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Gründungsberatung in Kooperation

Vom Kunstprojekt zur Gründerwerkstatt

Ein ehemaliges Delikatessengeschäft in der Weimarer Innenstadt war Keimzelle und Namensgeber der Gründerwerkstatt neudeli. Heute ist die Gründerwerkstatt der Bauhaus-Universität Weimar ein Ort für Querdenker, Erfinder und Macher. Dabei arbeiten die Weimarer eng mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena zusammen. Mit Erfolg: Die gemeinsame Initiative „Gründer- und Innovationscampus Jena-Weimar“ wurde vom BMWi im Jahr 2011 als  EXIST-Gründerhochschule“ ausgezeichnet.

Aus einem freien Kunstprojekt in den Räumen eines ehemaligen Lebensmittelgeschäfts wurde das Atelier „neue künstlerische Delikatessen" mit Ausstellungsflächen für freie, künstlerische und gestalterische Projekte, kurz: „neudeli". Heute feilen, schleifen und modellieren hier Studierende, Absolventen und Wissenschaftler der Bauhaus-Universität Weimar an ihren Geschäftsideen. Die Gründerwerkstatt neudeli, die ursprünglich auf Initiative von Studierenden ins Leben gerufen wurde, hat sich seit 2001 als zentrale Anlaufstelle für Gründungsinteressierte aller vier Fakultäten der Hochschule etabliert. Mittlerweile ist sie von dem kleinen Ladengeschäft in eine Villa umgezogen, die in ihren mehr als 16 Arbeitsräumen Platz für bis zu 20 Gründungsteams bietet.

Ansicht des Gebäudes der Gründerwerkstatt Neudeli Gründerwerkstatt neudeli
© Candy Welz

Vorbild Bauhaus-Manifest

Die Gründerwerkstatt neudeli fühlt sich der Tradition des Bauhauses verpflichtet. Als Walter Gropius 1919 das Manifest zur Gründung des Staatlichen Bauhauses in Weimar schrieb, stellte er zwei Dinge in den Vordergrund: Erstens, die Notwendigkeit des Zusammenspiels der verschiedenen Disziplinen und zweitens, die große Bedeutung der Werkstatt als zentralem Entwurfsplatz.

Bis heute wird die Bauhaus-Universität Weimar durch diese Grundhaltung geprägt. Das projektorientierte, interdisziplinäre Studium bietet Raum für eigenständiges Arbeiten. In den Werkstätten und Laboren werden Ideen und Konzepte erdacht und erprobt. Insofern liegt es nahe, dass auch die Gründerwerkstatt neudeli Freiräume schafft, die Gründerinnen und Gründern die Möglichkeit bieten, mit (Geschäfts)Ideen zu experimentieren und sich darüber auszutauschen. Von Bedeutung sind dabei auch die zahlreichen Werkstätten der Universität zur Holz-, Metall-, Textil- und Kunststoffverarbeitung sowie das KreativLab, das sich in den Räumlichkeiten von neudeli befindet und als Prototypen- und Kreativwerkstatt den Gründungsteams zur Verfügung steht.

Darüber hinaus bietet das neudeli Beratung, Coaching und Workshops zu gründungsrelevanten Themen an. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen den Kontakt zu Netzwerkpartnern her, moderieren das monatlich stattfindende Gründertreffen "Experiences & Beer" und stellen das universitätsinterne Pre-Seed-Förderprogramm neudeli Fellowship (siehe unten) zur Verfügung.

Projektleiter Prof. Dr. Matthias Maier, Inhaber des Lehrstuhls für Medienmanagement: „neudeli steht für eine besondere Haltung. Unkonventionelles Denken und Professionalität machen es zu etwas Einzigartigem. Hier wird nicht nur nach Plan gebaut, sondern es wird verändert, entwickelt, neu konstruiert, an Konzepten gefeilt und über Visionen diskutiert.“ Dabei entstehen ganz unterschiedliche Projekte wie zum Beispiel heimathlet: eine Kombination aus ansprechendem Möbel und Fitnessgerät plus App mit Übungsanleitung. Oder HistoGlobe, das auf einer internetbasierte Weltkarte historische Ereignisse anzeigt und kurz erläutert. Oder auch Kinematics: aus dem Projekt ist mittlerweile ein Start-up entstanden, das ein Baukastensystem mit beweglichen Modulen für Kinder anbietet.

Detailbild aus dem neudeli KreativLab. Eine Hand hält eine Modellrakete aus Kunststoff neudeli KreativLab
© Erik Hoelperl

Kooperation mit Friedrich-Schiller-Universität Jena

Im Rahmen der gemeinsamen EXIST-geförderten Initiative des „Gründer- und Innovationscampus Jena-Weimar“ arbeiten die Gründungsaktivisten der Bauhaus-Universität Weimar eng mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) zusammen. Dabei geht es vor allem darum, Kompetenzen zu bündeln. Die FSU vereint unter ihrem Dach zehn Fakultäten, zu denen die Natur-, Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie die Medizin zählen. Aus der Verknüpfung dieser Kompetenzen mit der künstlerisch-gestalterischen Ausrichtung der Bauhaus-Universität Weimar ergibt sich ein gutes Klima für Unternehmensgründungen und Transferprozesse. Ganz im Sinne eines „Design Thinking“ geht es um Synergien, die sich aus der Verbindung von planerischen Prozessen und kreativ-gestalterischen Arbeitsweisen ergeben.

