
„Genau das Richtige für uns“
Interview mit Ingo Karb und Volker Witzel
Kurzinfo:
Compositence GmbH
Dipl.-Ing. Ingo Karb,
Dipl.-Ing. Rainer Kehrle,
Dipl.-Ing. VolkerWitzel,
Prof. Dr.-Ing. Klaus Drechsler
Gründung: 2008
EXIST-Forschungstransfer Förderphase I
www.compositence.com
EXIST-news: Herr Karb, bevor wir über Ihr neues Verfahren sprechen, verraten Sie uns doch bitte, was Faserverbundwerkstoffe sind.
Karb: Bei Faserverbundwerkstoffen handelt es sich um eine Kombination aus Verstärkungsfasern aus beispielsweise Glas oder Kohlenstoff und einem einbettenden Material wie Epoxydharz. In den herkömmlichen Verfahren wird aus der Faser ein Gewebe oder Gelege erstellt und wie ein ‚normaler‘ Stoff auf Rollen gewickelt. Das Gewebe muss zugeschnitten, auf die Bauteilform gelegt, umgeformt und in Kunststoff getränkt werden. Dabei kann die Reihenfolge variieren, jedoch geschieht das Auflegen und Umformen der Zuschnitte meist in Handarbeit. Auf diese Weise entstehen Bauteile, die wesentlich leichter als solche aus Metall und viel fester als reine Kunststoffteile sind. Faserverbundwerkstoffe werden beispielsweise im Automobil- und Flugzeugbau eingesetzt, also überall dort, wo es auf leichtes, aber zugleich hoch belastbares Material ankommt.
EXIST-news: Um solche Faserverbundwerkstoffe herzustellen, haben Sie nun ein neues Verfahren entwickelt.
Witzel: Richtig, unser dreidimensionales Formgebungsverfahren sieht vor, dass wir direkt aus der Faser, also von der Spuleweg, Bauteile formen und alle manuellen Schritte wie Zuschneiden, Legen, Formen und Injizieren mit Kunststoff durch automatische Arbeitsgänge ersetzen. Dadurch lassen sich nicht nur Fertigungskosten und -dauer reduzieren: es entsteht auch weniger Verschnitt. Und Halbzeuge, die bisher gelagert werden mussten, sind nicht mehr erforderlich. Darüber hinaus erwarten wir von diesem Verfahren eine sehr hohe Reproduzierbarkeit und Qualität.
EXIST-news: Sie bekommen seit August 2008 EXIST-Forschungstransfer. Wozu benötigen Sie diese Unterstützung?
Karb: Um unsere Anlagentechnik bis zur Marktreife zu entwickeln, sind noch mehrere Jahre notwendig. Wir müssen Bauteil-Prototypen erstellen, um zu zeigen, dass unsere Idee auch wirklich funktioniert. Dazu müssen wir eine Pilot-Anlage bauen, testen, verbessern und wieder testen – so lange, bis wir und unsere potenziellen Kunden sagen können: ‚Das ist es!‘ Bevor wir schwarze Zahlen schreiben, heißt es also erst einmal, viel Zeit und Geld zu investieren. EXIST-Forschungstransfer ist hierbei genau das Richtige, da wir sowohl finanzielle Hilfe als auch Beratung erhalten.
EXIST-news: Sie sagen, EXIST-Forschungstransfer unterstützt Sie dabei nicht nur finanziell, sondern auch mit Knowhow?
Witzel: Wir stehen regelmäßig im Dialog mit den Mitarbeitern des Projektträgers Jülich, dem PtJ. Zum Gründungs-Dialog haben wir uns hier in Stuttgart getroffen und darüber hinaus tauschen wir uns auch telefonisch aus. Von daher werden wir wirklich sehr gut unterstützt. Unsere Ansprechpartner verfügen über langjährige Erfahrung in der Gründungsberatung, so dass wir eigentlich alle wichtigen Themen wie Businessplanerstellung, Patentierung oder auch allgemeine Fragen zum Unternehmensaufbau besprechen können. Vertiefen können wir diese und weitere Themen mit unserem Coach. Unsere Betreuer beim PtJ hatten uns frühzeitig darauf hingewiesen, dass wir den Austausch mit einem Außenstehenden benötigen, der unsere Idee kritisch hinterfragt. Man selbst ist ja gewissermaßen schon betriebsblind und ein Coach, der fachlich nicht mit der Materie vertraut ist, stellt noch einmal ganz andere Fragen. Die sind wichtig, um unsere Idee auch wirklich für den Markt weiterentwickeln zu können. Wir sprechen also beispielsweise über Strategien, wie unser Verfahren beschaffen sein muss und wie wir als Unternehmen aufgestellt sein müssen, um uns auf dem Markt erfolgreich zu positionieren. Es geht aber auch um ganz praktische Dinge wie Buchhaltung oder Controlling.
EXIST-news: Im September 2008 haben sie die Compositence GmbH gegründet.
Karb: Wir nehmen gerade unsere Geschäftstätigkeit auf. Dazu gehören zum Beispiel Gespräche mit potenziellen Kunden. Die meisten Kontakte kommen aus unserer Tätigkeit am Institut für Flugzeugbau und aus den Messeauftritten mit dem Carbon Composite e.V. Durch die vielen Kundengespräche konnten wir den Marktbedarf ermitteln. Im Wesentlichen werden wir aber in der nächsten Zeit noch damit beschäftigt sein, an unserem Fertigungsverfahren und an unserem Businessplan zu feilen.


Compositence GmbH