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Dr. Michael Hannus, siTOOLs Biotech GmbH

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Dr. Michael Hannus und Gunter Meister, siTOOLs Biotech GmbH v.l.n.r.: Prof. Gunter Meister, Dr. Michael Hannus, siTOOLs Biotech GmbH Quelle: siTOOLs Biotech GmbH

"Wir sind ein kleines Start-up mit einer Super-Technologie, die aber noch fast keiner kennt."

Interview mit Dr. Michael Hannus

Dr. Michael Hannus war bereits als Angestellter in der Forschungsabteilung eines Biotech-Unternehmen tätig als er sich vor zwei Jahren dazu entschied, ein von ihm entwickeltes Verfahren zur Genanalyse selbst zu vermarkten. Mit Unterstützung der Universität Regensburg und EXIST-Forschungstransfer hat er im September 2013 zusammen mit Prof. Gunter Meister die siTOOLs Biotech GmbH gegründet.

Herr Dr. Hannus, Sie haben molekulare Werkzeuge zur Analyse von Genen entwickelt. Um was geht es genau?

Dr. Hannus: Mit unserem Verfahren unterstützen wir unsere Kunden dabei, die Funktion von Genen zu analysieren. Das ist vor allem für die Entwicklung neuer Medikamente wichtig. Bisher wird in der klassischen Genfunktionsanalyse ein Gen inaktiviert und dann beobachtet, welche Effekte der Ausfall des Gens hat. Daraus kann man dann Rückschlüsse auf die Funktion des Gens ziehen. Entscheidend ist allerdings, dass man tatsächlich auch nur das eine Gen inaktiviert, das man untersuchen möchte. Dazu wurde vor etwa 15 Jahren die RNA-Interferenz-Methode entwickelt. Die beiden US-Wissenschaftler Andrew Fire und Craig Mello haben dafür im Jahr 2006 sogar den Nobelpreis erhalten.

Der nächste Nobelpreis geht also an Sie?

Dr. Hannus: Nein, leider wohl nicht. Dieser Nobelpreis wurde damals ohnehin etwas vorschnell vergeben. Nach ein paar Jahren hat sich nämlich herausgestellt, dass diese molekularen Werkzeuge, mit denen man ein Gen inaktivieren wollte, sogenannte "siRNAs", nicht nur das gewollte Gen, sondern meist auch noch Hunderte andere beeinflussen. Ein Schuss wie mit einer Schrotflinte. Das ist natürlich ein Problem. Man kann die Reaktion, die sich dann in der Zellkultur oder einem Versuchsorganismus zeigt, nicht auf ein einziges Gen zurückführen. Wir haben uns daher einen einfachen Trick zunutze gemacht. Wir verwenden nicht nur eines dieser siRNAs, sondern sehr viele, die alle auf das gleiche Zielgen ausgerichtet sind. Die unerwünschten Nebeneffekte werden hingegen unter die Nachweisgrenze verdünnt. Auf diese Weise erreichen wir, dass das gewünschte Zielgen sehr genau getroffen wird. Wir haben eine Methode entwickelt, um diese komplexe, aber genau definierte Mischungen von siRNAs vergleichsweise günstig herzustellen. Das ist sozusagen unser "Claim to Fame". Diese Mischungen verkaufen wir an universitäre Forschungslabore oder auch an die pharmazeutische Industrie.

Wie sind Sie auf diese Ideen gekommen?

Dr. Hannus: Ich war viele Jahre in Biotech-Unternehmen beschäftigt und habe dort mit der RNA-Interferenz- Methode gearbeitet. Dabei habe ich mir schon frühzeitig immer wieder Gedanken darüber gemacht, wie man diese Methode verbessern könnte. In dem Unternehmen, in dem ich damals als Angestellter beschäftigt war, konnte ich meine Idee leider nicht verwirklichen. Glücklicherweise stand mir mein Bruder und die von ihm mit gegründete Intana--Bioscience GmbH zur Seite. Das junge Biotechunternehmen hat mich unterstützt und in meine Idee investiert - in Kooperation mit dem Lehrstuhl von Professor Gunter Meister an der Universität Regensburg. Mit ihm haben wir die Idee ausprobiert, die ersten Datensätze generiert und uns mit diesen Datensätzen und dem Proof of Concept um EXIST-Forschungstransfer beworben. Mit Erfolg.

Wie ging es dann weiter?

Dr. Hannus: Nachdem die Förderung bewilligt worden war, haben wir an der Universität Regensburg das Verfahren zur Herstellung komplexer siRNA-Mischungen weiter optimiert, bis es tatsächlich marktreif war. Am 18.September 2013 haben wir - Professor Gunter Meister und ich - dann unser Unternehmen gegründet.

