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Business Angels = Smart Money

Business Angels sind erfahrene Manager oder Unternehmer, die ihr privates Kapital, ihr Know-how und ihr Kontaktnetzwerk in junge Unternehmen einbringen. Für viele innovative Start-ups sind Business Angels oftmals die einzigen Kapitalgeber, die sich bereits in der frühen Phase an der Unternehmensgründung beteiligen.

Investments von Business Angels gehören in den USA und in Europa zu den wichtigsten Finanzierungsquellen in der Frühphase junger Unternehmen.

In Deutschland gibt es nach Schätzungen des Business Angels Netzwerks Deutschland (BAND) in Zusammenarbeit mit den regionalen BA-Netzwerken rund 5.000 Business Angels. Die zum Teil noch aktiven oder aber ehemaligen Unternehmerinnen und Unternehmer, Vorstandsmitglieder, Geschäftsführer oder Bereichsleiter kommen aus ganz unterschiedlichen Branchen, ob Chemie, Pharma, Anlagen- und Maschinenbau oder Informations- und Kommunikationstechnologien.

Kapital, Know-how und Kontakte

Was sie für Gründerinnen und Gründer so interessant macht, ist die Kombination aus Kapital, Know-how und Kontakten – „smart money“. Und genau das brauchen junge Unternehmen in der Frühphase, wenn es darum geht, das Produkt auf dem Markt einzuführen und Vertriebspartner zu finden, eine Marketingstrategie zu entwickeln, Kooperationspartner ins Boot zu holen und Kunden zu akquirieren. Im Durchschnitt beteiligt sich ein Business Angel mit etwa 25.000 bis 100.000 Euro. Wobei durchaus auch größere Summen realisierbar sind, wenn mehrere Business Angels miteinander kooperieren. Nach etwa vier bis sechs Jahren endet das Investment. Die prozentuale Beteiligung wird „versilbert“, indem der Investor seine Anteile mit einem stattlichen Gewinn verkauft. Vorausgesetzt, das Unternehmen hat sich erfolgreich entwickelt und ist im Wert gestiegen.

Dass Business Angels wachstumsorientierten Start-ups in der frühen Phase des Markteintritts mit Rat, Tat und Kapital zur Seite stehen, wissen Hochschul-Gründungsnetzwerken zu schätzen. Dabei sei ihre Beteiligung oftmals nur ein Baustein in einem Finanzierungsmix. Das heißt, die Teams erhalten zunächst öffentliche Fördermittel wie beispielsweise EXIST-Gründerstipendium, daran schließt sich die Finanzierung durch einen Business Angel an, und danach engagiert sich ein Venture-Capital-Geber.

Pluspunkt für Start-ups: gute Vorbereitung

Darauf kommt es an:

  • Ein skalierbares Geschäftsmodell mit einem erkennbarem internationalen Vermarktungspotenzial.
  • Gründerinnen und Gründer, die das Alleinstellungsmerkmal ihrer Geschäftsidee gegenüber Investoren deutlich machen können.
  • Ein überzeugendes Gründungsteam mit fachlicher und kommunikativer Kompetenz.
  • Eine klare Vorstellung davon, wie die Produktidee realisiert werden soll.
  • Hohes persönliches Engagement der einzelnen Teammitglieder.
  • Der Aufbau des Unternehmens muss für das Team im Mittelpunkt stehen.

Quelle: Prof. Kai Desinger, Business Angel aus Berlin; Andreas Lukic, Vorstandsvorsitzender der Business Angels FrankfurtRheinMain e.V.

Dabei halten Business Angels wenig von Gründerinnen und Gründern, die drohen, die Bodenhaftung zu verlieren. Eine Erfahrung, die viele Business Angels immer wieder machen, wenn sie mit Gründern sprechen, ist ein gewisser Grad der Selbstüberschätzung. Wer nach jahrelanger Forschungsarbeit diffizile technische Lösungen entwickelt hat, ist nicht selten der Meinung, dass er die Vermarktung „mit links“ erledigen kann. Ein Trugschluss, so Desinger: „Es gibt immer wieder Leute, die meinen, sie könnten alles. Sie haben zwar keine Erfahrung, wollen aber zum Beispiel unbedingt auch das Marketing machen. Da ist es wichtig, dass das Team sich seiner Stärken und Schwächen bewusst ist und diese Lücken schnell schließt, indem es sich kompetente Verstärkung sucht. Als Business Angel muss ich das frühzeitig mit dem Team diskutieren, um zu sehen, ob die Gründer tatsächlich bereit sind, gewisse Aufgaben von anderen erledigen zu lassen.“

