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Vernetzung mit wissenschaftlichen Einrichtungen

Der Gründer-Campus Saar

Das Saarland ist ein strukturschwaches und nicht sehr finanzstarkes Bundesland. Traditionell liegt der wirtschaftliche Schwerpunkt nach dem Ausstieg aus dem Bergbau auf den eher „alten Industrien“ Stahl und Automobilzulieferern. Für den wirtschaftlichen Strukturwandel spielen Ausgründungen aus den Wissenschaften daher eine wichtige Rolle.

Logos Universität des Saarlandes

Teilnehmer des Start-up Weekend Begeisterte Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Abschluss des 2. Startup Weekends auf dem Campus Saarbrücken der Universität des Saarlandes.
© KWT/ Beate Wehrle

Bei den zahlreichen Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen, die es in dem vergleichsweise kleinen Bundesland gibt, lag es daher nahe, ein Netzwerk zu schaffen, das in der Gründungsunterstützung möglichst effizient zusammenarbeitet und die Gründungsförderung im Hochschul- und Wissenschaftsbereich bündelt.

Gemeinsame Bewerbung beim Wettbewerb „EXIST-Gründerhochschule“

Präsident und Vizepräsident der Universität des Saarlandes hatten im Juni 2012 alle Stakeholder - Studierende, Wissenschaftler, Vertreter aller anderen saarländischen Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen sowie Gründer - eingeladen und ein erstes grobes Konzept für den Aufbau eines Gründungsnetzwerks vorgestellt. Dabei fand der Vorschlag, sich für den damaligen Wettbewerb „EXIST-Gründerhochschule“ zusammen als Netzwerk zu bewerben, durchweg Zustimmung. In den darauf folgenden Sitzungen konnte daher ein Strategiekonzept ausgearbeitet und eine campusübergreifende Unterstützung für alle wissenschaftlich orientierten Gründerinnen und Gründer entwickelt werden.

Ein wichtiger Punkt dabei: Auf Grund der unterschiedlichen Ausrichtung der Netzwerkpartner – Universität, Fachhochschule, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen  – erschien das Konzept eines Top-Down-Ansatzes nicht sinnvoll. Vielmehr wollten die Akteure auf ihren bestehenden Angeboten aufbauen und innerhalb des Netzwerks Synergien nutzen bzw. aufbauen. Gemeinsam wurde daher zunächst eruiert, welche Gründungsaktivitäten es vor Ort in den Institutionen gab. Inwiefern konnten diese auch von den anderen Netzwerkpartnern genutzt werden? Und welche Angebote konnten diese wiederum beisteuern, so dass die jeweils anderen Partner keine eigenen Kompetenzen aufbauen mussten?

Die Mühe hat sich gelohnt. Die Universität des Saarlandes hatte mit ihrem Konzept des „Gründer-Campus Saar“ nicht nur erfolgreich an der ersten Wettbewerbsrunde „EXIST-Gründerhochschule“ teilgenommen, sondern erhielt darüber hinaus im Januar 2013 auch das Prädikat "EXIST-Gründerhochschule".

Der Gründer-Campus Saar wurde damit zum Teil über die EXIST-Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und zum Teil aus Mitteln des Saarlandes unterstützt. Die Weiterführung ist nun, nach dem erfolgten Aufbau, unabhängig von einer weiteren externen finanziellen Unterstützung möglich.

Das Starterzentrum auf dem Campus der Universität des Saarlandes. Das Starterzentrum auf dem Campus der Universität des Saarlandes.
© KWT/ Beate Wehrle

Zu den Partnern des „Gründer-Campus Saar“ gehören:

  • die Universität des Saarlandes,
  • die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar),
  • die Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK Saar),
  • die Hochschule für Musik Saar (HfM Saar),
  • die KIST Europe Forschungsgesellschaft mbH,
  • das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI),
  • das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), 
  • das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT),
  • das Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren (IZfP),
  • das INM - Leibniz-Institut für Neue Materialien gGmbH,
  • das Steinbeis Forschungszentrum Material Engineering Center Saarland (MECS),
  • das Max-Planck-Institut für Informatik (MPII),
  • das Max-Planck-Institut für Softwaresysteme (MPI SWS),
  • das ZeMA - Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik gGmbH

Keine Dopplung von Angeboten

Jeder der Netzwerkpartner zeichnet sich durch besondere Angebote der Gründungsförderung aus. Mehrfachangebote, die womöglich miteinander konkurrieren, werden dabei vermieden und Kompetenzen gestärkt. Der Vorteil für Gründerinnen und Gründer: Sie können sich an jede der Partnerinstitutionen wenden und deren Angebote (Inkubatoren, Beratung, Coaching, Workshops, Wettbewerbe usw.) in Anspruch nehmen. So nehmen Referenten verschiedener Netzwerkpartner z.B. an der allen Interessenten offenstehenden Workshopreihe „Start-ups und neue Geschäftsmodelle“ an der Hochschule für Technik und Wirtschaft teil. Mitarbeiter der KWT führen Unternehmensplanspiele bei Netzwerkpartnern durch. Die Design-Thinking-Workshops der Hochschule der Bildenden Künste sollen zukünftig auch an der Universität des Saarlandes angeboten werden. Mehr noch: Die Referenten, Coaches und Gründungsberater der einzelnen Institutionen kommen bei Bedarf auch jeweils zu den Gründern der anderen Netzwerkpartner und führen vor Ort neben Workshops auch Beratungsgespräche und Coachings durch.

