EXIST-Forschungstransfer

Gründungsbeispiel „Forschungstransfer“ für www.exist.de


Dr. Sebastian Knorr, Dr. Matthians Kunter

Quelle: imcube

„Durch EXIST-Forschungstransfer brauchen wir keinen Investor an unserem Unternehmen zu beteiligen.“

Interview mit Dr. Sebastian Knorr

Kurzinfo:

imcubeMedia GmbH
Dr.-Ing. Sebastian Knorr,
Dr.-Ing. Matthias Kunter,
Prof. Dr.-Ing. Thomas Sikora,
Prof. Dr.Walter Rust,
Dipl.-Ing. Dieter Knorr
EXIST-Forschungstransfer Förderphase I
www.imcube.de

EXIST-news: Herr Dr. Knorr, Sie haben eine Software für die Filmindustrie entwickelt.Was ist das Besondere daran?

Dr. Knorr: Wir entwickeln eine Software, die zweidimensionale Filme in dreidimensionale Filme umwandelt. Bisher gibt es diese Art der Konvertierung nur in den USA und selbst dort nur im beschränkten Umfang, weil das ganze Verfahren überwiegendmanuell abläuft und sehr zeit- und kostenaufwändig ist. Um beispielsweise nur eine Filmsekunde zu konvertieren, benötigt eine Person derzeit noch vier bis fünf Tage. Unsere Software schafft das dagegen jetzt schon in fünf bis fünfzehn Minuten. Allerdings gelingt das bisher nur für Filmsequenzen mit einer bestimmten Kameraeinstellung. Unser Ziel ist es daher, dass unsere Software auch Filmszenen konvertieren kann, die aus verschiedenen Kameraeinstellungen bestehen.

EXIST-news: Und gibt es für solche 3-D-Konvertierungen einen Markt?

Dr. Knorr: Und ob! Bei unseren Marktrecherchen haben wir beispielsweise untersucht, wie hoch der Umsatz von 3-D-Kinos ist und herausgefunden, dass diese im Vergleich zu „normalen“ 2-D-Kinos in der Regel zwei- bis dreimal so viel erwirtschaften. Nehmen Sie beispielsweise einen Film wie „Nightmare before Christmas“. Der wurde 1993 produziert und hat bis zum Jahr 2006 76 Mio. Dollar eingespielt. Danach wurde er in 3-D umgewandelt und hat allein von 2006 bis Mitte 2008 noch einmal 16Mio.Dollar eingespielt, obwohl es weltweit viel weniger 3-D-Kinos als 2-D-Kinos gibt. Aber die Zahl dieser Kinos nimmt zu. Wir haben uns auch angesehen, wie hoch die Produktionskosten und die Gewinne von international bekannten Filmen wie „StarWars“ oder „Herr der Ringe“ sind. Das sind Filme, die spielen etwa 700 Mio. Dollar allein an den Kinokassen ein. Bei dieser Größenordnung lohnt es sich, nachträglich in eine 3-D-Konvertierung von 10 oder 20 Mio. Dollar zu investieren.

EXIST-news: Wie ist diese Idee entstanden?

Dr. Knorr: Mein Kollege, Dr. Matthias Kunter, und ich haben an der Technischen Universität Berlin als wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Telekommunikationssysteme von Prof. Dr. Thomas Sikora gearbeitet. Ich habe mich damals in meiner Dissertation mit Computervision bzw. maschinellem Sehen beschäftigt. Dazu kann man u. a. die Konvertierung von 2-D- in 3-D-Filme zählen.

Dr. Kunter hat auf einem ähnlichen Gebiet geforscht. Eigentlich wollten wir nach unserer Promotion weiterhin wissenschaftlich arbeiten. Aber damals war in der Presse immer wieder zu lesen, dass sich der Markt für dreidimensionale Spielfilme in den USA rasant entwickelt. Insofern war es natürlich schon sehr verlockend, die Ergebnisse unserer Forschung weiterzuentwickeln und damit auf den Markt zu gehen. Schließlich gibt es bislang in Europa kein Unternehmen, das ein solches Konvertierungsverfahren anbietet. Prof. Sikora war ebenfalls von der Idee, ein Unternehmen zu gründen, begeistert und war gleich von Beginn an dabei. Später kam dann noch Prof. Dr. Walter Rust dazu.

EXIST-news: Sie haben dann gleich losgelegt. Welche besonderen Schwierigkeiten gab es in der Anfangsphase?

Dr. Knorr: Es ist für Außenstehende, wie uns, nicht so einfach, sich in die Mechanismen des Filmgeschäfts hineinzudenken. Um sich mit dem ganzen Arbeitsablauf einer Filmproduktion vertraut zumachen, braucht es viel Zeit.

Mittlerweile haben wir aber guten Kontakt zu Filmproduzenten, insbesondere Postproduktionsfirmen in den USA, und gewinnen so einen ganz guten Einblick in die Branche. Außerdem sind wir auch gerade dabei, hier in der Region Berlin-Brandenburg Produktionsunternehmen in unsere Entwicklungsarbeit einzubinden, um unsere Software so eng wie möglich an den Bedürfnissen der Nutzer auszurichten. Und da wir vorhaben, unsere Software später per Lizenz an Unternehmen zu vergeben, besteht natürlich ein großes Interesse daran, sich an der Entwicklung zu beteiligen.

EXIST-news: Es hat sich dann auch schnell gezeigt, dass der Aufwand für die Entwicklung Ihrer Software sehr hoch ist, so dass Sie der Gründungsservice der TU für EXIST-Forschungstransfer vorgeschlagen hat.

Dr. Knorr: Ja, und das hat dann auch auf Anhieb geklappt. EXIST-Forschungstransfer bietet uns eine ganze Reihe von Vorteilen. Zunächst einmal können wir unsere weiteren Entwicklungsarbeiten einschließlich der dafür notwendigen Mitarbeiter darüber finanzieren. Das bedeutet, wir haben einen wissenschaftlichen Mitarbeiter und zwei Werkstudenten eingestellt. Demnächst kommt noch ein Betriebswirt dazu. Außerdem stehen uns 50.000 Euro für Sachkosten zur Verfügung, und wir haben ein Labor und können die Infrastruktur hier an der Uni nutzen. Einweiterer Vorteil ist, dass wir keinen Investor an unserem Unternehmen zu beteiligen brauchen. Wir bleiben also „Herr im eigenen Haus“ und können selbständig entscheiden.

EXIST-news: Inwiefern haben Ihnen die Beratungsangebote geholfen?

Dr. Knorr: Wir haben zum Beispiel gelernt, uns bei der Ausarbeitung unserer Geschäftsidee nicht zu verzetteln und zu viele verschiedene Angebote für unterschiedliche Zielgruppen zu entwerfen. Außerdem konnten wir spezielle Beratungsangebote zu Computer Design Management und Software Projekt Management nutzen, die bei einer derart komplexen Software, wie wir sie entwickeln, sehr wichtig sind. Ich denke, dass wir durch das Beratungs- und Coachingangebot, über EXIST-Forschungstransfer und auch über den Gründerwettbewerb Multimedia, insgesamt eine sehr gute Grundlage an unternehmerischem Handwerkszeug erhalten haben. Allerdings muss ich hinzufügen, dass ich aus einer Unternehmerfamilie komme und früher im Unternehmen meines Vaters gejobbt habe. Insofern ist mir der Umgang mit Finanzplänen oder Bilanzen nicht ganz fremd. Mein Vater steht uns übrigens auch als Berater zur Seite.