Da wir bereits lange im Kontakt mit UnternehmerTUM waren, hatte sich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, dass UnternehmerTUM die Entscheidung, in unser Gründungsvorhaben zu investieren, leicht gemacht hat. Von Anfang an dabei war auch ein Business Angel, der uns nicht nur finanziell unterstützt hat, sondern uns auch beratend zur Seite stand. Und nicht zuletzt konnten wir auch noch Kapital über den High-Tech Gründerfonds und Bayern Kapital einwerben.

Auch wenn sich insgesamt in Sachen Kapitalbeteiligung alles zufriedenstellend entwickelt hat, ist aber dennoch festzuhalten, dass sich die ganze Phase der Kapitalakquise wesentlich aufwendiger als geplant gestaltet hat. Wenn das Geld dann fließt, kann man zwar Gas geben, aber zuvor muss man sehr viel Zeit investieren und wird in der gesamten Entwicklung ziemlich ausgebremst. Ich kann daher nur jedem Gründer empfehlen, viel Zeit dafür einzuplanen.

Sie haben Ihr Unternehmen relativ früh zu Beginn der Förderphase I von EXIST-Forschungstransfer gegründet. Warum hatten Sie es so eilig?

Dr. Hoffmann: Weil uns klar war, dass wir unsere Technologie frühzeitig auf den Markt bringen müssen, um eine Basis für weitere Finanzierungsrunden zu schaffen. Aber auch um frühzeitig unsere Ideen im Markt testen zu können. Das Vorgehen hat sich bewährt. Bisher entwickeln sich unsere Umsätze positiver als vorhergesagt. Wir hoffen zum Beispiel schon bald erste Seriengeschäfte mit Windkraftanlagenzulieferern abschließen zu können.

Sie sind vier Mann in einem Boot. Ist da immer klar, wer am Steuer sitzen darf?

Dr. Hoffmann: Die Frage, wie wir im Team miteinander umgehen, war für uns schon eine Herausforderung. Für den Erfolg eines Unternehmens ist es wichtig, dass man innerhalb des Gründungsteams alle Probleme offen ansprechen kann und eine Gesprächskultur etabliert, die schnelle Problemlösungen zulässt. Das mussten wir erst lernen, obwohl wir schon lange in dieser Konstellation zusammengearbeitet hatten. Eigentlich kein Wunder, denn als junges Gründungsteam steht man unter einem ziemlichen Druck: Da muss man auf Kunden- und Investorenwünsche reagieren, mit unterschiedlichen finanziellen Erwartungen der Teammitglieder umgehen oder auch die individuelle Risikobereitschaft klären. Da ist es nicht immer einfach, einen Konsens zu finden. Wir hatten aber unter anderem das Glück, dass am Lehrstuhl für Entrepreneurship an der Technischen Universität München gerade eine Forschungsprojekt zum Thema "Teamprozesse" durchgeführt wurde, an dem wir uns beteiligen konnten. Das heißt, wir haben jede Woche einen Fragebogen ausgefüllt, regelmäßig Interviews geführt und Workshops mit den betreuenden Doktoranden besucht. Das hat uns sehr geholfen. Und ich kann eigentlich nur jedem Gründungsteam empfehlen, sich externe Hilfe zu holen, vielleicht sogar bevor erste Spannungen auftreten.

Noch eine Frage zur Kundenakquise. Die ist bei Ihnen sehr gut verlaufen. Worauf führen Sie das zurück?

Dr. Hoffmann: Man muss als junges Unternehmen gegenüber potenziellen Kunden Glaubwürdigkeit vermitteln. Das gelingt nur durch die gute Qualität des Produkts, das man verkaufen möchte. Die Crux ist, dass in der Anfangsphase dieses Produkt meist noch nicht sichtbar ist. Umso wichtiger ist es daher, dass man sowohl sein Produkt und das Alleinstellungsmerkmal als auch die Probleme der Kunden sehr gut verstanden haben muss, um es auch gegenüber Laien verständlich zu erläutern. Ideal ist es, wenn man dem Kunden sagen kann: Du hast das Problem x und wenn du dieses Problem mit unserer Technologie löst, sparst du so und so viel Euro pro Jahr.

Stand: 2013

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