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Leibniz Universität Hannover: Kooperation mit kommunaler Wirtschaftsförderung

Hauptgebäude der Universität Hannover Hauptgebäude der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
© Leibniz-Universität Hannover

Vor zehn Jahren nahm der Gründungsservice starting business an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover mit Unterstützung von EXIST seine Arbeit auf. Seitdem verzeichnen die Gründungsberater an der Hochschule ein stetig wachsendes Interesse am Thema „Gründung“. Dabei hat die vor zwei Jahren begonnene Kooperation mit der hannoverimpuls GmbH, der gemeinsamen Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Landeshauptstadt und der Region Hannover, für einen zusätzlichen Schub gesorgt.

Über mangelnde Nachfrage können sich die Mitarbeiter des Gründungsservices starting business nicht beklagen. Im Gegenteil: Allen bundesweiten Gründungsstatistiken zum Trotz verzeichnen die Hannoveraner einen regelrechten Ansturm an Gründungsinteressierten. „Pro Jahr kommen 100 bis 120 Projektteams zu uns, um auszuloten, ob eine Gründung für sie in Frage kommt. Tendenz steigend: Bis Ende des Jahres dürften wir die 150er Marke erreicht haben. Die meisten der Ratsuchenden, die zu uns kommen, studieren übrigens noch. Bei einem Viertel handelt es sich um wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 15 Prozent haben die Hochschule bereits verlassen. Aus dieser Gemengelage sind in den vergangenen 12 Monaten insgesamt 30 Gründungen hervorgegangen“, freut sich Tobias Quebe, Leiter des Gründungsservices starting business. Tatsächlich sind 30 Gründungen pro Jahr eine beachtliche Zahl für eine Universität dieser Größe.

Dass das Interesse am Thema Gründung an der Leibniz Universität so groß ist, ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass es dem Gründungsservice mit tatkräftiger Unterstützung der Professorenschaft und den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gelungen ist, allein in sechs von neun Fakultäten gründungsbezogene Lehrveranstaltungen anzubieten. Ziel ist es, dieses Angebot mittelfristig in allen Fakultäten zu verankern.

Gründungsstark: Maschinenbau

Dabei erweisen sich - wie an vielen Hochschulen – die Fachbereiche Informatik und Wirtschaftswissenschaften als besonders gründungsstark. Darüber hinaus haben die Hannoveraner aber noch eine Besonderheit zu bieten: Der Anteil der Gründungen in der Maschinenbaubranche ist im Vergleich zu anderen EXIST-geförderten Hochschulen überdurchschnittlich hoch. Die Fakultät für Maschinenbau ist darüber hinaus auch sehr innovationsstark. Als Beispiel nennt Tobias Quebe das Start-up Picum. „Die Ausgründung aus dem Institut für Werkzeugmaschinen wurde mit EXIST-Forschungstransfer gefördert und ist in diesem Jahr an den Start gegangen. Die Gründer haben einen autonomen Werkzeugroboter entwickelt, der sich über große Bauteile bewegen kann und dort Bohrungen, Fräsungen, Laserbearbeitung, Schleifen etc. vornimmt. Damit wird die Bearbeitung von großen Werkzeugen und Bauteilen, die für Flugzeuge, Schiffe und Autos benötigt werden, erheblich vereinfacht. Abgesehen von Unternehmen wie Picum haben wir im Maschinenbau aber auch kleinere Gründungen, die dennoch nicht weniger innovativ sind. Ingenieurbüros zum Beispiel, die eigene Softwarelösungen entwickelt haben und sich mit Themen wie Big-Data-Analyse und Maschinen-Learning befassen.“

Seminarraum Uni Hannover Seminarraum für Gründeraktivitäten an der Uni Hannover.
© Leibniz-Universität Hannover

