EXIST-Dialog

„Unternehmensbeteiligungen bieten allen Beteiligten eine Reihe von Vorteilen“

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Martin Mahn

Interview mit Martin Mahn, Geschäftsführer der Humboldt-Innovation. Die Humboldt-Innovation GmbH (HI) ist die Wissens- und Technologietransfergesellschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Zu ihren Aufgaben gehören die Betreuung forschungsbasierter Ausgründungen sowie die Vermarktung universitärer Produkte und Leistungen. Außerdem bietet sie wissenschaftliche Dienstleistungen an und wickelt Auftragsforschung ab.

Herr Mahn, welchen Stellenwert haben Beteiligungen an Ausgründungen an der Humboldt-Universität bzw. der Humboldt-Innovation?

Mahn: Einen zunehmend hohen Stellenwert, auch wenn die Zahl der Unternehmen, an denen sich die Humboldt-Innovation bislang beteiligt hat, noch überschaubar ist. Seit 2005 haben wir insgesamt 25 Ausgründungen betreut, fünf davon sind ein Beteiligungsverhältnis mit uns, als hundertprozentiger Tochtergesellschaft der Humboldt-Universität, HU, eingegangen.

Wie werden Beteiligungen von Ihnen eingefädelt? Und wie sehen die Beteiligung aus?

Mahn: Bei den Gründungsvorhaben, die das Team aus HU und HI betreut, achten wir sehr genau auf die Qualität der Businesspläne, die Wachstumschancen oder auch auf die Kompetenz der Gründerinnen und Gründer. Mit denjenigen, die uns besonders erfolgversprechend erscheinen, sprechen wir dann über die Möglichkeit einer Beteiligung. Die Ausgründungen, an denen wir uns in einem Umfang von drei bis 25 Prozent beteiligen, erhalten im Gegenzug – neben der anteiligen finanziellen Gesellschaftereinlage – Verwertungsrechte am Intellectual Property wie zum Beispiel Patenten bzw. zeitlich limitierte Nutzungsrechte an Einrichtungen der Universität. Darüber hinaus bringen wir über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren Beratungs- und Coachingleistungen ein, die über das übliche Maß der Betreuung hinaus gehen.

Vertragspartner bei allen Beteiligungen ist immer die Humboldt-Innovation. Über Beteiligungen bis zu 25 Prozent sowie die Verwendung von möglichen Erlösen aus den bestehenden Unternehmensbeteiligungen entscheiden die Gesellschaftsorgane der Humboldt-Innovation GmbH in denen die HU vertreten ist.

Welche Vorteile ergeben sich aus solchen Beteiligungen für die Humboldt-Innovation und die Humboldt-Universität?

Mahn: Unternehmensbeteiligungen bieten sowohl uns als Transfergesellschaft als auch der Hochschule eine Reihe von Vorteilen: Zum einen stehen sowohl wir als Transfergesellschaft als auch die Hochschule vor der Herausforderung, trotz geringer Budgets Ausgründungen bestmöglich zu unterstützen. Durch die Rückflüsse aus den Unternehmensbeteiligungen haben wir zukünftig die Möglichkeit, dieses Budget aufzustocken. Zum anderen bietet uns eine Beteiligung die Chance, langfristig auf die Unternehmen Einfluss zu nehmen. Das ist wichtig, um zu deren Erfolg und dauerhaften Bestand beizutragen. Die Hochschulen haben schließlich ein immer größeres Interesse daran, dass sich ihre Ausgründungen erfolgreich am Markt etablieren. Allein durch Förderprogramme wie EXIST oder Businessplanwettbewerbe stehen Unternehmensgründungen mehr denn je im Rampenlicht und tragen zum Image einer Hochschule bei. Hinzu kommt, dass es sich meist um forschungsbasierte Unternehmen handelt, die durch den engen Erfahrungsaustausch, den ein gute Beteiligungsverhältnis mit sich bringt, nicht nur praxisorientiertes Know-how in ihre ehemaligen universitären Arbeitsgruppen hineintragen, sondern auch Aufträge aus der Industrie vermitteln können. Die Hochschule erhält damit vermehrt Zugang zu Kontakten im wirtschaftlichen Umfeld.

Auf welche Weise profitieren Gründerinnen und Gründer von derartigen Beteiligungen?

Mahn: Für die Unternehmen bieten sich mindestens ebenso viele Vorteile: Der Erfahrungsaustausch kommt auch ihnen zu Gute. Wir hören immer wieder von den jungen Unternehmern, dass ihnen die intensive Beratung und Coachingleistung beim Aufbau ihres Unternehmens sehr geholfen hat. Eines der Unternehmen hat mittlerweile sogar schon rund 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Darüber hinaus brauchen die Unternehmen keine Beratungs- und Coachingleistungen einzukaufen, da sie diese im Rahmen der Beteiligung erhalten, ohne dass dafür Kosten entstehen. Und schließlich motivieren Unternehmensbeteiligungen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Transferstelle, sich nachhaltig und längerfristig um die Unternehmen zu kümmern. Denn den Erlös aus der Beteiligung erhalten wir erst, wenn das Unternehmen auch tatsächlich schwarze Zahlen schreibt. Das kann nach fünf Jahren sein, das kann aber auch erst nach zehn Jahren sein. Wir gehen also praktisch in Vorleistung und entlasten die Unternehmen dadurch in der Anlaufphase.

Kontakt:

Martin Mahn
Humboldt Innovation GmbH
Ziegelstraße 13c
10117 Berlin
Tel.: 030 2093-1452
mm@humboldt-innovation.de
www.humboldt-innovation.de (www)