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Kooperation mit regionalen Unternehmen

Universität Paderborn

Auf über 170 Ausgründungen hat es die Universität Paderborn in den letzten 20 Jahren gebracht. Allein 45 in den vergangenen drei Jahren. Damit spielt sie im akademischen Gründungsgeschehen innerhalb Nordrhein-Westfalens in der oberen Liga. Ein Grund dafür ist die enge Kooperation mit den regionalen Gründungsakteuren. Auch in ihrem jüngsten Projekt „garage33“ nutzt die Hochschule die Stärken der Region und bringt erfolgreiche mittelständische Unternehmer mit gründungsinteressierten Studierenden zusammen.

Das „Q-Gebäude“ und Hauptgebäude der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der Universität Paderborn Das „Q-Gebäude“ und Hauptgebäude der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der Universität Paderborn
© Universität Paderborn

Rund 180 Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen engagieren sich in dem Technologie-Netzwerk „it’s OWL“ für Unternehmensgründungen in Ostwestfalen-Lippe (OWL). Ausgezeichnet als Spitzencluster durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung wurden in den vergangenen drei Jahren in der Region in 47 Forschungsprojekten Intelligente Technische Systeme entwickelt. Um den dadurch in Gang gesetzten Entwicklungsschub und die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Unternehmen auch über das Ende der Förderperiode hinaus zu unterstützen, wurden von Juli 2014 bis Juni 2017 so genannte Nachhaltigkeitsmaßnahmen umgesetzt. Mit dabei: das Technologietransfer- & Existenzgründungs-Center der Universität Paderborn (kurz: TecUP). Innerhalb des Technologie-Netzwerks „it’s OWL“ hatte TecUP die Aufgabe, innovative Geschäftsideen aus den Spitzenclusterprojekten zu identifizieren und durch individuelle Unterstützungsangebote in Gründungen zu überführen. „Wir haben die Zielmarke erreicht und in den letzten drei Jahren die Ausarbeitung von 50 Gründungskonzepten in OWL unterstützt, aus denen dann 30 Unternehmen entstanden sind“, Dr. Chengguang Li, von der Universität Paderborn und dort Hauptverantwortlicher für das Projekt „it’s OWL-Unternehmensgründungen“.

Regionale Stärken nutzen

Dabei war die Mitwirkung in der Nachhaltigkeitsmaßnahme „Unternehmensgründungen“ nur eines von vielen Projekten, in denen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von TecUP mit ihrem Know-how in Sachen Entrepreneurship engagieren. „Unsere Hauptaufgabe besteht in der Sensibilisierung, Qualifizierung und Betreuung von Hochschulangehörigen an der Universität Paderborn. Wir haben an der Hochschule ein sehr großes unternehmerisches Potenzial insbesondere für Geschäftsideen im B2B-Bereich, die auf Ingenieurswissenschaften und IT aufbauen. Wichtige Impulse kommen dabei auch von den vielen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die hier in der Region in den Themen „Intelligente Technische Systeme“ sowie „Industrie 4.0“ besonders stark sind“, sagt Prof. Dr. Rüdiger Kabst, Vizepräsident für Technologietransfer und Marketing der Universität Paderborn und Leiter des TecUP.

Vor allem die enge und langjährige Kooperation mit regionalen Akteuren sieht Prof. Kabst dabei als besonderen Pluspunkt. So unterstützen beispielsweise Paderborner Kreditinstitute den akademischen Gründergeist mit einem Ideenwettbewerb („Call für Ideas“) oder auch mit Veranstaltungen zur Entwicklung von Geschäftsmodellen („Nacht der Gründer“ oder „Startup Weekend“). Gemeinsam mit dem regionalen Mittelstand setzt sich TecUP dafür ein, Absolventen und Wissenschaftler in Ostwestfalen-Lippe zu halten. „Wir zeigen unseren Studierenden, dass eine Unternehmensgründung oft eine echte Alternative zur traditionellen Karriere im Angestelltenverhältnis sein kann und unterstützen sie gleichzeitig bei den ersten, arbeitsreichen Schritten. Dass Berlin, München, Hamburg oder das Silicon Valley nicht unbedingt ‚the places to be‘ sind, zeigen unsere erfolgreichen Start-ups. Sie haben bewiesen, dass man auch in Paderborn international erfolgreich sein kann“, ist Dr. Sebastian Vogt, Geschäftsführer des TecUP, überzeugt.

Freiraum für Gründer und Unternehmer in der Region OWL: garage33 Freiraum für Gründer und Unternehmer in der Region OWL: garage33
© Universität Paderborn

Auf in die garage33

Auch wenn TecUP eine offizielle Einrichtung der Universität Paderborn ist, hat sie ihren Sitz im rund anderthalb Kilometer entfernten Paderborner Technologiepark. In den 13 Gebäuden haben über 100 technologieorientierte Unternehmen ihren Sitz. Insgesamt 55 Prozent davon sind Ausgründungen aus der Universität Paderborn. Seit Mai 2017 findet die Betreuung in der „garage33“ im Technologiepark 8 statt. Auf 550 Quadratmetern befinden sich 12 Büros („garagen“) für Start-ups sowie ein großer Co-Working Space für bis zu 40 Gründerinnen und Gründer. Auch der neu eingerichtete Technologiefonds OWL wird in der garage33 seine zentrale Anlaufstelle einrichten. Mit dem Risikokapitalfonds von insgesamt 13,2 Millionen Euro möchten die Geldgeber – Kreditinstitute und Unternehmen – jungen Start-ups aus Ostwestfalen-Lippe auf die Sprünge helfen.

