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"Deutschland muss sich nicht verstecken"

Datum
18.10.2017

Das EXIST geförderte Unternehmen Silexica hat geschafft, wovon andere junge Unternehmen noch träumen: Als erste ausländische Firma wurde das deutsche Startup 2016 in das prestigeträchtige Förderprogramm der Stanford University aufgenommen.

Gegründet 2014 an der Uni Aachen, beschäftigt Silexica heute 50 Mitarbeiter aus sieben Ländern und hat weitere Büros in den USA sowie in Asien. Das Unternehmen stellt Software-Werkzeuge her, mit denen sich sogenannte Multicore-Systeme besser programmieren lassen. Die kommen zum Einsatz, wenn man sehr viel Rechenleistung auf kleinem Raum braucht, zum Beispiel um selbstfahrende Autos zu steuern.

Maximilian Odendahl, einer der Gründer, hat im Silicon Valley erlebt, mit welch großen Visionen die Startups dort antreten. Er sieht aber auch in Deutschland viel Potenzial. Der 34-Jährige lobt die extrem gute Forschung und hervorragende Ingenieure: "Da brauchen wir uns vor niemandem in der Welt zu verstecken. Aber das umzusetzen in Unternehmertum, in neue Startups - da fehlt uns noch was."

Wir haben in Deutschland eine substanzielle Gründerszene",  sagt auch Studienautor Tobias Kollmann, Professor für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen. Und doch gebe es noch große Unterschiede zum Silicon Valley. Dort herrsche eine "Kultur des bedingungslosen Eroberns" mit der Bereitschaft, maximales Risiko einzugehen: "In Deutschland denken wir nicht groß genug, sondern sind froh, wenn wir eine kritische Masse erreichen und die Amerikaner uns aufkaufen."

Eines unterscheidet Deutschland nach wie vor massiv von den USA: Dort steht sehr viel mehr Kapital für Startup-Gründungen zur Verfügung. Investoren sind bereit, große Risiken einzugehen, in der Hoffnung, den ganz großen Wurf zu landen. Odendahl fehlt das bei möglichen Geldgebern in Deutschland: "Die wollen häufig machen, was schon da ist. So finde ich natürlich nicht das nächste große Ding."

Allerdings hält er den Vergleich mit dem Silicon Valley nicht immer für fair. Dort gebe es eine jahrzehntelange Tradition von erfolgreichen Gründern, die bereit seien, ihre Gewinne in die nächsten Generationen von Startups zu investieren. Davon profitiert auch Silexica. Vor gut einem Jahr sammelte das Kölner Unternehmen bei Investoren im Silicon Valley insgesamt acht Millionen Dollar Risikokapital ein.