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Campusweiter Gründergeist

Die KIT-Gründerschmiede: Denken in Möglichkeiten

Mit 150 Instituten, rund 9.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 24.500 Studierenden ist das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas. Es ist sowohl Universität als auch nationales Forschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft. Hervorgegangen ist es im Oktober 2009 aus einem Zusammenschluss des Forschungszentrums Karlsruhe und der Universität Karlsruhe. Mit dem klaren Auftrag für Forschung, Lehre und Innovation im KIT-Gesetz wurde von Beginn an die Tür auch für den Gründergeist geöffnet.

Das Jahr 2013 war für das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ein besonderes Jahr: Im Januar 2013 wurde es vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie als EXIST-Gründerhochschule ausgezeichnet. Seither wird es im Rahmen von EXIST IV gefördert. Im selben Jahr erzielten die Karlsruher den dritten Platz beim Hochschulranking des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, der seine Ergebnisse im Gründungsradar 2014 veröffentlicht hat. Und schließlich konnte das KIT im Juni 2013 über ein weiteres Ereignis berichten: Auf dem Campus wurde die Eröffnung der KIT-Gründerschmiede gefeiert.

Logo KIT-Gründerschmiede

 

Die KIT-Gründerschmiede bietet Studierenden und KIT-Beschäftigten die Möglichkeit, sich intensiv mit Unternehmensgründungen auseinanderzusetzen. Die Projektleitung teilen sich Prof. Dr. Orestis Terzidis, Inhaber des Lehrstuhls für Entrepreneurship und Technologie-Management, und Dr.-Ing. Jens Fahrenberg, Leiter des Innovationsmanagements am KIT.

Seit Beginn der EXIST-IV-Förderung vor über zwei Jahren hat sich auf dem Campus des KIT in Sachen „Gründung“ viel getan. Insgesamt sind sieben umfangreiche Arbeitspakete entstanden, deren Inhalte größtenteils bereits umgesetzt wurden.

Prof. Dr. Orestis Terzidis Prof. Dr. Orestis Terzidis
© Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

1. Arbeitspaket: Entrepreneurship Lehre

"Wir haben heute ein präziseres Verständnis davon, welche Lernprozesse sinnvoll und für die unternehmerische Praxis notwendig sind. Die Veranstaltungen wurden daher angepasst, so dass diese Lerninhalte auch wirklich vermittelt werden können", sagt Prof. Orestis Terzidis, der in der KIT-Gründerschmiede u.a. für die Entrepreneurshiplehre und -qualifikation zuständig ist. Angepasst wurde zum Beispiel das Seminar „Geschäftsplanung für Gründer“ im Modul Entrepreneurship für die wirtschaftswissenschaftlichen Masterstudiengänge. "Bei dieser Seminarveranstaltung geht es um KIT-eigene, aber noch nicht genutzte Patente. Die 20 bis 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden in vier bis fünf Teams aufgeteilt und aufgefordert, sich ein Patent auszusuchen. Ihre Aufgabe ist es dann, daraus ein Geschäftsmodell zu entwickeln." Die Ergebnisse werden anschließend von Business-Angels bewertet, wobei deren Urteil in die Benotung mit einfließt.  

Zu guter Letzt müssen die Teilnehmer dann noch einen fiktiven Antrag für ein EXIST-Gründerstipendium stellen. Das Konzept kommt gut an: Vergleichbare Angebote gibt es inzwischen auch für Bachelorstudiengänge und für Doktoranden.

2. Arbeitspaket: Startup Catalyst - upCAT

Für das dreimonatige Intensiv-Coaching, das zweimal im Jahr stattfindet, bewerben sich in der Regel 15 bis 20 Teams, die sich entweder noch in der Vorgründungsphase befinden oder bereits ihr Start-up gegründet haben. Eine Jury wählt die Teams nach Kriterien wie „Produkt“, „Marktpotential“, „Team“ sowie „Innovationshöhe und Geistiges Eigentum“ aus. Prof. Orestis Terzidis: "Fünf bis sechs ausgewählte Teams durchlaufen ein Accelerator-Programm. Das heißt, der Gründungsprozess wird beschleunigt und wesentlich effektiver gestaltet. Dazu unterstützen wir die Teams methodisch und systematisch. Dazu werden die diversen Aspekte, die für ein Startup wichtig sind, systematisch behandelt. Neben bekannten Methoden wie Design Thinking, Lean Startup und Busines Model Canvas kommen weitere Methoden zum Einsatz. Technology Profiles  beispielsweise helfen, einen „Technology Push“ Ansatz zu verfolgen: sie erstellen ein Profil zu den wichtigsten Eigenschaften einer neuen Technologie, und kontrastieren diese Eigenschaften im Vergleich zu Alternativen. Der Einsatz der Value Delivery Modeling Language hilft den Start-ups, das Wertschöpfungsnetzwerk, in dem sie sich bewegen, transparent zu machen und so zu verstehen, mit welchen Geschäftspartnern sie kooperieren müssen, um ihre Idee erfolgreich in die Lieferkette einzuführen. Wenn man das mit Gründungsvorbereitungen vergleicht, die unbegleitet sehr lange dauern oder sogar nie zum Ziel kommen, ist das ein großer Unterschied."

