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Die Gründungsportale


EXIST-Forschungstransfer

Gründungsbeispiel für www.exist.de

Drei Teammitglieder vor Maschine

v. l. n. r.: Hans-Jörg Lindner, Hannes Mahler, Olaf Marthiens
Bild: tecodrive GmbH

„Wenn man frühzeitig industrielle Partner mit einbezieht, ist das Gold wert.“

Interview mit Hans-Jörg Lindner

KURZINFO:

tecodrive GmbH
Hans-Jörg Lindner, Hannes Mahler, Olaf Marthiens
Gründung: 2011
Ende 2011: zweite Phase von EXIST-Forschungstransfer
Ausgründung der Leibniz Universität Hannover
www.tecodrive.com

Herr Lindner, Sie und Ihre Kollegen haben einen kontaktfreien Vorschub für Umformmaschinen entwickelt. Was ist darunter zu verstehen?

Lindner: Bei Umformmaschinen handelt es sich um Stanzen oder Pressen zur Herstellung von Metallteilen. Bislang gelangen diese Metallteile mit Hilfe von Zangen oder Walzen, so genannten Walzen- oder Zangenvorschüben, in die Umformmaschine. Unser Vorschub, dessen Entwicklung auf die Arbeit meiner Mit-Gründer Olaf Marthiens und Hannes Mahler am Institut für Umformtechnik und Umformmaschinen der Leibniz Universität Hannover zurückzuführen ist, arbeitet dagegen mit Elektromagneten. Das Metall bleibt frei von jeder Beschädigung und kann auch sehr viel schneller in die Presse geschoben werden als bei herkömmlichen Verfahren. Gleichzeitig spart der Betrieb Energie, weil unser Vorschub keine bewegten Teile hat: keinen Elektromotor, kein Getriebe, keine Walzen. Dadurch ist er auch sehr wartungsarm. Und was das Gerät besonders attraktiv macht: Es ist nicht teurer als bisherige Vorschübe.

Sie sind zu dritt. Wie haben Sie als Gründungsteam zusammengefunden?

Lindner: Die Kollegen Marthiens und Mahler kannten sich bereits von ihrer Zusammenarbeit an der Universität. Für das EXIST-Forschungstransfer-Projekt wurde dann ein Kaufmann gesucht und als Olaf Marthiens, mit dem ich schon länger privat bekannt war, mir von seinem Vorhaben und seinem Bedarf an kaufmännischem Wissen erzählte, musste ich einfach mitmachen. Die Beteiligung eines Kaufmanns im Team ist ohnehin sinnvoll, zumal der erste Förderantrag wegen kaufmännischer Mängel abgelehnt worden war.

Der elektromagnetische Vorschub wurde von Wissenschaftlern an der Hochschule entwickelt. Wie sah es da mit der Tauglichkeit für die industrielle Anwendung aus?

Lindner: Bei der Produktionstauglichkeit gab es tatsächlich eine ganze Reihe von Dingen zu beachten. Darum waren bei uns von Anfang an drei Industriepartner mit im Boot, die Olaf Marthiens von seiner Arbeit am Institut kannte und die uns immer wieder mit ihrer Erfahrung halfen. Unter wissenschaftlichen Kriterien spielen bei der Produktentwicklung im Labor zum Beispiel technische Zulassungen oder die Bedienung der Maschinen keine große Rolle. Deren Anforderungen müssen aber frühzeitig in die Entwicklung einfließen, sonst entsteht möglicherweise ein Produkt, das keine Zulassung bekommen kann oder das von den Mitarbeitern im Betrieb nicht bedient werden kann.

Wie werden Sie von der Hochschule und EXIST unterstützt?

Lindner: Wir nutzen zum Beispiel die Seminarangebote, personelle Unterstützung zum Beispiel bei der Formulierung von Förderanträgen, und Gründungsberatung von uni transfer für Wissenschaft und Wirtschaft, dem Gründungsnetzwerk der Leibniz Universität Hannover. Was uns außerdem wirklich weiterbringt, ist die Unterstützung durch unseren Professor Bernd-Arno Behrens und sein Team, die uns die Teilnahme an Kolloquien und Messen ermöglichen und Kontakte zu potenziellen Interessenten aus der Industrie vermitteln. Sehr hilfreich ist auch das Produktionstechnische Zentrum Hannover, in dem nicht nur mehrere Institute des Maschinenbaus ihren Sitz haben, sondern auch Ausgründungen aus der Universität, die die günstigen Flächen und Infrastrukturleistungen nutzen. In Kürze werden wir hier ebenfalls Räumlichkeiten beziehen. Die im Rahmen der Förderung durch EXIST-Forschungstransfer organisierten Treffen mit anderen Gründern haben für uns nicht so sehr viel gebracht, da viele der Gründer in ganz anderen Disziplinen als wir unterwegs sind. Sehr geholfen haben uns dagegen die Gespräche mit den Mitarbeitern des Projektträgers, weil sie über jede Menge Erfahrungen mit anderen Gründungsprojekten verfügen und dieses Know-how gut weitergeben können. Beispielsweise zu administrativen Hürden wie Anmeldungen, Rechtsformen, Finanzierung oder auch zum Umgang mit öffentlichen Stellen.

Apropos Finanzierung und Förderung: Haben Sie schon weitere Mittel beantragt?

Lindner: Nein. Wir bekommen EXIST-Forschungstransfer und verfügen über eigene Mittel. Bislang hatten wir keinen Bedarf an einer weiteren Finanzierung. Wir haben aber nun einen ersten Auftrag, so dass wir unser Produkt möglichst gut und schnell auf die Schiene bekommen möchten und dafür auch weiteres Kapital benötigen. Von daher sind wir im Gespräch mit dem High-Tech Gründerfonds und der NBank in Niedersachsen, außerdem mit Banken und Sparkassen. Wir werden allerdings versuchen, mit möglichst wenig Fremdkapital auszukommen.

Wenn Sie Ihren bisherigen Gründungsweg betrachten: Würden Sie sagen, dass alles glatt lief?

Lindner: Nein, auf keinen Fall. Natürlich gab es immer wieder Rückschläge, die zusätzliche zeitliche und finanzielle Aufwände verursacht haben. Man darf eben nicht „auf Kante“ planen. Wir haben daraus gelernt, dass man zwar, trotz aller notwendigen Planung, flexibel bleiben und die Planung den geänderten Gegebenheiten anpassen muss, wenn sie nicht funktioniert. Wir haben auch gemerkt, wie wichtig Kontakte sind: Wenn man frühzeitig industrielle Partner mit einbezieht, die einem dabei helfen, wissenschaftliche Ideen in industrielle Ergebnisse umzusetzen, ist das Gold wert. Es gibt sicher genügend Unternehmer, die bereit sind, solche Wege mitzugehen. Dabei steht weniger der finanzielle Profit, sondern eher der innovative Mehrwert im Vordergrund. Das heißt, Impulse zur Verbesserung der unternehmenseigenen Produktions- und Verfahrensabläufe zu bekommen.