Win-Win-Situation: Kooperation mit hannoverimpuls

Ob Maschinenbauer, Informatiker, Wirtschaftswissenschaftler oder Gründungsinteressierte anderer Fakultäten: Sie alle profitieren in Hannover von einem umfassenden Informations-. Beratungs- und Finanzierungsangebot. Der Grund dafür: Seit November 2015 arbeiten der Gründungsservice der Leibniz Universität und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft hannoverimpuls eng zusammen. Dabei gab es zwischen den Gründungsaktivisten der Universität und hannoverimpuls schon seit vielen Jahren eine lose Zusammenarbeit in Form von gemeinsamen Veranstaltungen. Doch vor zwei Jahren wollte man Nägel mit Köpfen machen und die gemeinsamen Bemühungen verstetigen, um einen noch größerer Mehrwert für die Gründerinnen und Gründer zu schaffen.

Letztlich sei durch die Kooperation eine typische Win-Win-Situation entstanden, ist Tobias Quebe überzeugt: „hannoverimpuls bietet umfassende Angebote in der Gründungsberatung sowie in den Bereichen Wachstum und Internationalisierung. Es gibt eigene Beteiligungsfonds sowie einen Pre-Seed-Accelerator. Als Gründungsservice der Universität können wir darauf zurückgreifen, so dass wir den Aufbau von Doppelstrukturen vermeiden. Gleichzeitig erhält hannoverimpuls durch die Zusammenarbeit mit uns die Chance, das akademische Gründungspotenzial zu erschließen. Deren Mitarbeiter kommen frühzeitig mit gründungsmotivierten Studierenden in Kontakt und können sie mit ihrem Angebot vertraut machen. Das ist durchaus keine Selbstverständlichkeit, da Studierende und Absolventen gegenüber einer kommunalen Wirtschaftsförderung in der Regel eher etwas fremdeln.“

Die Beratung führt starting business mit einem eigenständigen Team zentral in Räumen der Mensa auf dem Uni-Campus durch. Tobias Quebe betont: „Als akademischer Gründungsservice kennen wir die Bedürfnisse unserer Teams sehr genau. Hinzu kommt, dass wir selbst alle gründungserfahren sind. Von daher sind wir auf jeden Fall gefragt, wenn es zum Beispiel um die Ausarbeitung von Businessplänen oder Pitch-Decks geht.“

Vermeidung von Doppelangeboten

Bei der konkreten Ausgestaltung der Zusammenarbeit gehen beide Partnerorganisationen pragmatisch vor: So werden bestehende Angebote durch zusätzliche Komponenten für die Zielgruppen „Studierende“ und „Wissenschaftlerinnen/ Wissenschaftler“ ergänzt. Anstatt einen eigenen Wettbewerb für Gründerinnen und Gründer ins Leben zu rufen, wurde zum Beispiel der bestehende hannoverimpuls-Gründungswettbewerb um einen Sonderpreis für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ergänzt.

Enge Verbindungen gibt es auch beim Thema Finanzierung. hannoverimpuls betreibt eigene Venture Fonds für technologieorientierte Gründer und Wachstumsunternehmen. „Allein die Tatsache, dass eine Wirtschaftsförderung Risikokapitalfonds mit einem Volumen von bis zu 30 Millionen Euro vorhält, ist schon etwas Besonderes. Dass die Fondsbetreiber darüber hinaus die Nähe zu den einzelnen Fachbereichen suchen, ist ganz klar ein Alleinstellungsmerkmal“, so Tobias Quebe. Dazu wurde 2016 ein Inkubator ins Leben gerufen, wo sich Professorinnen und Professoren aus dem Bereich Robotik und Automatisierungstechnik gemeinsam mit Risikokapitalgebern über die bestmögliche Unterstützung für aktuell laufende Gründungsprojekte austauschen.

Ziel: Unabhängigkeit von Drittmitteln

Apropos Finanzierung: Aktuell teilen sich der Hochschul-Innovationsfonds an der Leibniz Universität und hannoverimpuls die Finanzierung des gemeinsamen Gründungsservices starting business. Damit ist die Hochschule ihrem Ziel, einen drittmittelunabhängigen Gründungsservice zu installieren, ein großes Stück näher gerückt.

Stand: Oktober 2017