Hilfestellung durch Gründungsnetzwerke

Um nicht schon bei der ersten Kontaktaufnahme alle Chancen zu verspielen, bereiten Gründungsnetzwerke, wie die UnternehmerTUM, ihre Gründungsteams intensiv vor. Welche Teams brauchen überhaupt privates Geld, um zu wachsen? Wie viel Kapital wird benötigt? Wer ist dafür der richtige Finanzierungspartner? Und was ist überhaupt ein Business Angel? Wie tickt er? Dieses Grundverständnis einer Business-Angel-Finanzierung will Gunda Opitz bei ihren Gründerinnen und Gründern wecken: „Warum investiert jemand sein privates Geld in ein Unternehmen? Weil er eine Rendite haben will, auch wenn das bei einem Business Angel nicht unbedingt an erster Stelle steht. Trotzdem gibt es klare Erwartungen an die Entwicklung des Unternehmens. Das muss man als Team verstehen. Man muss auch wissen, dass es unterschiedliche Business Angels gibt: Die einen sind eher finanzorientiert, andere steigen richtig ins Team ein und wollen unternehmerisch mitwirken. Wie weit gehen da die Mitspracherechte? Das heißt, die Gründer müssen sich darüber im Klaren sein, welche Art von Partner sie suchen.“

Ein entscheidender Punkt ist darüber hinaus die Feststellung des Unternehmenswertes. Wie viel Prozent des Unternehmenswertes entspricht die Summe, mit der sich der Business Angel beteiligt? Hier müssen externe Sachverständige wie Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte oder Steuerberater hinzugezogen werden. Genauso wie bei der Ausgestaltung des Beteiligungsvertrags. Wann wird zum Beispiel die erste Tranche der vereinbarten Beteiligungssumme ausgezahlt? Sobald das Patent angemeldet ist? Wann wird die zweite Tranche überwiesen? Wenn der erste Auftrag vorliegt?

Für diese und weitere Fragen sensibilisieren Gründungsnetzwerke und Hochschulen ihre Start-ups. Und trotzdem, bei aller guten Vorbereitung kann es dauern, bis man den Business Angel gefunden hat, der auch tatsächlich „ja“ sagt. „Oft kommen Gründerinnen und Gründer mit der Einstellung zu uns: Ich bin gut. Und darum wird uns kein Geldgeber widerstehen können. Denen müssen wir erst einmal vermitteln, dass sie keinen Anspruch auf ein Investment haben. Vielleicht müssen sie auch erst einmal nach Frankfurt, Berlin und München fahren, bis sie dann schließlich in Karlsruhe den Business Angel finden, der zu ihnen passt und bereit ist, sich zu engagieren. Man muss einfach wissen, dass es sechs bis zwölf Monate dauern kann, bis man den Richtigen gefunden hat und alles unter ‚Dach und Fach‘ ist. Erst recht, wenn noch weitere Investoren wie die KfW oder der High-Tech Gründerfonds hinzukommen“, so die Erfahrung von Andreas Lukic, Vorstandsvorsitzender der Business Angels FrankfurtRheinMain e.V.

Business-Angel-Netzwerke kontaktieren

Erst mit allem notwendigen Wissen zur Business-Angel-Finanzierung im Gepäck sollte die Suche nach einem Investor beginnen. Die meisten Gründernetzwerke an den Hochschulen können hier Kontakte vermitteln. Alternativ oder ergänzend dazu können sich Gründungsteams aber auch direkt an eines der vielen Business-Angel-Netzwerke wenden. Im Dachverband, dem Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND), sind allein 40 solcher Netzwerke organisiert, die zum Teil bundesweit, zum Teil regional arbeiten. Gründer und junge Unternehmer sollten sich daher nicht nur an eines, sondern gleich an mehrere Netzwerke wenden.

