Navigationsbereich

Sie befinden sich hier:

Gesellschaftlicher Wandel durch Entrepreneurship

Leuphana Universität Lüneburg

Mit dem Projekt „Leuphana 2020 – Humboldt plus Schumpeter“ hat sich die niedersächsische Hochschule beim BMWi-Wettbewerb „EXIST-Gründungskultur“ im Jahr 2013 durchgesetzt. Für die Leuphana ist das Thema Entrepreneurship damit ein weiterer Baustein, der dazu beitragen soll, den gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu begegnen.

Eingang zum Campus der Leuphana Universität Eingang zum Campus der Leuphana Universität.
© Mark Euler

„Entrepreneurship im Sinne der Leuphana ist nicht Gewinnmaximierung, sondern Nutzenmaximierung“, sagt Leuphana-Präsident Prof. Dr. Sascha Spoun. Was es damit auf sich hat, erklärt Carsten Wille, Leiter der Gründungsberatung an der Leuphana Universität, dem der Gründungs-Service zugeordnet ist: „Der Begriff steht nach unserem Verständnis nicht nur für die Gründung profitorientierter Unternehmen, sondern auch für Handlungskompetenz und die Fähigkeit, eigene Ideen zu entwickeln, um damit einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher oder ökologischer Probleme zu leisten. Dazu möchten wir selbständig denkende Persönlichkeiten heranbilden.“ Anspruch der Hochschule ist es, dass sich jeder Studierende und jeder Wissenschaftler unabhängig von seiner Fachrichtung und seinem Berufsziel im Laufe seines Studiums oder seiner Arbeit an der Hochschule mit dem Thema Entrepreneurship auseinandersetzt. „Wir erwarten nicht, dass jede unserer Absolventinnen und jeder unserer Absolventen oder Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Unternehmen gründet. Aber jeder von ihnen sollte wissen, dass die berufliche Selbständigkeit eine interessante Karriereoption sein kann, um sich dann bewusst für eine Tätigkeit als Angestellter oder Selbständiger zu entscheiden. Dabei sollte man immer im Hinterkopf haben, dass es jederzeit möglich ist, die Seiten zu wechseln“, sagt Carsten Wille.

Entrepreneurship first

Wie ernst es der Leuphana mit ihrem Anliegen ist, erfahren bereits die Erstsemester während der sogenannten Erstsemester-Startwochen. Seit 2012 entwickeln die 1.500 bis 1.800 Studienanfänger jeweils zu Beginn ihres ersten Semesters in gemischten Teams ein gemeinsames Entrepreneurship-Projekt zu aktuellen gesellschaftlichen oder ökologischen Herausforderungen. Betreut wird das Projekt von PD Dr. Mark Euler, Leiter des Projekts „EXIST 4": „Die Teams entwickeln ein Geschäftsmodell mit Hilfe des Business Model Canvas und treten gegeneinander in einem Elevator Pitch an. Selbst Studienanfänger, die zum Beispiel auf Lehramt studieren und davon ausgehen, dass sie keine `Karriere‘ als Unternehmer machen werden, haben da ein richtiges Aha-Erlebnis, wenn sie selbst ein Projekt vorbereiten und überlegen müssen, wie sie damit Geld verdienen können.“

Entrepreneurship everywhere

Die Erstsemester-Startwochen sind dabei nur ein Beispiel für die umfangreichen und vielfältigen Entrepreneurship-Aktivitäten, auf die man in allen Fakultäten und Studiengängen der Lüneburger Hochschule trifft. Wie an jeder EXIST-Hochschule gibt es natürlich auch hier einen Pre-Inkubator, Beratungsangebote, einen Maker Space und vieles mehr. Darüber hinaus warten die Lüneburger aber vor allem mit einer Besonderheit auf, weiß Dr. Mark Euler: „Wir führen in allen vier Fakultäten - Kultur, Nachhaltigkeitswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Bildung - jedes Jahr 50 bis 60 curriculare Angebote durch und verfolgen dabei das Prinzip des Entrepreneurship everywhere. Das bedeutet, wir überlegen gemeinsam mit den Professoren und Dozenten, welche Lehrveranstaltungen durch das Thema Entrepreneurship ergänzt werden können. Wenn zum Beispiel ein Kollege ein Seminar zur Geschichte des Mittelalters plant, können wir ein, zwei Termine übernehmen, um den Studierenden näherzubringen, wie sich unternehmerisches Denken und Handeln im Mittelalter entwickelt hat und was das für die Moderne bedeutet.“ Alles in allem hat sich das Vorgehen offensichtlich bewährt: Jährlich verzeichnet die Leuphana etwa 50 bis 60 gewerbliche und freiberufliche Gründungen. Dazu zählen auch Gründungen durch Absolventen, die bereits vor drei bis vier Jahren ihren Abschluss an der Hochschule gemacht haben.