Maßgeschneiderte Angebote

Einzelne Partner des Gründer-Campus Saar entwickeln bei Bedarf maßgeschneiderte Angebote für jeweils andere Netzwerkpartner: Beispiel: Eines der Max-Planck-Institute erhält auf Wunsch für seine Gründerinnen und Gründer zusätzliche Räumlichkeiten an der Universität des Saarlandes. Oder: Das Institut für Neue Materialien benötigt für eine Weiterbildungsveranstaltung zum Thema Businessplanung einen Referenten, der von der Universität des Saarlandes gestellt werden kann.

Institutionenübergreifende Angebote

Der Gründerstammtisch richtet sich an alle Gründungsinteressierten aus den Partnerinstitutionen des Gründer-Campus Saar. Ein weiteres Beispiel: Beim Start-up-Weekend werden interdisziplinäre Teams gebildet, die während eines Wochenendes ihre Gründungsideen weiterentwickeln und vor einer Jury pitchen. Die Teammitglieder stammen aus den verschiedenen Netzwerkinstitutionen, so zum Beispiel Informatiker von einem der Max-Planck-Institute, Designer aus der Hochschule für Bildende Künste und Kaufleute von der Universität des Saarlandes.

Darauf kommt es an

„Es muss gelingen, allen Partnern klarzumachen, dass das Netzwerk nicht um des Netzwerks willens gebildet wird, sondern dass dahinter ein klarer Mehrwert für jede einzelne Institution und deren gründungsinteressierten Mitgliedern steht. Es geht darum, alle Kräfte zu bündeln und das Beste aus der Gründungsunterstützung und den Start-ups herauszuholen“, sagt Axel Koch, Geschäftsführer der Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer an der Universität des Saarlandes. Darüber hinaus sind seiner Erfahrung nach die folgenden Punkte entscheidend für den nachhaltigen Erfolg eines wissenschafts- und gründungsbezogenen Netzwerks:

  • Praxisrelevanz: Die entscheidende Frage ist, wie aus einer guten Idee tatsächlich auch ein in der Praxis funktionierendes Netzwerk werden kann.
  • An einem Strang ziehen: In der Regel denken und handeln die Akteure sehr institutionsbezogen. Das Netzwerk-Konzept muss daher zeigen, dass alle Beteiligten einen Mehrwert von der Zusammenarbeit davontragen und eine Win-win-Situation entsteht.
  • Alle Kräfte bündeln: Ähnliche Angebote, die womöglich auch noch in Konkurrenz zueinander stehen, sollten in jedem Fall vermieden werden. Sie ergeben vor allem in kleinen Bundesländern wie dem Saarland keinen Sinn, wo eine nachhaltige Gründungskultur nur institutionsübergreifend entstehen kann. Auch wenn sich alle Partner von vorneherein darauf verständigt haben, sollte dieses Thema immer wieder offen angesprochen werden.
  • Finanzierungspartner einbinden: Die Gründungs- und Wachstumsfinanzierung junger Unternehmen ist nach wie vor eine große Herausforderung. Sinnvoll ist es daher auch, öffentliche und private Finanzierungspartner einzubinden, die über Beteiligungen und Know-how zu einem schnelleren Wachstum von Start-ups beitragen.
  • Abstimmung mit landesweiter Gründungsinitiative: Der Austausch mit den Partnern landesweiter oder regionaler Gründungsinitiativen ist wichtig, da es immer wieder inhaltliche und personelle Schnittstellen gibt. Der Gründer-Campus Saar arbeitet daher eng mit der Saarland Offensive für Gründer (SOG) zusammen, die vom Wirtschaftsministerium des Saarlands koordiniert wird. Inzwischen gibt es eine AG zum Thema Technologie und wissensbasierte Gründung, in der u.a. auch die Kammern vertreten sind. Sie trifft sich einmal monatlich, um die Beratungs- und Veranstaltungsangebote abzustimmen und ggf. Lösungen für Ausgründungen mit Finanzierungs- oder Infrastrukturproblem zu finden. 

Der Beitrag stammt in wesentlichen Teilen aus der BMWi-Publikation „Netzwerke für ein besseres Gründungsklima: So engagieren sich Kommunen, Hochschulen und Unternehmer“ (Juni 2016).