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Crowdfunding-Plattform unter eigener Regie? Das Beispiel KITcrowd.

Wer heute über die Finanzierung von Start-ups spricht, meint damit auch Crowdfunding und -investing. Die meisten Gründungsberaterinnen und -berater an Hochschulen haben sich darauf eingestellt und bieten ihren Teams entsprechende Beratung an. Die KIT-Gründerschmiede am Karlsruher Institut für Technologie KIT ist noch einen Schritt weiter gegangen: Dort wurde mit KITcrowd ein eigenes Crowdfunding-Portal entwickelt.

Eine Gruppe von Mesnchen vor dem KIT-Logo auf dem Campus © Karlsruher Institut für Technologie/ Mischa Vollmann

Es geht um weit mehr als nur ums Geld. Und genau das ist das Besondere bei der Schwarmfinanzierung: Start-ups können damit ihren Bekanntheitsgrad enorm steigern. Sie lernen potenzielle Kunden kennen, die ihnen nützliche Tipps zur Weiterentwicklung des Produkts geben. Und sie erhalten Zugang zu Branchen- und Gründungsnetzwerken. Dass nicht nur Start-ups, sondern auch Hochschulen von dem neuen Finanzierungsinstrument profitieren können, zeigen seit Kurzem die Gründungsakteure des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Dort startete im März 2015 mit Unterstützung von EXIST-IV KITcrowd. Das Crowdfunding-Portal bringt Start-ups und -Projekte aus dem Umfeld des KIT mit Kapitalgebern und Unterstützern – Privatpersonen und Unternehmen –zusammen. Darüber hinaus bietet KITcrowd ein sogenanntes Leveraged Crowdfunding an. Dabei können forschungsnahe Projekte und Ausgründungen mit einem hohen finanziellen Bedarf durch Mittel des KIT-Innovationsfonds „gehebelt“ bzw. kofinanziert werden. Voraussetzung ist: Das Projekt hat zuvor durch die Crowd großen Zuspruch erhalten und eine vorab vereinbarte finanzielle Zuwendung einwerben können.

Die Vorteile für das KIT

KITcrowd wurde am KIT entwickelt und funktioniert in Zusammenarbeit mit anderen Crowdfinanzierungs-Plattformen. Was sich die Karlsruher von einem  Crowdfunding-Portal „im eigenen Haus" versprechen, beschreibt Projektleiter Thomas Neumann: „Unsere Start-ups und Technologieprojekte können sich hier, wie auf jeder anderen Plattform, präsentieren und um Kapitalgeber und Unterstützer werben. Der Vorteil für das KIT besteht darin, dass es sich mit diesen Projekten als engagierte und innovative Hochschule in der breiten Öffentlichkeit positionieren kann. Damit signalisieren wir auch unseren rund 20.000 Alumni sowie weiteren Unternehmen und Privatpersonen, dass es sich lohnen kann, in diese Projekte zu investieren und sie mit Know-how und Kontakten zu unterstützen."

Die hochschuleigene Crowdfunding-Plattform als Aushängeschild und Instrument der Gründungsförderung! Das klingt gut. Dennoch gibt es neben den Karlsruhern bislang nur noch die Universität Kassel, die in Sachen Crowdfunding vergleichbar aktiv ist. Wobei die Kasseler keine eigene Plattform anbieten, sondern mit UNIKAT Crowdfunding eine Crowdpage auf Startnext eingerichtet haben. Dass die meisten Hochschulen eher zurückhaltend sind, wenn es darum geht, eigene Crowdfunding-Plattformen anzubieten, überrascht Thomas Neumann nicht. „Der Aufwand ist sehr groß, vor allem wenn keine Subplattform, sondern eine eigene Plattform programmiert und entwickelt werden soll. Am KIT war das nur möglich, weil uns ausreichende finanzielle und personelle Kapazitäten zur Verfügung standen - zum einen über EXIST-IV, zum anderen über zusätzliche Kolleginnen und Kollegen aus dem Innovationsmanagement."

Ein Gebäude des KIT auf dem Campus in Karlsruhe. Ein Gebäude des KIT auf dem Campus in Karlsruhe.
© Karlsruher Institut für Technologie/ Mischa Vollmann

Lohnt sich der Aufwand?