Das Besondere der „garage33” ist: Gründerinnen und Gründer arbeiten hier gemeinsam mit Vertretern von Unternehmen an innovativen Geschäftsmodellen. „Das ist absolutes Neuland für die Universität und die gesamte Region OWL. Mit der ‘garage33’ bringen wir gezielt gründungsinteressierte Hochschulangehörige und gestandene Unternehmen zusammen, damit sie gemeinsam an neuen Ideen arbeiten können. Die Vorteile liegen auf der Hand: Auf der einen Seite können Unternehmen von den ‘jungen Wilden’, also den Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Start-ups, lernen und deren Querdenkermentalität nutzen. Auf der anderen Seite erhalten Gründer und Start-ups Zugang zu etablierten Unternehmen in der Region, so dass beispielsweise der Marktzugang für die eigene Idee schneller und zielgerichteter erfolgen kann. Viele wissen nicht, dass hier in der Region Ostwestfalen-Lippe eine ganze Reihe von mittelständischen Weltmarktführern, sogenannte ‘hidden champions’, ansässig sind”, so Prof. Kabst.

Gründungsinteressierte Studierende haben darüber hinaus die Möglichkeit, in so genannten Disrupt Workshops ein Wochenende lang gemeinsam mit Unternehmensvertretern und Experten innovative und disruptive Ideen zu entwickeln.

Drei Workshops zu den Branchen Energie, Medien und Sicherheitssysteme fanden bereits in der „garage33“ statt. Jeder Workshop widmete sich jeweils einem Unternehmen bzw. einer Branche. Zu den Teilnehmern gehörten bis zu zehn Vertreter eines Unternehmens, zehn Studierende aus unterschiedlichen Fachbereichen und eine Reihe von Gründungsexperten. Diskutiert wurde über Möglichkeiten der Optimier ung sowie Neuentwicklung von Produkten und ganz neuen Geschäftsfeldern. Daraus sind Ideen entstanden, die auch über den Workshop hinaus – teils unternehmensintern, teils in neuen Ausgründungen – umgesetzt und weiterentwickelt werden. Der Workshop scheint in der Wirtschaft gut anzukommen, denn, so Dr. Sebastian Vogt: „Inzwischen melden sich fast täglich Unternehmen bei uns, um mit Hilfe unserer Formate disruptive Geschäftsmodelle zu erarbeiten und Innovationssprünge zu erreichen.“ Die Termine für die nächsten Workshops sind jedenfalls bereits ausgebucht.

Die „Arena“: Die Eventfläche der garage33 bietet Platz für Vorträge, Präsentationen und Austausch. Die „Arena“: Die Eventfläche der garage33 bietet Platz für Vorträge, Präsentationen und Austausch.
© Universität Paderborn

Qualitätslabel sichert Kontakt zu Alumni-Unternehmen

Dass die Unternehmen das Angebot so gut annehmen, führt Prof. Kabst neben den vorzeigbaren Erfolgen, auch auf die guten Kontakte der Hochschule zur mittelständischen Wirtschaft zurück. Vor allem das Qualitätslabel „Unternehmensgründung aus der Universität Paderborn“, das die Hochschule seit 2008 verleiht, trägt dazu bei, dass sie in Verbindung mit ihren Alumni bleibt. Von denen gehören mittlerweile viele zu den erfolgreichen Mittelständlern in der Region. Allein 45 Unternehmen wurden seit 2008 ausgezeichnet. Voraussetzung ist, dass das Kerngeschäft der Unternehmen im technologie- und wissensintensiven Bereich liegen muss. Und: Die Gründerinnen und Gründer müssen an der Universität Paderborn studiert, promoviert und/oder gelehrt haben.

Offen für alle: SIGMA

Den Kontakt „nach draußen“ halten die Gründungsakteure an der Universität Paderborn auch durch die Veranstaltungsreihe SIGMA. Einmal pro Woche während des Wintersemesters findet die Vorlesung statt. Als Referenten stehen Unternehmer, Banker, Berater oder auch Anwälte zur Verfügung, die über alle Aspekte ihres Fachgebiets hinsichtlich einer Unternehmensgründung informieren. Das Besondere ist: Die Veranstaltung richtet sich nicht nur an Studierende aller Fachrichtungen, die für ihre Teilnahme Credit-Punkte erhalten, sondern auch an Gründungsinteressierte außerhalb der Universität.

Dass an der Universität Paderborn der Gründergeist inzwischen seinen festen Platz hat, davon ist Prof. Kabst überzeugt: „Man hört und spricht von uns, und das ist schön.“ Insgesamt würden – unterstützt durch die unterschiedlichen Lehrveranstaltungen – jährlich circa 200 Geschäftspläne von rund 600 Studierenden verfasst. Die besten 5 bis 10 Prozent erhalten daraufhin eine Einladung durch TecUP, um vertiefende Gespräche zu führen. Etwa die Hälfte davon arbeitet nach Abschluss der Lehrveranstaltungen weiter an ihren Geschäftsideen und nimmt eine Betreuung durch TecUP in Anspruch. „Auch wenn eine ‚Karriere‘ als Unternehmerin oder Unternehmer nicht für alle geeignet ist – das ist klar, so sehen wir, dass in unseren Veranstaltungen etwa zehn Prozent der Studierenden ‚Feuer fangen‘. Das ist genau das, was wir wollen“, so Prof. Kabst.

Stand: Juni 2017