Die Zusammenarbeit erstreckt sich dabei über die gesamte Prozesskette, von der Sensibilisierung der Studierenden, Absolventen und Mitarbeitern über die Entwicklung der Geschäftsidee, Beratung und Coaching bis zur Erarbeitung qualifizierter Businesspläne. Die Gründungsberater beider Hochschulen pflegen dabei einen regelmäßigen Austausch und stimmen sich einmal pro Woche über anstehende Aktivitäten ab. Marcel Drescher von der  Gründerwerkstatt neudeli: „Die Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells setzt sowohl eine gute Geschäftsidee als auch die Verfügbarkeit relevanter Informationen wie zur Branche, Zielgruppe und Technologie voraus. Durch den Austausch unter den Gründungsberatern entsteht ein größeres Verständnis für das Umfeld des  Geschäftsmodells und trägt damit zu dessen Erfolg bei." Gründerinnen und Gründer profitieren daher beispielsweise von den Workshops, die an beiden Hochschulen durchgeführt werden und von Studierenden der jeweils anderen Hochschule besucht werden können. Um gründungsinteressierte Studierende aus Jena und Weimar zusammenzubringen werden außerdem Teammatching-Veranstaltungen durchgeführt. Darüber hinaus findet einmal im Jahr der gemeinsame Gründer- und Innovationstag statt.

Enge Zusammenarbeit: Gründungswerkstatt, Lehre und Forschung

Aus einer reinen Gründungsberatung  an der Bauhaus-Universität Weimar ist mittlerweile auch ein Lehr- und Forschungsbereich entstanden, der von Unternehmer-Alumni und Gründungsteams unterstützt wird – und umgekehrt. Unternehmerinnen und Unternehmer, die mit Hilfe der universitären Gründungsberatung ihren Weg gemacht haben, engagieren sich heute als Tutoren und begleiten die universitäre Lehre. Studierende wiederum unterstützen Gründungsteams, indem sie zum Beispiel Branchenstrukturanalysen oder Marketingkonzepte erarbeiten. Darüber hinaus werden Lehrveranstaltungen zu Themen wie Innovationsmanagement, Geschäftsmodellentwicklung oder Businessplanung angeboten.

Ansicht des Tafelbilds aus dem Sommersemester 2014, Lehrveranstaltung "Maker-Movement" Tafelbild Sommersemester 2014, Lehrveranstaltung "Maker-Movement"
© Jun.-Prof. Dr. Oliver Mauroner

Im Rahmen des Lehrangebots arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von neudeli eng mit dem Fachbereich Medienmanagement zusammen, um neue Ideen zu  Marketingmanagement, Innovations- und Kreativmanagement oder Organisations- und Managementwissenschaften zu entwickeln. Dazu Oliver Mauroner, der eine Junior-Professur  für Innovations- und Kreativmanagement inne hat: „Geforscht wird an neuen Ansätzen von Management, Marketing und Entrepreneurship. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage wie Crowdsourcing und Co-Creation die Beziehungen zwischen Start-ups und ihren Kunden verändern oder auch darum, wie junge Unternehmen mit Hilfe von Storytelling und Gamification – also dem Einsatz spielerischer Elemente in anderen Kontexten – eine möglichst hohe Kundenbindung erreichen können."

neudeliFellowship

Das Förderprogramm "neudeli Fellowship"  wird seit dem Sommersemester 2015 angeboten. Es unterstützt gründungsinteressierte Teams für die Dauer von sechs Monaten bei der Entwicklung von Geschäftsideen und Prototypen und ist damit eine gute Vorbereitung zum Beispiel für die Businessplanphase, die über  EXIST-Gründerstipendium gefördert wird. Neben einer individuellen Betreuung bei der Geschäftsmodellentwicklung durch das Team der Gründerwerkstatt wird einer der stark nachgefragten, voll ausgestatteten Arbeitsräume extra für die Fellows freigehalten. Außerdem erhalten sie Zugang zum KreativLab und profitieren von einem individuellen Coaching durch Expertinnen und Experten aus der Wirtschaft sowie durch erfahrene Unternehmer-Alumni. Ferner erhalten die Fellows Unterstützung bei der Ausformulierung einer Patentschrift inklusive vorheriger Recherche sowie bei der Patentameldung. Außerdem übernimmt „neudeli Fellowship“ auch die Gebühren. Das umfangreiche Förderprogramm enthält darüber hinaus ein Sachmittelbudget von bis zu 10.000 Euro, das von Partnern und Unterstützern aus der Region zur Verfügung gestellt

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