
Niko Bärsch, Dr. Stephan Barcikowski
Foto: Particular GmbH
„Man sollte auch wissen, was die Gründungsinitiativen in der Region branchenübergreifend für Gründer anbieten.“
Interview mit Niko Bärsch
Kurzinfo:
Particular GmbH
Niko Bärsch, Dr. Stephan Barcikowski
EXIST-Forschungstransfer
Gründung: 2009
http://particular.eu/
Immer kleiner, immer wirkungsvoller – darum geht es in der Nanotechnologie. Gerade mal ein millionstel Millimeter beträgt ein Nanometer. Besonders groß dagegen ist der Anwendungsbereich: Nanopartikel sind in der Umwelttechnik genauso gefragt wie in der Automobil- oder Gesundheitsbranche. Niko Bärsch und Dr. Stephan Barcikowski vom Laser Zentrum Hannover haben nun ein Verfahren entwickelt, das die Produktion von Nanopartikeln verbessert. Mit Hilfe von EXIST-Forschungstransfer konnten sie daraus ein Geschäftskonzept entwickeln.
Herr Bärsch, die griechische Vorsilbe „nano“ steht zwar für „zwergenhaft“, in der Forschung spielt die Nanotechnologie aber dagegen eine beachtliche Rolle. Sie gilt als eine der Spitzentechnologien schlechthin. Was ist das Besondere daran?
Bärsch: Nanopartikel sind sehr kleine Atom- oder Molekülverbünde, die auch durch Vulkanausbrüche oder Industrieabgase entstehen. Synthetisch hergestellte Nanopartikel kann man dagegen gezielt einsetzen. Sie können beispielsweise chemische Reaktionen beschleunigen oder physikalisch wirken, indem sie Hafteigenschaften verändern. Letzteres gilt nicht nur für den Lotus-Effekt, also zum Beispiel nanopartikuläre selbstreinigende Wandfarben, sondern auch etwa in der Medizintechnik bei der Beschichtung von Implantaten. In der Biotechnologie wiederum werden Nanopartikel an Biomoleküle gebunden und als Nanomarker eingesetzt, um das Verhalten von Zellen zu beobachten.
Sie und Ihr Kollege, Dr. Stephan Barcikowski, haben in den letzten Jahren ein neues Verfahren zur Produktion von Nanopartikeln entwickelt. Welche Vorteile bietet dieses Verfahren?
Bärsch: Wir haben im Rahmen unserer Forschungen am Laser Zentrum Hannover den Laserabtrag in Flüssigkeiten zur Nanopartikelproduktion in Wasser oder Lösungsmitteln ausgereift. Die Vorteile liegen in der Materialvielfalt und den kurzen Entwicklungszeiten für neue Materialien sowie in der hohen Reinheit. Während chemische Nanopartikelsynthesen monatelang entwickelt und zur Kommerzialisierung stets erst hochskaliert werden, können wir innerhalb weniger Tage die ersten Liter eines neuen Materials liefern. Da wir ohne chemische Zwischenprodukte auskommen, sind die Flüssigkeiten mit unseren Nanopartikeln hochrein, was für Medizinprodukte entscheidend ist. Wir arbeiten dabei vor allem mit reinen Metallen wie Gold, Titan, Kupfer oder Legierungen, bei denen die chemische Synthese, sofern überhaupt möglich, aufwändiger und teurer wäre als unser Laserverfahren. Als Anwendung ergibt sich unter anderem eine dauerhafte Beschichtung von Metallimplantaten mit Nanopartikeln aus demselben Material.
Wie entstand die Idee, aus Ihren Forschungsergebnissen eine Geschäftsidee zu entwickeln?
Bärsch: Kurz nachdem wir im Jahr 2004 mit unseren Forschungsarbeiten begonnen hatten, kamen die ersten Interessenten aus der Industrie auf uns zu. Insofern lag es für uns nahe, darüber nachzudenken, unsere Forschungsarbeit kommerziell zu verwerten. Hinzu kam, dass das Laser Zentrum Hannover in den letzten Jahren bereits eine Reihe von Wissenschaftlern bei der Gründung eines eigenen Unternehmens unterstützt hat.
Ihr Unternehmen hat dann Schritt für Schritt Gestalt angenommen?
Bärsch: Ja, zunächst einmal hatten wir im Jahr 2007 unser erstes Gründungskonzept zu Papier gebracht. Wir hatten damals Kontakt zu hannoverimpuls, der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft für die Region Hannover, aufgenommen. Deren Beratungsangebote und Unterstützung haben letztlich den Ausschlag dafür gegeben, dass wir gesagt haben: „Ja, wir versuchen es mit der Selbständigkeit.“ Ganz besonders hilfreich fand ich dabei das so genannte „Unternehmenslabor“. Das waren dreistündige abendliche Workshops, die über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten für Gründerinnen und Gründer aus allen Branchen angeboten wurden und einen Überblick über das notwendige unternehmerische Handwerkszeug vermittelt haben. Durch die Teilnahme an verschiedenen Businessplanwettbewerben haben unsere Idee und unser Konzept dann immer konkretere Formen angenommen.
Wie wichtig war EXIST-Forschungstransfer dabei?
Bärsch: Ende 2007 hatte ich auf der NanoSolutions-Messe in Frankfurt am Main das erste Mal von EXIST-Forschungstransfer gehört und gleich gedacht, dass die Förderung perfekt zu unserer Situation passen würde: Wir befanden uns in einer frühen Gründungsphase, in der noch Technologieentwicklungen notwendig waren, die nicht Bestandteil unserer Forschungsprojekte am LZH waren. Genau solche Unternehmensgründungen unterstützt EXIST-Forschungstransfer in der Förderphase eins, für die wir uns kurz darauf bewarben und den Zuschlag erhielten. Das Projekt „Particular“ gehörte damit zu den ersten Gründungsvorhaben, die ab Sommer 2008 durch dieses damals ganz neue BMWi-Förderprogramm unterstützt wurden.
