Intensive Netzwerkarbeit

"Intensive Netzwerkarbeit und eine großzügige Förderung ermöglichen uns, eine nachhaltige Gründungskultur in unserer Region zu schaffen."

Prof. Jan Axelsson

Prof. Jan Axelsson

Interview mit Jan Axelsson, außerordentlicher Professor an der Universität Linköping in Schweden und verantwortlich für die Umsetzung des “Key Actors Programmes”, das Entrepreneurship an Hochschulen unterstützt. Die Universität Linköping setzt sich seit vielen Jahren für Entrepreneurship-Education ein und betreibt den nachhaltigen Aufbau einer Gründungskultur.

Professor Axelsson, auf was kommt es Ihrer Ansicht nach bei der Etablierung einer Gründungskultur besonders an?

Prof. Axelsson: Um eine nachhaltige Kultur für unternehmerisches Denken und Handeln zu etablieren, ist eine langfristige und stabile Kooperation aller relevanten Akteure in der Region wichtig. Eine solche Kooperation haben wir hier in der Region Östergötland seit zehn Jahren. Damals gründete die Universität “Growlink”, ein Netzwerk, das zur Entwicklung und zum Wachstum wissensintensiver Unternehmen beiträgt. Daran beteiligt sind unsere regionalen Unternehmen, die regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die Kreisverwaltung, die Wissenschaftsparks, Venture-Capital-Gesellschaften und natürlich die Linköping Universität, die das Netzwerk koordiniert. Die Universität hat intensive Kontakte zu Unternehmen. Das ist entscheidend, um die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen unseren Wissenschaftlern und den Unternehmen im Netzwerk anzustoßen.

Was ist das Ziel von „Growlink“?

Prof. Axelsson:Growlink” soll dazu beitragen, ein gründungsfreundliches und dynamisches Klima in der Region zu schaffen, damit regionales Wachstum, Allgemeinwohl und Wohlstand davon profitieren können. Alle Netzwerkpartner leisten daher einen Beitrag, um wissensintensive Unternehmen durch Beratung und Finanzierung zu unterstützen. Wir ziehen da an einem Strang. Das bedeutet, jeder Forscher, Gründer oder junge Unternehmer, der eine Idee hat, erhält Zugang zu unserem Netzwerk, ganz gleich, mit wem er sprechen möchte. Darüber hinaus bietet das Netzwerk umfangreiche und vielfältige Aktivitäten an, um eine Gründungskultur damit auch eine positive Einstellung zum Unternehmertum insgesamt zu fördern.

Wie werden gemeinsame Aktivitäten innerhalb des Netzwerks geplant?

Prof. Axelsson: Um unser Ziel zu erreichen, schauen wir uns zunächst einige ausgewählte Indikatoren an, die für das wirtschaftliche Wachstum relevant sind und ein Bild unserer Region zeichnen. Voraussetzung dafür ist, dass alle Netzwerkpartner mit denselben Indikatoren arbeiten und Wachstum in derselben Art und Weise messen. Das hört sich einfach an, ist es aber nicht: Wenn ich 15 Jahre zurückblicke, haben damals alle wichtigen Akteure unterschiedliche Maßstäbe angesetzt. Es war sehr schwierig, eine gemeinsame Datenbasis zu erstellen. Heute wird Wachstum von allen Partnern mit denselben fünf Kriterien gemessen: Das erste Kriterium bezieht sich auf die Einstellung zu Entrepreneurship und Start-ups. Dazu lassen wir Umfragen durchführen. Das Zweite hält fest, wie viele Geschäftsideen uns erreichen, also mit wie vielen Gründern, Unternehmern und Erfindern wir gesprochen haben. Drittens erfassen wir, wie viele Ideen tatsächlich qualifiziert sind, um finanziert zu werden. Dann ermitteln wir die Anzahl der Unternehmen, die letztlich gegründet wurden. Und schließlich schauen wir, wie sich diese Unternehmen entwickeln, ob sie wachsen oder nicht. Wir achten dabei auf bestimmte Indikatoren wie Rendite, Anzahl der Mitarbeiter, usw.

Sie sehen, wir versuchen es möglichst einfach zu gestalten, obwohl es sich um eine ziemlich komplexe Sache handelt. Aber wenn alle Partner in der Region die Daten für wirtschaftliches Wachstum auf dieselbe Weise erheben und analysieren sollen, braucht man ein relativ einfaches Verfahren. Mit Hilfe der erfassten Daten können wir Trends identifizieren und Prioritäten bei unserer Arbeit setzen. Wir entscheiden dann zum Beispiel, ob wir mehr Arbeit investieren sollten, um die Einstellung gegenüber Unternehmertum zu verbessern, oder ob es sinnvoller ist, mehr Energie in die Identifizierung von Geschäftsideen zu stecken.

Abgesehen von dem Netzwerk gibt es auf dem Campus auch so genannte Venture Zones.

Prof. Axelsson: Ja, die wurden vor drei Jahren geschaffen, um vor allem unsere Doktoranden und Absolventen zu unterstützen und um einen Beitrag zu unserer Gründungskultur hier auf dem Campus zu leisten. Es gibt mittlerweile drei Venture Zones auf unserem Campus, an die sie sich wenden können, um ihre Ideen zu realisieren.

Die Universität Linköping wird außerdem von der schwedischen Regierung unterstützt.

Prof. Axelsson: Wir profitieren von zwei großen Programmen: Das eine nennt sich „The Key Actors Programme“ oder - auf schwedisch - „Nyckelaktörer”, das vom Schwedischen Forschungsrat durchgeführt wird. Es stellt uns Mittel zur Verfügung, damit wir hinsichtlich Innovation, kommerzieller Verwertung und Entrepreneurship noch professioneller werden können. Es ist ein sehr gutes Programm mit einer Laufzeit von acht Jahren und einer sehr großzügigen finanziellen Ausstattung.

Außerdem hat unsere Regierung in ihrem Rahmenplan für Forschung und Innovation die „Büros für Innovationen in Schweden” ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Innovationskapazitäten an fünf oder sechs Standorten in Schweden zu konzentrieren. Es gibt nur wenige Hochschulen, die diese Förderung erhalten und Linköping ist eine davon, so dass dieses Jahr eines dieser Büros hier auf dem Campus eröffnet werden konnte.

Alles in allem ermöglicht uns die intensive Netzwerkarbeit und eine großzügige Förderung, eine nachhaltige Gründungskultur hier in unserer Region zu schaffen.

Kontakt:

Jan Axelsson
MSc, PhD, Associate Professor
Key Actors Program Director

Linköping University
SE-581 83
Linköping, Sweden
Tel.: 0046 (0) 1328-2556
E-Mail: jan.axelsson@liu.se