Dr. Jens Fahrenberg Dr.-Ing. Jens Fahrenberg
© Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

3. Arbeitspaket: Gründerkultur auf dem Campus

Mit dem Projekt KIT-Gründerschmiede haben die Gründungsakteure eine Marke entwickelt. Mit Erfolg, so Dr. Jens Fahrenberg: "Das Thema 'Gründen' ist auf dem Campus inzwischen für alle sichtbar geworden ist. Wenn wir das mit der Zeit vor EXIST IV vergleichen, wird deutlich, dass wir heute auf einem ganz anderen Niveau unterwegs sind. Eine ganz wichtige Voraussetzung dafür ist, dass wir nicht als einzelne Akteure oder Organisationseinheiten auftreten, sondern wirklich als eine Institution: die KIT-Gründerschmiede." Um das Gründungsfeuer dauerhaft brennen zu lassen, kommen aus der Gründerschmiede immer wieder neue Ideen. Jüngstes Produkt: Der KIT-Gründerguide. Er informiert über Anlaufstellen für Gründungsinteressierte und die Veranstaltungsangebote der KIT-Gründerschmiede. Und nicht zu vergessen das KIT Venture Fest, das erstmals im Juli 2014 stattgefunden hat.

"Die Veranstaltung hat deutlich gezeigt, welchen Stellenwert Unternehmensgründungen am KIT haben. Unter den vielen Gründungsinteressierten und Gründern, den wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studierenden waren beispielsweise auch der Präsident und Vizepräsident des KIT sowie Investoren - teilweise aus dem internationalen Raum - zu Gast", freut sich Dr. Jens Fahrenberg. Er führt den überwiegenden Erfolg der bisherigen Maßnahmen vor allem auf die gut funktionierende strategische Allianz zwischen dem Entrepreneurship-Lehrstuhl und dem Innovationsmanagement zurück. „Ich glaube, was wir in Karlsruhe wirklich gut gelöst haben und noch weiter vertiefen werden, ist diese enge strategische und operative Zusammenarbeit zwischen den zentralen Interessen des Technologietransfers und den dezentralen Interessen der Institute.“

4. Arbeitspaket: Sendestation

Eng mit dem dritten Arbeitspaket sind auch alle Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit verbunden. Über unterschiedliche Kanäle – Pressemitteilungen, Magazine, Newsletter, Facebook, Blog etc. – wird über alle Neuigkeiten rund um die Gründerschmiede, über Ausgründungen des KIT, Auszeichnungen usw. informiert, um die Sichtbarkeit der Gründerschmiede zu erhöhen, die gemeinsamen Erfolge zu kommunizieren und sie als einen regionalen Attraktionspunkt zu etablieren. Ein großer Wert wird auf das Community-Building mit Investoren, Business-Angels und den Mitgliedern der Gründerallianz Karlsruhe gelegt. Sie hat sich 2013 auf Initiative des KIT gebildet und umfasst alle regionalen Akteure, die sich im Gründungsbereich engagieren.

Coaching am KIT Coaching am KIT
© Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

5. Arbeitspaket: Wissensaufbau Technologietransfer - WaTT

Ziel von WaTT ist es, Professorinnen, Professoren sowie leitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im KIT Grundlagenwissen im Bereich Innovationsmanagement und Gründung zu vermitteln. „Das Angebot wird inzwischen sehr gut angenommen“, so Dr. Jens Fahrenberg: "Vor zwei, drei Jahren war es noch so, dass wir auf die Institute zugegangen sind und unser Angebot beworben haben. Heute ist es so, dass die Institutsleitungen auf uns zukommen und uns zu ihren Institutsversammlungen einladen." Bei diesen Besprechungen werden dann meist schon erste Überlegungen angestellt, wie sich das jeweilige Institut eventuell anders oder besser aufstellen kann, um sich im Bereich Innovation und Gründung weiterzuentwickeln. Fragen nach der Verwertung oder Kommerzialisierung von Patenten spielen nicht zuletzt wegen der hohen "Erfinderdichte" am KIT eine wichtige Rolle, allen voran in den Ingenieurswissenschaften und den Schlüsseltechnologien.

