EXIST-Dialog

„Praxisprojekte für eine erfolgreiche Selbständigkeit“

Karin Fürst

Karin Fürst

Karin Fürst arbeitet seit 1998 als Tutorin und Coach bei Small Business & Retail Management an der Saxion Hogescholen in den Niederlanden. Der Studiengang ist für Existenzgründerinnen, -gründer und Unternehmer und schließt mit dem Bachelor of Commerce ab. Er bietet eine professionelle Vorbereitung auf eine unternehmerischen Selbständigkeit.

Wie steht es um die Gründungsaktivitäten Ihrer Hochschule?

Karin Fürst: Anliegen des niederländischen Staates ist es, das Gründungsklima zu fördern. Dabei sollen die Hochschulen und Forschungseinrichtungen politisch selbständig ihre Einrichtungen führen. Saxion setzt diese Forderung seit einiger Zeit praktisch um. Einer der Schwerpunkte ist die Begabtenförderung, die auch einen besonderen Fokus auf das Themenfeld Unternehmen legt. Von 20.000 Studierenden sind 450 als Gründer bei der Handelskammer eingetragen. Bis 2012 wollen wir diese Zahl auf 1.000 erhöhen. Saxion unterstützt zudem die startenden und jungen Unternehmerinnen und Unternehmer mit dem Programm SKIO: Saxion Kenntniszentrum Innovation und Unternehmen. Neben Lektoraten und angewandter Forschung bietet SKIO Awarenessprogramme an: Botschafter stehen bei jedem Lehrgang zur Verfügung. Zudem bieten wir unter anderem Inkubatorprogramme, einen Young-Business-Unternehmerverein sowie ein Darlehen an.

Welche Ansätze verfolgen Sie bei der Gründerausbildung?

Karin Fürst: Der Studiengang Small Business & Retail Management ist in den Niederlanden der wichtigste Bachelor für eine professionelle Vorbereitung einer unternehmerischen Selbständigkeit. Mit dem vierjährigen Wirtschaftsstudium werden Studenten gezielt zu Unternehmerinnen und Unternehmern bzw. Managern ausgebildet. Neben betriebswirtschaftlichen Lehrinhalten werden die Studentinnen und Studenten in den praktischen Wirtschaftsprozessen mit echten Projekten oder Aufgaben von Betrieben konfrontiert, die es zu lösen gilt. Ganz klar liegt der Fokus dabei auf dem Erlangen von unternehmerischen Kompetenzen. Small Business ist dabei sehr praxisorientiert. Die Projektphase beispielsweise dauert rund zwei Jahre. In dieser Zeit haben die Studenten die Möglichkeit, ein Netzwerk aufzubauen, das bei der Existenzgründung von entscheidender Bedeutung sein kann.

Was kann Deutschland von den Niederlanden lernen?

Karin Fürst: Jeder Studiengang - Master und Bachelor - in Europa hat einen Major- und einen Minorteil. Der Minorteil kann genutzt werden, um Studentinnen und Studenten zu begleiten, ihren Unternehmungsplan zu optimieren und die ersten Schritte mitzuverfolgen. Hierzu steht ungefähr ein halbes Jahr zur Verfügung. Auch ist es effizient, die Lehrgänge fragegesteuert, also auf die persönlichen Bedürfnisse und die Kompetenzentwicklung des Studenten, auszurichten. Dadurch werden Intra- und Entrepreneure in ihrem Potenzial schon frühzeitig stimuliert, selbständig ihren eigenen Weg zu gehen.

Kontakt:

Karin Fürst
Saxion Hogescholen
M.H. Tromplaan 28
NL-7513 AB Enschede
furst@saxion.nl
www.saxion.nl (www)