Je nach Geschäftsmodell und Finanzierungsbedarf kommen auch Netzwerke im Ausland in Frage, rät Andreas Lukic „Mit Business Angels aus Frankreich gibt es inzwischen viele Partnerschaften. Großbritannien, speziell London, ist für Start-ups mit hohem Kapitalbedarf interessant. In der Schweiz gibt es ebenfalls Netzwerke, die auch in Deutschland tätig sind. Es kommt letztlich auf die Schwerpunkte an, die das Start-up hat: Steht das finanzielle Investment im Vordergrund, kommen ausgewählte Business Angels aus Deutschland, Großbritannien oder auch Skandinavien in Frage. Geht es eher darum, die Tür zu neuen Märkten zu öffnen wie beispielsweise nach Osteuropa oder Südosteuropa, können Business Angels aus Polen beziehungsweise aus der Türkei geeignet sein.“ Kontakt finden Interessenten über die Webseiten der europäischen und jeweiligen in nationalen Verbände.

Bewirbt sich ein Gründungsteam bei einem Netzwerk in Deutschland, muss es zunächst ein so genanntes Screening durchlaufen. Dabei wird die Geschäftsidee von den Netzwerkbetreibern genau durchleuchtet. Ist das Ergebnis des Screenings erfolgreich, organisieren die Netzwerkbetreiber ein so genanntes Matching. Dabei präsentieren die Gründerinnen und Gründer ihr Vorhaben gegenüber ausgewählten Business Angels und stehen diesen Rede und Antwort.

Im Gegenzug ist es anschließend für das Gründungsteam mindestens genauso wichtig, mehr über potenzielle Investoren zu erfahren. Sind sie zum Beispiel in der Lage, bei Bedarf Geld nachzuschießen, um außerplanmäßige finanzielle Engpässe zu überbrücken? Haben sie bereits Erfahrungen mit Beteiligungen an jungen Unternehmen gesammelt? Sprechen sie eine gemeinsame Sprache? Letztlich gilt, auch wenn sich das Team noch so überzeugend präsentiert und der Business Angel noch so finanzstark und kompetent ist: die Chemie zwischen den Beteiligten muss stimmen. Darüber sind sich Business Angel und Gründungsberater gleichermaßen einig.

Auf die „Chemie“ kommt es an

Wie wichtig dieser Satz ist, zeigt sich vor allem in der späteren Zusammenarbeit zwischen Business Angel und Start-up. Dann zum Beispiel, wenn die gegenseitigen Erwartungen kollidieren, so Gunda Opitz: „Der typische Business Angel hat zum Beispiel Kontakt zu potenziellen Kunden. Die wird er dem Start-up aber erst zur Verfügung stellen, wenn er das Produkt für präsentabel hält oder das Team die Einbindung in bestehende Produktionsprozesse richtig beurteilen kann. Wenn hier die Meinungen auseinandergehen, hilft nur das persönliche Gespräch. Das lässt sich nicht vorab vertraglich regeln. Und ob das Gespräch zufriedenstellend verläuft, hängt ganz entscheidend davon ab, ob Business Angel und Start-up auf einer Wellenlinie sind.“

Auch Andreas Lukic beobachtet immer wieder Reibungspunkte, die sich im Verlauf der Zusammenarbeit ergeben. „Gerade im Hochschulbereich haben wir es in der Regel mit jungen Leuten zu tun, die theoretisch auch auf den Arbeitsmarkt gehen könnten. Da ist die Frage: Wie ernst ist es ihnen mit ihrer Zukunft als Unternehmer? Für einen Business Angel ist es nicht einfach festzustellen, ob die Gründer das nur als ein ‚Gastspiel‘ sehen und nach einem Jahr, wenn das Geld aufgebraucht ist, sagen: ‚Das war‘s dann eben.‘ Oder ob das echte Unternehmerpersönlichkeiten mit Biss sind, die den Gürtel auch ein bisschen enger schnallen können, wenn es darauf ankommt.“ Und genau das sind die erfolgreichen Unternehmer, die sich mehrere Jahre Zeit nehmen und auch ein paar Krisen durchstehen können.

Gekürzte Fassung des Beitrags aus EXIST-news - 02/2013 (PDF, 1 MB)

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