Gab es Punkte in Ihrem Businessplan, die Ihnen besonders viele Kopfschmerzen bereitet haben?
Bärsch: Im Prinzip ist der gesamte Businessplan eine große Herausforderung, gerade wenn man aus der naturwissenschaftlichen Forschung kommt und mit betriebswirtschaftlichen Themen wenig vertraut ist. Die größten Hürden waren aber zweifellos die Finanzplanung, die Recherche geeigneter Finanzierungsmöglichkeiten und die Marketingplanung: Es war keine einfache Aufgabe festzustellen, wer überhaupt zu unseren potenziellen Kunden gehört und wie der Bedarf aussieht. Insofern war es sehr hilfreich, dass uns über EXIST-Forschungstransfer ein Budget zu Verfügung stand, um einen Coach zu finanzieren, der sowohl in betriebswirtschaftlichen Fragen fit war als auch umfangreiche Branchenkenntnisse besaß. Er hat uns auf die Defizite unserer Planung aufmerksam gemacht und dabei geholfen, die notwendigen Informationen zu finden.
Darüber hinaus haben wir Veranstaltungen zu Finanzierungsfragen und anderen Gründungsthemen besucht, die auch der Projektträger Jülich im Rahmen von EXIST-Forschungstransfer angeboten hat. An der Stelle muss ich auch einmal ein dickes Lob an den Projektträger aussprechen, denn die Mitarbeiter verstehen sich nicht nur als Verwalter von Fördermitteln, sondern unterstützen die Gründerinnen und Gründer und ihre Ideen mit viel Engagement. Das ganze Förderprogramm ist so unkompliziert, dass man sich voll und ganz auf seine Forschung und Entwicklung sowie die Vorbereitung der Unternehmensgründung konzentrieren kann.
Alles in allem beschäftigen wir uns sehr intensiv mit der Vorbereitung unseres Gründungsvorhabens, auch wenn wir immer wieder das Gefühl haben, dass es an Zeit mangelt. Schließlich müssen wir ja parallel dazu neue Verfahren zur Marktreife entwickeln. Trotzdem sehen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Nicht zuletzt durch die Teilnahme am Businessplan-Wettbewerb Medizinwirtschaft der Startbahn MedEcon Ruhr, bei dem wir 2009 den ersten Platz belegt haben. Zur Zeit beteiligen wir uns außerdem am Science4Life Venture Cup, der vom Land Hessen und sanofiaventis ausgerichtet wird.
Was würden Sie vor dem Hintergrund Ihrer bisherigen Erfahrungen anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen?
Bärsch: Was Information und Beratung betrifft: über den Tellerrand schauen. Hochschulen bieten mittlerweile eine Reihe spezieller Angebote für wissenschaftsorientierte Gründerinnen und Gründer an. Man sollte aber auch wissen, was die Gründerinitiativen in der Region branchenübergreifend für alle Gründer anbieten. Für uns waren zum Beispiel die Angebote von hannoverimpuls sehr hilfreich.
Noch befinden Sie sich in Förderphase I. Wie sehen die nächsten Schritte aus?
Bärsch: Im ersten Halbjahr 2010 werden wir mit unserer Particular GmbH den Geschäftsbetrieb aufnehmen. Bis Juni 2010 werden wir aber noch am Laser Zentrum Hannover e.V. im Rahmen von Forschungstransfer-Phase I mit zwei Personalstellen sowie Sachmitteln für Verbrauchsmaterialien und Beratungsdienstleistungen gefördert . Dabei standen bisher Prozessentwicklungen und die Ausarbeitung des Geschäftsplans im Mittelpunkt. Ab Juli 2010 werden wir uns dann auf eines unserer Geschäftsfelder konzentrieren: die Beschichtung metallischer Implantate. Die notwendigen Entwicklungsarbeiten hierfür können wir über den Zuschuss in Höhe von 150.000 Euro finanzieren, den wir im Rahmen der Förderphase II erhalten.
Eine Voraussetzung für den Einstieg in die Förderphase II sind der Einsatz von Beteiligungskapital sowie eigener Mittel. Wie gelingt Ihnen die Finanzierung vor dem Hintergrund der Finanzkrise?
Bärsch: Mögliche Investoren von unserer Technologie zu überzeugen, war glücklicherweise nicht unser Hauptproblem. Dazu hat auch unser Geschäftsplan beigetragen, den wir mit Hilfe von EXIST-Forschungstransfer ausgearbeitet haben. Darüber hinaus war es aber natürlich auch nötig, auf das eigene Ersparte zurückzugreifen, um unser Unternehmen aus der Taufe zu heben.
Klar scheint es riskant zu sein, inmitten der Finanz- und Wirtschaftskrise ein Hightech-Unternehmen zu gründen. Für uns ist es aber auch eine Chance: Gerade in Zeiten wie diesen wird die Forschung in Zukunftsbranchen, zu denen die Nano- und Lasertechnologie ja gehören, weiterhin durch Programme wie EXIST-Forschungstransfer gefördert. Welche Auswirkung die Krise auf die Nachfrage in unserer Branche hat, ist für ein Start-up noch schwer zu beurteilen. Unser Eindruck ist aber, dass nanotechnologische Entwicklungen in vielen Industriebereichen ungebremst vorangetrieben worden sind.


Particular GmbH