Die Frage ob es sich für eine Hochschule tatsächlich lohnt, eine eigene Plattform einzurichten, hängt nicht zuletzt von deren Größe ab, ist Thomas Neumann überzeugt. Mit knapp 6.000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, 25.000 Studierenden und einem weit verzweigten Netzwerk gehört das KIT bundesweit zu den großen Playern in der Hochschulszene. Groß genug, um ein eigenes Crowdfunding-Portal zu installieren, denn, so Thomas Neumann: „Eine Hochschule muss über die Kapazitäten verfügen, um kontinuierlich eine ausreichende Zahl an geeigneten Projekten auf der Plattform zu präsentieren. Das ist selbst für das KIT eine Herausforderung, da muss man einfach realistisch sein. Wir haben knapp 30 Gründungen pro Jahr, wovon bislang nur ein kleinerer Teil Crowdfunding in Erwägung zieht. Das ist einfach so.“ Um das Angebot an Start-ups und Projekten weiter auszubauen, haben Thomas Neumann und sein Team KITcrowd daher inzwischen auch für andere Einrichtungen geöffnet, wie zum Beispiel die Helmholtz-Gemeinschaft. Deren Projekte präsentieren sich zwar auf anderen Plattformen – sie haben aber die Möglichkeit mit ihrer Kampagne auf KITcrowd gespiegelt zu werden. Dasselbe gilt natürlich auch für KIT-Teams, die ihre Crowdfinanzierungs-Kampagne nicht auf der KITcrowd, sondern lieber bei einem anderen Anbieter durchführen. „Damit schaffen wir einen Multiplikatoreffekt und vergrößern das Crowdpotenzial für die Teams", so Thomas Neumann.

Auf die Betreuung kommt es an          

Entscheidend für den nachhaltigen Erfolg eines Crowdfunding-Portals wie KITcrowd sind zweifellos das Know-how und die personellen Kapazitäten, um die Projektteams vor und während ihrer Crowdfunding-Kampagne zu betreuen. Die KITcrowd-Mannschaft hat dabei mit einer Vielzahl von Fragen zu tun: Sind die Selbstdarstellungen der Teams ansprechend und überzeugend formuliert? Hat das Kampagnenkonzept Hand und Fuß und ist das Team in der Lage, alle Punkte umzusetzen? Passen die verschiedenen „Dankeschöns" bzw. Gegenleistungen zur Höhe der Geldbeträge? Wie groß sollten die Intervalle zwischen den „Dankeschöns" sein? Selbstverständlich nutzt das KIT-Team auch alle Social-Media-Kanäle, um für die Crowd-Kampagnen zu werben. Darüber hinaus werden ausgewählte Start-ups oder Projekte auf Veranstaltungen oder in den Medien der KIT-Kooperationspartner wie das CyberForum oder der Baden-Württemberg: Connected e.V. präsentiert. Allein diese beiden Organisationen verfügen über sehr umfangreiche Netzwerke mit potenziellen Kapitalgebern und Unterstützern", freut sich Thomas Neumann und ergänzt: „Crowdfunding ermöglicht es, spannende Ideen und Projekte einer breiten Masse von Personen vorzustellen und diese auf verschiedene Arten direkt am Erfolg zu beteiligen. Neben dem Finanzierungseffekt hat KITcrowd aber auch einen enormen Kommunikationseffekt für das KIT. Unser Portal repräsentiert die Ideen- und Innovationsvielfalt am KIT auf ganz transparente Weise. Durch KITcrowd binden wir verschiedene Personen in unsere Kommunikation mit ein und erhalten ein direktes Feedback nicht nur von unseren Alumni und Netzwerkpartnern, sondern auch von der breiten Öffentlichkeit. Und genau das ist es, was für Forschungseinrichtungen und Universitäten immer wichtiger wird.“ 

Varianten der Crowdfinanzierung

Spendenbasiertes Modell (Donation-based Crowdfunding)

  • Keinerlei materielle oder finanzielle Gegenleistung für Geldgeber/ immaterielle Belohnung denkbar
  • Vorwiegend für gemeinnützige Organisationen und Projekte

Belohnungsbasiertes Modell (Reward-based Crowdfunding)

  • Materielle oder immaterielle, jedoch keine finanzielle Gegenleistung - orientiert sich in der Regel an der jeweiligen Höhe des bereitgestellten Kapitals
  • Auch Vorfinanzierung eines Produktes möglich (Pre-Purchase-Modell)

Darlehensbasiertes Modell (Lending-based Crowdfunding)

  • Kredit an andere Privatpersonen (P2P-Lending) oder Unternehmen (P2B-Lending)
  • Gegenleistung: Zinsleistungen des Kreditnehmers – Bonität wird von Plattform ermittelt
  • Umsatzstärkstes Marktsegment innerhalb des Crowdfundings

Eigenkapitalbasiertes Modell (Equity-based Crowdfunding) bzw. Crowdinvesting

  • Eigenkapital- oder eigenkapitalähnliche Beteiligung am Unternehmen oder Projekt
  • Finanzielle Teilhabe an der zukünftigen Entwicklung des Unternehmens
  • Ausgestaltung unterschiedlich: vorwiegend partiarische (Nachrang-)Darlehen, stille Beteiligungen

Quelle: Institut für Mittelstandsforschung IfM Bonn, IfM-Materialien Nr. 241

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