EXIST-Gründerstipendium

Gründungsbeispiel

Dr. Heike Sielaff, Dan Kramer, Dr. Torsten Schwecke, Cyano Biotech GmbH

Dr. Heike Sielaff, Dan Kramer, Dr. Torsten Schwecke,
Cyano Biotech GmbH

„Ich war überzeugt davon, dass meine Idee funktionieren würde und dass ich über die notwendige Durchsetzungskraft und Ausdauer verfüge.“

Interview mit Dan Kramer, Cyano Biotech GmbH

KURZINFO

Cyano Biotech GmbH
Dan Kramer
Dr. Torsten Schwecke
Dr. Heike Sielaff
Gründungsjahr: 2004
Angestellte: 8
www.cyano-biotech.de

Mit welcher Geschäftsidee haben Sie und Ihre Mitstreiter sich selbständig gemacht?

Kramer:

Während meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt Universität Berlin hatte ich mich bereits mit so genannten Naturstoffen beschäftigt. Diese Naturstoffe werden von Bakterien produziert und in der pharmazeutischen Industrie zur Entwicklung von Medikamenten eingesetzt. Ich hatte mich damals mit Cyanobakterien beschäftigt, deren Naturstoffe bisher nur wenig Beachtung fanden, obwohl sie sich sehr gut für die Entwicklung neuer Wirkstoffen eignen. Und damit war die Geschäftsidee geboren: Die Nutzung cyanobakterieller Naturstoffe für die Wirkstoffentwicklung unter Einsatz neuartiger molekularbiologisch-gentechnischer Strategien.

Hätten Sie damals nicht einfach an der Hochschule weiter Karriere als Wissenschaftler machen können?

Kramer:

Nein. Auf Grund des Hochschulrahmengesetzes ist die Beschäftigungsdauer für wissenschaftliche Mitarbeiter beschränkt. Ich würde früher oder später vor der Wahl stehen, entweder ins Ausland oder in die Wirtschaft zu gehen. Schließlich habe ich mich für einen dritten Weg entschieden: die Selbständigkeit. Ich war überzeugt davon, dass meine Idee funktionieren würde und dass ich über die notwendige Durchsetzungskraft und Ausdauer verfüge.

Wie haben Sie Ihr SpinOff vorbereitet?

Kramer:

Zunächst einmal musste ich eine Machbarkeitsstudie, ein proof-of-concept, durchführen. Über private Beziehungen konnte ich Kontakt zu einem Unternehmen in Potsdam herstellen, das sich mit Medikamentenentwicklung und Naturstoffen beschäftigt und bereit war, die Anwendungs- und Marktfähigkeit „meiner“ Cyanobakterien zu testen.

Die Arbeit lief Hand in Hand. Das heißt, ich habe in den rund zwei Jahren an der Weiterentwicklung meiner Geschäftsidee gearbeitet, und das Unternehmen hat die Anwendung geprüft. In dieser Zeit musste ich dann auch meinen Businessplan vorbereiten. Problematisch war dann, dass meine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni nicht mehr finanziert werden konnte.

Und hier kommt nun EXIST-SEED ins Spiel?

Kramer:

Genau. Exist Seed unterstützt ja Gründer in der Frühphase, also vor dem eigentlichen Unternehmensstart. Von Exist Seed hatte ich damals aus dem Internet erfahren. Das Antragsverfahren war einfach. Die Beantragung ging darum schnell „über die Bühne“, so dass ich nach wenigen Wochen die Finanzierung für meine Halbtagsstelle und für Material über 10.000 Euro hatte. Rückblickend kann ich sagen, dass das Programm wirklich sehr hilfreich war. Immerhin musste ich mir ein Jahr lang keine Gedanken um mein Einkommen machen.

Nach cirka zwei Jahren lagen dann sowohl das Ergebnis der Machbarkeitsstudie vor als auch Ihr Businessplan vor. Wie ging es weiter?

Kramer:

Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie war positiv, und meinen Businessplan konnte ich als Ideenskizze für eine Anschlussförderung über das damalige Förderprogramm Futour 2000 nutzen. Futour 2000 sah neben einem staatlichen Zuschuss die Einbindung von Beteiligungsgesellschaften vor, die sich an StartUps beteiligen. Konkret war das die tbg (Technologie Beteiligungsgesellschaft, eine Tochter der KfW). Nicht zuletzt diese Kombination von öffentlichem Zuschuss und Beteiligungskapital führte zu ganz speziellen Anforderungen an den Businessplan, insbesondere hinsichtlich des angefragten Umfangs und der Detailtiefe. Bei der Bearbeitung hatte uns die Humboldt Innovations GmbH, eine Gesellschaft der Humboldt Universität, geholfen.

Die Geschäftsidee haben Sie allein entwickelt, gegründet haben Sie aber gemeinsam mit zwei Partnern. Warum?

Kramer:

Gründungen im Lifescience oder Hightech-Bereich sollten immer auf mehrere Schultern verteilt werden. Der Aufwand für Gründung und Unternehmensführung ist für eine Person zu groß. Bestenfalls sollten sowohl die kaufmännische als auch die fachliche Seite im Gründungsteam vertreten sein. Das ist bei uns nicht der Fall: Wir sind alle drei Biologen und kennen uns bereits alle von der Uni. Wichtige Teile des kaufmännischen Bereichs wie beispielsweise Buchführung, Rechnungswesen und Controlling haben wir daher ausgelagert. Die Geschäftsführung der GmbH liegt bei mir, und da gilt das Prinzip „learning by doing“.

Was ist für Sie die größte Herausforderung als Unternehmer?

Kramer:

Ganz klar: erfolgreich am Markt zu sein. Wir wissen, dass in der Sparte Medikamenten- und Naturstoffentwicklung die Akquise hauptsächlich über das Internet läuft. Die Business Developer internationaler Pharmahersteller surfen regelmäßig im Internet und halten Ausschau nach neuen Produkten und neuen Anbietern. Wir haben daher gleich zu Beginn in einen überzeugenden Internetauftritt investiert und kontinuierlich unser Suchmaschinenranking optimiert.

Eine weitere Herausforderung ist die Finanzierung. Nach dem Auslaufen der Futour-Förderung sind wir erst einmal in ein Loch gefallen. Obwohl wir darauf vorbereitet waren und uns über Dienstleistungsangebote über Wasser halten konnten, war die laufende Finanzierung ein Problem. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass die Entscheidungsprozesse in den Großunternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten möchten, so lange dauern würden.

Was würden Sie jungen StartUps empfehlen?

Kramer:

Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, möglichst authentisch zu sein und nicht etwas zu versprechen, was wir nicht halten können. Man sollte sich unbedingt auf die eigenen Stärken bzw. Alleinstellungsmerkmale konzentrieren. Die Entwicklungsprojekte müssen produkt- und marktorientiert ausgerichtet sein und konsequent verfolgt werden.

Wichtig es auch, sich über Unternehmen, mit denen man ins Geschäft kommen möchte, zu informieren Eine gewisse soziale, auch interkulturelle Kompetenz sollte man auch mitbringen. Gerade in unserer Branche hat man ja mit internationalen Kontakten zu tun.

Generell empfehle ich, zielstrebig zu sein und am Ball zu bleiben. Das ist, vor allem in der Anfangsphase, nicht einfach. Aber wenn sich dann der erste Erfolg einstellen, merkt man, dass sich der Einsatz gelohnt hat.