6. Arbeitspakt: Shared Service und Regelwerke – SSR

In diesem Modul steht die individuelle Beratung von Gründungsinteressierten und Gründerteams im Vordergrund. Darüber hinaus gibt es weitere Angebote wie zum Beispiel der Zugang zu technischen Infrastruktur des KIT. Ein wichtiges Element ist die Verbindung zu den Professoren des KIT.  "In unserem Promotoren-Netzwerk engagieren sich etwa 40 Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter für das Thema Unternehmensgründung. Das sind Personen, die entweder selbst schon einmal gegründet haben oder Ausgründungen an ihren Instituten betreut haben oder die sich aus einem anderen Grund dem Thema verpflichtet fühlen", so Prof. Orestis Terzidis. Dazu gehört zum Beispiel Professor Wilhelm Stork vom Institut für Technik der Informationsverarbeitung. Er hat bereits mehrere Teams aus seinem Institut auf den Gründungweg gebracht. Eines von ihnen sorgte in diesem Jahr sogar bundesweit für Schlagzeilen: Die Ausgründung RESTUBE wurde am 30. Juni 2015 mit dem Deutschen Gründerpreis in der Kategorie StartUp ausgezeichnet. Das Gründungsteam hat eine weltweit einzigartige, sich selbst aufblasende Rettungsboje entwickelt. „Das sind Erfolgsgeschichten, die uns helfen, weitere Gründungsinteressierte zu mobilisieren. Darüber hinaus werben die Promotoren auch innerhalb der Hochschule für ihr Anliegen. Wir hatten im Frühjahr ein Abendessen mit dem Präsidenten und etwa 30 Kollegen vom KIT. Eingeladen waren auch drei Gründerteams mit ihren Promotoren, die dann jeweils aus ihrer Perspektive darüber berichtet haben, warum sie sich für das Thema 'Gründung' begeistern. Wir wollten darüber Mitstreiter aus der Professorenschaft motivieren, sich ebenfalls als Promotor zu engagieren."

7. Arbeitspaket: Leveraged Crowdfunding – LCF

Im März 2015 fand der Launch von www.kitcrowd.de statt. In Kooperation mit der Crowdfundingplattform Startnext wurde damit ein KIT-bezogenes Crowdfunding-Portal aufgebaut. Gründungsprojekte erhalten so nicht nur die Chance auf eine ergänzende oder alternative Finanzierung: Auf der Online-Plattform können sie außerdem ihre Idee vorstellen und bewerben. "KIT hat ein Netzwerk von knapp 20.000 Alumni in Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft. Die sprechen wir natürlich als Erstes an und bitten sie, gemeinsam als 'Crowd' diese Gründungsprojekte mit ihrem Erfahrungsschatz, ihrem Sachverstand, aber auch mit ihren finanziellen Möglichkeiten zu unterstützen" sagt Prof. Orestis Terzidis. Überhaupt möchte sich die "Gründungsschmiede" noch mehr als bisher dem Thema "Finanzierung" widmen.

Stichwort Investment Readiness: "Wir möchten unsere Gründungsprojekte so weit bringen, dass sie alle Voraussetzungen mitbringen, um möglichst reibungslos eine erste Finanzierung zu erhalten. Ganz gleich, ob es sich um öffentliche Förderprogramme oder ein Investment durch Business-Angels oder VC-Gesellschaften handelt", wünscht sich Dr. Jens Fahrenberg.

Rückblickend ist er mehr als zufrieden damit, was das KIT in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt hat: "Mit EXIST IV haben wir den Hebel an der richtigen Stelle angesetzt und den Grundstein für eine kulturelle Weiterentwicklung gelegt." Und Prof. Orestis Terzidis  ergänzt: "Natürlich sind wir noch nicht auf dem Niveau von Stanford, wo die Gründungskultur viel tiefer im Wertesystem der Professorenschaft verankert ist. Aber es ist ermutigend, dass es auch hier am KIT eine recht große und steigende Anzahl von gründungsaffinen Akteuren gibt."

Eine wichtige Rolle spielen dabei auch der Austausch und die Wechselwirkung mit dem städtischen und regionalen Umfeld. So hat die Stadt Karlsruhe in den letzten 15, 20 Jahren einen enormen Strukturwandel vollzogen. Prof. Terzidis: "Außerhalb von Karlsruhe ist kaum bekannt, dass hier Zehntausende von Arbeitsplätzen allein durch IT-Unternehmen entstanden sind. Die bekanntesten sind vermutlich web.de und 1&1. Und das CyberForum ist mit seinen über 1.000 Mitgliedern das größte regionale IT-basierte Hightech-Unternehmernetzwerk in Europa. Die Tatsache, dass wir hier inzwischen eine solch starke innovations­getriebene Ökonomie haben, liegt natürlich auch ganz wesentlich an der Mentalität. Dieses Denken in Möglichkeiten, diesen unternehmerischen Blick zu haben und Gelegenheiten zu ergreifen. Das sind Dinge, die die ökonomische Realität ganz erheblich prägen - auch bei uns am KIT."

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