Workshop LaborX Workshop LaborX
© Andreas Tamme/bereitgestellt von IHK Wolfsburg-Lüneburg


Starthilfe auch für Social Start-ups

Die Branchen, in denen gegründet wird, sind dabei ganz unterschiedlich. Stark vertreten sind der Bildungsbereich und die Kulturwirtschaft. Im Trend liegen aber vor allem Gründungen im sozialen Bereich. Die Hochschulleitung hat frühzeitig darauf reagiert und 2014 eine Juniorprofessur für Social Entrepreneurship eingerichtet. Sie ist inzwischen für viele Studieninteressierte der Grund dafür, ein Studium in der 75.000 Einwohner zählenden niedersächsischen Stadt am Rande der Lüneburger Heide zu beginnen.

Aktuell zählen etwa 15 bis 20 Prozent der Gründungen an der Leuphana zum Social Business. Eine große Herausforderung für die Teams, denn schließlich sollen sozial oder ökologisch ausgerichtete Start-ups nicht nur die Welt verbessern, sondern auch rentabel arbeiten. Das bedeutet: Das Ganze muss sich betriebswirtschaftlich rechnen. „Das größte Engagement nützt ja nichts, wenn ich mir nichts mehr zu Essen kaufen kann. Ich muss also überlegen, wie ich meine sozial oder ökologisch orientierte Idee auch finanzieren kann. Wenn ich im Bildungsbereich mit benachteiligten Jugendlichen arbeiten möchte, dann ist das zwar meine Zielgruppe, aber es sind nicht meine Kunden. Zu denen gehören vielmehr Kommunen oder auch Stiftungen. Also muss ich überlegen, wie ich deren Bedarf und Erwartungshaltung treffe, um sie als Kunden zu gewinnen. Und das heißt: Koalitionen bilden und mit den richtigen Leuten sprechen. Kurz: Nicht nur den Zeigefinger heben, sondern aktiv sein. Genau das ist das Unternehmerische dabei. Und da unterstützen wir die Teams auf Wunsch mit unseren Beratungsangeboten“, so Carsten Wille.

Auf die innovativen Geschäftsmodelle, die dabei mitunter entstehen, sind die Gründungsakteure an der Leuphana besonders stolz. Auf die Ausgründung Lemonaid zum Beispiel: Sie hat es mit ihrer Kombination aus Limonadenherstellung, fairem Handel und Spenden für Sozialprojekte im letzten Jahr auf das Siegertreppchen des Deutschen Gründerpreises geschafft.

Stärkere Verankerung mit der Region

Zukünftig möchte die Leuphana mehr noch als bisher gemeinsame Projekte mit regionalen Akteuren auf die Beine stellen. Eine enge Zusammenarbeit gibt es bereits mit der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg und dem Stadt-Marketing in Lüneburg. Deren Vertreter werden in Zukunft verstärkt in Hochschulveranstaltungen eingebunden.

Aber auch in umgekehrter Richtung hat die Hochschule keine Berührungsängste. In diesem Jahr werden Start-ups zum Beispiel auf dem Lüneburger Wochenmarkt eine Ausstellung zeigen und Elevator Pitches in der Fußgängerzone organisieren. PD Dr. Mark Euler: „Insgesamt geht das gesamte Profil der Leuphana sehr stark in Richtung einer transdisziplinären Universität. Wir möchten noch viel mehr auf die breite Bevölkerung zugehen, sie in unsere Projekte einbinden und ihnen zeigen, was wir unter Entrepreneurship verstehen. Unser Ziel ist es, nicht nur Wissenschaft für die Gesellschaft, sondern gemeinsam mit ihr zu betreiben und damit nicht zuletzt zum Strukturwandel in der Region beizutragen.“