EXIST-Dialog

“Studierende dafür zu begeistern, Unternehmer zu werden. Das ist die wichtigste Aufgabe unserer Alumni.“

Dr. William Bygrave

Dr. William Bygrave

Dr. William Bygrave ist Professor Emeritus. In seiner aktiven Zeit hat er sich insbesondere mit der Finanzierung von Start-ups und wachstumsorientierten Unternehmen beschäftigt. Zusammen mit Michael Hay von der London Business School hat er 1997 den Global Entrepreneurship Monitor (GEM) ins Leben gerufen, der die unternehmerische Wettbewerbsfähigkeit in einzelnen Ländern untersucht.

Dr. Bygrave, die Zusammenarbeit mit unternehmerisch erfahrenen Alumni scheint am Babson College gute Tradition zu haben. Ist das richtig?

Dr. Bygrave: Ja, unsere Alumni haben zum Beispiel bereits vor 30 Jahren den Best-Business-Award ausgelobt. Er zeichnet die besten Unternehmen aus, die von Studierenden² gegründet wurden. Mit der Auszeichnung ist ein hohes Image verbunden, denn einige unserer erfolgreichsten selbständigen Alumni haben den Preis selbst während ihrer Studienzeit gewonnen. Er ist bei den Studierenden daher sehr begehrt. Von daher: Ja, es gibt bei uns hier am Babson College eine sehr lange Tradition darin, Alumni einzubeziehen, um Studierende und Absolventen zu unternehmerischem Denken und Handeln zu ermutigen Wir haben heute etwa 400 aktive Alumni im Durchschnittsalter von 37 Jahren, die zu einem informellen Netzwerk gehören und die wir ab und zu bitten, uns auf die oder andere Weise zu unterstützen.

²Der englische Begriff „Undergraduate“ wurde mit „Studierende“, „Graduate mit „Absolventen“ übersetzt.

Wie sieht diese Unterstützung aus?

Dr. Bygrave: Am wichtigsten ist, dass sie unseren jungen gründungsinteressierten Studierenden als Mentoren zu Verfügung stehen. Es kommt aber auch vor, dass sie andere Alumni auf dem Weg in die Selbständigkeit unterstützen. Meist sind sie darüber hinaus zusammen mit anderen Unternehmern oder Investoren im Beirat junger Unternehmen und stehen den Gründern dort beratend zur Seite. Aus dieser Mentoren- oder Beirat-Tätigkeit kann sich auch eine Kapitalbeteiligung ergeben, um die Start-ups in der Frühphase möglichst schnell und einfach unter die Arme zu greifen.

Sie setzen Alummi auch als Vorbilder ein. Wozu?

Dr. Bygrave: Wir können im Lehrbetrieb zwar das notwendige unternehmerische Handwerk vermitteln, zum Beispiel wie man Kapital akquiriert, unternehmerische Gelegenheiten identifiziert oder einen Businessplan schreibt. Aber nach meiner Erfahrung ist eines der wichtigsten Dinge, Studierende dafür zu begeistern, Unternehmer zu werden. Und das tun wir hier am Babson College. Wir arbeiten dazu mit Alumni zusammen, die als Vorbilder geeignet sind und in Seminare kommen, Vorlesungen halten usw. Wir schreiben außerdem Fallbeispiele, die die Alumni-Unternehmen in der Gründungs- oder Wachstumsphase oder deren Finanzierungsituation beschreiben. Und wenn wir mit den Studierenden über diese Fallbeispiele sprechen, laden wir die Alumni dazu ein. Ich glaube, es ist diese Begeisterung, die sowohl unsere Alumni also auch andere Unternehmer zeigen, wenn sie davon erzählen, wie sie ihre Geschäftsidee entwickelt und ihr Unternehmen aufgebaut haben. Und das veranlasst Studierende letztlich dann auch zu sagen „Das hört sich gut an. Das ist etwas, was ich auch machten könnte“. Ich denke, diese Vorbildfunktion, ist die wichtigste Aufgabe unserer Alumni.

Das Babson College bietet einen Preis für erfolgreiche unternehmerisch selbständige Alumni an.

Dr. Bygrave: Ja, in den letzten drei Jahren haben wir einen jährlichen Preis ausgelobt, mit dem wir im Rahmen eines Empfangs und Festessens unsere erfolgreichsten Unternehmer Alumni feiern. Die drei erfolgreichsten Unternehmerinnen und Unternehmer werden in unserer Babson Alumni Entrepreneur Hall of Fame aufgenommen.

Abgesehen von der Hall of Fame für Unternehmer gibt es auf dem Babson Campus eine Reihe von Gebäuden, die den Namen berühmter Unternehmer tragen.

Dr. Bygrave: Unser Entrepreneurship Centre trägt zum Beispiel den Namen Arthur M. Blank Centre for Entrepreneurship. Arthur Blank ist einer unserer bekanntesten Alumni – und einer der wohlhabendsten. Er war der Mit-Gründer von Home-Depot, der zweitgrößte Baumarktkette in den USA. In dem Gebäude gibt es außerdem die Hamilton-Halle, die nach einem anderen bekannten Alumni benannt wurde. Das sind nur einige Beispiele von vielen. Alle diese Alumni sind sehr großzügige Stifter. Dabei werden die Spenden nicht nur zur Finanzierung von Gebäuden eingesetzt, sondern auch für Forschungsprogramme und Lehrstühle. Von daher ist die Stifterfunktion sehr wichtig für uns und wir investieren ziemlich viel Zeit in die Kontaktpflege. Insbesondere diejenigen Alumni, deren Unternehmen sich erfolgreich entwickelt haben, sind eine wichtige Zielgruppe. Wir möchten sie auf diese Weise motivieren, sich als Stifter für das College zu engagieren.

Man hat den Eindruck, dass es für Babson-Alumni fast selbstverständlich ist, sich für ihre Hochschule zu engagieren.

Dr. Bygrave: Ich will Ihnen dazu ein Beispiel geben: Wir führen unter anderem einen Businessplan-Wettbewerb durch, einen für Studierende, einen anderen für Absolventen. Die Jury des Wettbewerbs besteht nahezu ausschließlich aus unseren Alumni, so dass wir uns fast vollständig auf deren Urteil verlassen. Auch die Vorauswahl für den Wettbewerb wird von unseren Alumni durchgeführt. Das war vor zehn Jahren noch nicht der Fall. Wir hatten damals noch nicht so viele Alumni, die erfolgreich genug waren, um diese prestigeträchtige Aufgabe zu übernehmen. Aber jetzt haben wir so viele Alumni, deren Unternehmen sich wirklich gut entwickelt haben und die außerdem bereit sind, als Juroren für diesen Wettbewerb zur Verfügung zu stehen. So wie für sie, ist es tatsächlich für viele Alumni selbstverständlich auf unterschiedliche Art und Weise in die Entrepreneurship-Aktivitäten hier am Babson College eingebunden zu sein.

Kontakt

Dr. William D. Bygrave
Professor Emeritus
Babson College
Academic Division Entrepreneurship
231 Forest Street
Wellesley Massachusetts, USA
bygrave@babson.edu
www.babson.edu (www)