Wann haben Sie denn begonnen, sich auf Ihre Karriere als Unternehmer vorzubereiten?

Dr. Hannus: Ich bin immer noch dabei, das unternehmerische Handwerkszeug zu erlernen. Die enge Verbindung zu Intana ist da sehr hilfreich. Und dann gibt es ja bei EXIST-Forschungstransfer die Förderposition für den betriebswirtschaftlichen Mitarbeiter. Mir war das ursprünglich gar nicht klar, wie essenziell es ist, dass man sich so jemanden ins Boot holt.

Warum ist es Ihrer Ansicht nach wichtig?

Hannus: Beispielsweise für die Planung. Für den Jahresabschluss. Das sind Dinge, von denen ich keine Ahnung habe. Oder nehmen Sie den Bereich Marketing. Ich habe vollkommen unterschätzt, wie wichtig Marketing ist. Als Wissenschaftler denkt man immer, wenn man ein gutes Produkt hat, verkauft sich das von allein.

Sie haben dann einen Betriebswirt eingestellt?

Dr. Hannus: Ja, was übrigens gar nicht so leicht war. Eigentlich ist es unmöglich, jemanden mit Erfahrung zu finden, der gewillt ist, für relativ wenig Geld auf einer Stelle zu arbeiten, die auf anderthalb Jahre befristet ist. Ich hatte zwar mehrere Kandidaten eingeladen, aber die einen waren zu unerfahren, die anderen hatten exorbitante Gehaltsforderungen. Aber schließlich haben wir dann über unsere Partner-Firma Intana einen geeigneten Kandidaten gefunden: Dr. Josef Unger war früher selbst wissenschaftlich tätig und hat außerdem in mehreren Biotech-Firmen die Marketing- und Salesabteilung aufgebaut. Das hat perfekt gepasst.

Inwieweit hat Ihnen die Hochschule bzw. das Gründungsnetzwerk der Universität Regensburg geholfen?

Dr. Hannus: Die Gründerberatung bei der Forschungs- und Technologietransferstelle der Universität Regensburg hat sich sehr bemüht. Zum Beispiel wenn wir Unterschriften vom Rektor brauchten. Das kann ja mitunter ziemlich lange dauern.

Als Berater standen mir unter anderem mein Bruder und sein Partner von Intana Bioscience zur Seite. Allerdings war die Ausarbeitung des offiziellen Coaching-Fahrplans im Rahmen von EXIST-Forschungstransfer sowie die Ausarbeitung und der Abschluss der Coaching-Verträge sehr zeitaufwändig und ziemlich bürokratisch.

Aber offensichtlich hat es sich gelohnt. Ihr Unternehmen steht doch ganz gut da.

Dr. Hannus: Ja. Im Prinzip haben sich unsere Grundannahmen bewahrheitet. Es gab ein paar Situationen, wo wir technologisch andere Wege einschlagen mussten, und es gibt auch immer wieder technische Probleme, die man dann beheben muss. Es ist nicht alles so, wie man will. Und es läuft auch nicht alles genau so, wie man erwartet. Aber ich denke, das ist normal.

Gab es besondere Hürden?

Dr. Hannus: Es gab eine Haupthürde: Wir brauchten eine Lizenz, um ein bestimmtes patentiertes Verfahren anzuwenden. Diese Lizenzen waren allerdings im exklusiven Besitz von großen Unternehmen. Da hatten wir keine Chance heranzukommen. Wir haben es aber dann geschafft, unsere Technologie so zu modifizieren, das wir nicht mehr auf das patentgeschützte Verfahren angewiesen waren. Wir haben sozusagen das Patent technologisch umgangen, was dem Projektträger sehr gut gefallen hat. Deshalb haben wir unsere Anschlussförderung für die zweite Phase von EXIST-Forschungstransfer auch problemfrei bekommen.

Was ist in der nächsten Zukunft zu tun?

Dr. Hannus: Wir sind ein kleines Start-up mit einer Super-Technologie, die aber noch fast keiner kennt. Wir haben innerhalb unseres persönlichen Netzwerks unsere Reagenzien zwar ziemlich erfolgreich verkauft. Aber das alleine reicht nicht. Das bedeutet, wir müssen jetzt andere Marketingwege wählen und sind zum Beispiel gerade dabei, einen Internetvertrieb aufzubauen. Allerdings müssen wir dazu sehr viel mehr Geld als ursprünglich erwartet investieren. Das ist die Herausforderung, vor der wir im Moment stehen.

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