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EXIST Start-up Germany

Gründungsbegeisterte Israelis einladen und mit der Start-up-Region Berlin vernetzen: Das ist kurz gesagt die Idee des zweijährigen Modellprojekts "EXIST Start-up Germany", das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Juni 2015 auf den Weg gebracht wurde.

Blick auf die Skyline von Tel Aviv. Blick auf die Skyline von Tel Aviv.
© Getty Images

Nur wenige wissen, dass Israel weltweit die höchste Dichte an technologie- und wissensorientierten Start-ups hat. Dabei gilt vor allem Tel Aviv nach dem kalifornischen Silicon Valley international als das zweitbeste Ökosystem für Tech-Start-ups. Nichtsdestotrotz gibt es auch Herausforderungen, so Agnes von Matuschka, Leiterin des Centre for Entrepreneurship CfE an der Technischen Universität Berlin: "Der israelische Markt ist klein. Das Land hat eine vergleichsweise geringe Bevölkerungszahl und damit keinen großen Einstiegsmarkt. Das sind Gründe, warum viele Israelis schon in der frühen Gründungsphase ihr Land in Richtung Silicon Valley und New York verlassen." Dabei haben nur wenige von ihnen im Blick, dass es auch im viel näher gelegenen Europa interessante Standorte für Start-ups gibt.

Warum Berlin?

Dass junge Israelis ausgerechnet in die deutsche Hauptstadtregion eingeladen werden, liegt nahe. Berlin und Potsdam haben sich in den letzten Jahren zu einer der europaweit bedeutsamsten Regionen für Start-ups entwickelt.  Gründerinnen, Gründer, Unternehmen und Investoren aus der ganzen Welt zieht es an Spree und Havel. Cirka 30.000 Israelis leben gegenwärtig in Berlin. Zu dieser Entwicklung haben nicht zuletzt die Technische Universität Berlin, die Humboldt Universität Berlin, die Freie Universität, die Universität der Künste sowie die Universität Potsdam mit ihrer Gründungsunterstützung, ihren Inkubatoren und Mentoren-Netzwerken beigetragen.

Ansicht von Berlin mit Fernsehturm und Nikolaiviertel Berlin-Mitte mit Fernsehturm, Rotem Rathaus und Nikolaikirche.
© Getty Images

EXIST Start-up Germany wird daher vom Centre for Entrepreneurship der Technischen Universität Berlin unter Einbeziehung aller Universitäten in Berlin und Potsdam koordiniert. Das Land Berlin ist mit Berlin Partner unterstützend tätig. Zu den Partnern in Israel gehören BETATEC - Berlin Tel Aviv Technology and Entrepreneurship Committee, ein Fachausschuss der israelisch-deutschen Industrie- und Handelskammer und StarTAU, ein studenteninitiiertes Entrepreneurship Center der Universität Tel Aviv.

EXIST Start-up Germany ist übrigens keine Einbahnstraße. Das heißt, nicht nur gründungsinteressierte Israelis, sondern auch die Berliner Gründungsakteure profitieren von dem Programm. Agnes von Matuschka:"Junge Israelis sind meist sehr gut ausgebildet. Außerdem sind sie sehr gut vernetzt - eine Folge des mehrjährigen Militärdienstes für Männer und Frauen. Diese Netzwerke sind in der Regel sehr groß und international weit verzweigt. Hinzu kommt die hohe Affinität zum Gründen, dieser besondere Spirit, direkt 'hands-on' mit der Umsetzung einer Idee zu beginnen. Ich glaube, dass dieser Mix insgesamt ein großer Gewinn für das Berliner Start-up-Ökosystem ist."

Mitarbeiter eines Startups in einem Co-Working-Space © Getty Images

So funktioniert EXIST Start-up Germany

Erste Informationen erhalten gründungsinteressierte Israelis von BETATEC oder StarTAU. Gemeinsam mit den Berliner und Potsdamer Hochschulen führen sie eine Road Show an Hochschulen und  Forschungseinrichtungen in ganz Israel durch, um über das Programm zu informieren.

Bewerben können sich israelische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Hochschulabsolventen oder auch Studierende mit herausragenden, skalierbaren Geschäftsideen. Eine Bewerbung ist sowohl für Teams als auch für Einzelpersonen möglich. Voraussetzung ist: Sie dürfen noch nicht gegründet haben und sollten erkennbar daran interessiert sein, ein Start-up in Berlin oder Potsdam zu gründen.

1. Online-Bewerbung

Interessenten, die sich bewerben möchten, nutzen dazu zunächst die Bewerbungsplattform im Internet. In einem Online-Formular beschreiben sie ihre Geschäftsidee, das Team, ihre Motive, in Berlin bzw. Deutschland zu gründen und - falls vorhanden - ihren Prototypen.

2. Vorauswahl durch Interviews

Im zweiten Schritt werden telefonische Interviews mit den Bewerberinnen und Bewerbern durchgeführt. Auf der Grundlage werden bis zu 30 Personen pro Bewerbungszyklus ausgewählt und zur Start-up-Tour nach Berlin eingeladen.

3. Start-up-Tour in Berlin

Im Rahmen eines dreitägigen Besuchsprogramms lernen die Bewerber die Berliner und Potsdamer Gründungsszene kennen. "Dabei werden sie den einen oder anderen universitären Inkubator und Co-Working-Place besuchen und an Events teilnehmen. Darüber hinaus nehmen die zukünftigen Gründerinnen und Gründer an einem Intensiv-Coaching teil, um sich auf den bevorstehenden Auswahlpitch vorzubereiten", so Lisa Breford Projektmanagerin von EXIST-Startup Germany am CFE der TU Berlin.

Mann und Frau stehen vor einem Whiteboard und betrachten eine Mindmap © Getty Images

4. Matching mit der passenden Hochschule

Welche Hochschule und welcher Mentor passt zur Geschäftsidee der jeweiligen Bewerber? Diese Frage wird im Anschluss eines Pitch beantwortet, bei dem die jungen Israelis sich und ihre Ideen vor den Vertretern der Berliner und Potsdamer Hochschul-Gründungsservices präsentieren. Der Bewerberin bzw. dem Bewerber wird anschließend ein geeigneter Mentor des Gründungsnetzwerks der Hochschule zur Verfügung gestellt.

5. Matching mit deutschen Gründerinnen und Gründern

Bei Bedarf können die israelischen Gründerinnen und Gründer deutsche Teammitglieder an Bord nehmen. Die Gründungsnetzwerke der Hochschulen helfen bei der Suche und stellen den Kontakt her.

6. EXIST-Antrag

Stehen die betreuende Hochschule und die Zusammensetzung des Gründungsteams fest, kann der Antrag für EXIST-Gründerstipendium oder EXIST-Forschungstransfer gestellt werden. Dabei werden die Gründungsteams von dem EXIST-Gründungsnetzwerk der Hochschule betreut, an der der Mentor seinen Sitz hat. Die Betreuung umfasst auch ein Coaching, um die Teams vor allem bei der Antragstellung zu unterstützen, da oftmals wenig Deutschkenntnisse vorhanden sind. Darüber hinaus erhalten die israelischen Antragsteller während der Antragsvorbereitungen eine Reisekostenpauschale, so dass sie für die Antragsvorbereitung nach Deutschland fahren können.

7. Gründungsbetreuung während EXIST-Förderphase

Wird der Antrag bewilligt, erhalten die Gründerinnen und Gründer dieselbe Betreuung wie jedes anderes EXIST-Team. EXIST Start-up Germany geht damit nahtlos über in eine Förderung durch EXIST-Gründerstipendium oder EXIST-Forschungstransfer. "Die Gründerinnen und Gründer werden von den universitären Gründungsservices bestmöglich vorbereitet , so dass sie nach Ablauf der EXIST-Förderung eine sogenannte Investmentreadiness erreicht haben. Das heißt, der Businessplan und das Businessmodel sind soweit ausgearbeitet, dass die Teams auf potenzielle Kapitalgeber zugehen können", so Lisa Breford.

Einen Rückblick auf den Projektstart Ende Juni 2015 finden Sie hier.

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