
Sven R. Kiontke und Alexander W. Zschäbitz
(Foto: Stephan Schulz, Jena)
„Trotz attraktiver Jobangebote habe ich mich ganz bewusst gegen eine angestellte Tätigkeit entschieden.“
Interview mit Alexander W. Zschäbitz, asphericon GmbH
KURZINFO
asphericon GmbH
Alexander W. Zschäbitz
Sven R. Kiontke
Gründungsjahr: 2001
Angestellte: 25
www.asphericon.de
Wie kamen Sie auf die Idee, sich selbständig zu machen?
Zschäbitz:
Ich wollte eine Tätigkeit, bei der ich einen möglichst großen Gestaltungsspielraum habe und selbst verantwortlich für meine Arbeit bin. Insofern habe ich mich trotz einiger attraktiver Jobangebote ganz bewusst gegen eine angestellte Tätigkeit entschieden.
Irgendwann sah ich dann am schwarzen Brett bei uns an der Uni einen Aushang „Mit-Gründer gesucht“. So habe ich Sven Kiontke kennen gelernt. Wir haben uns etwa zwei bis drei Monate Zeit genommen, um festzustellen, ob zwischen uns die „Chemie stimmt“. Schließlich sollten wir beide gemeinsam ein nicht unerhebliches wirtschaftliches Risiko tragen, so dass das Zusammenspiel zwischen uns einfach klappen musste. Wir kannten damals schon viele Selbständige in unserem privaten Umfeld und hatten dadurch ein Gespür dafür, worauf es ankommt. „Formal“ war die Zusammensetzung ja ganz gut: Sven Kiontke ist Diplom-Informatiker und ich bin Diplom-Volkswirt. Sowohl die technische als auch die wirtschaftliche Seite waren damit abgedeckt.
Und mit welcher Geschäftsidee haben Sie sich dann selbständig gemacht?
Zschäbitz:
Die Geschäftsidee hatte Sven Kiontke bereits während seines Studiums entwickelt. Kurz: Unser Unternehmen stellt eine bestimmte Art optischer Linsen her, so genannte Asphären, wobei die Grundlage eine selbst entwickelte Steuerungssoftware ist. Mit solchen Asphären kann man jedes optische System, also zum Beispiel Photoobjektive, Projektoren, Laserscanner usw., kleiner und leichter bauen und trotzdem überlegene optische Eigenschaften erzielen.
Sie haben sich als Gründungsteam mit dieser Idee selbständig gemacht. Wie sind Sie vorgegangen?
Zschäbitz:
Zunächst einmal mussten wir einen Businessplan erstellen. Inhaltliche Unterstützung erhielten wir dabei vom Thüringer Businessplanwettbewerb GetUp, an dem wir uns beteiligt hatten. Für unseren Businessplan haben wir dann einen ersten und einen zweiten Preis sowie einen Sonderpreis des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) erhalten. Im Mai 2001 war es dann schließlich so weit: Wir haben unsere GmbH gegründet. Den Namen, lambda technology GmbH, haben wir ein Jahr später in asphericon GmbH geändert.
Was war damals die größte Herausforderung für Sie?
Zschäbitz:
Das war zweifellos die Aufgabe, das Startkapital zusammen zu bekommen. Wir mussten ja zunächst die Vorbereitungsphase finanzieren. Kommilitonen erzählten uns von EXIST SEED, so dass wir dann über die Universität Jena beim Projektträger Jülich ein Konzept, den Antrag und ein Empfehlungsschreiben der Uni Jena eingereicht haben.
Neben EXIST SEED haben wir außerdem das FUTOUR Programm des BMWi in Anspruch genommen. Damit konnten wir die FuE-Arbeiten finanzieren, die für die Marktreife des neuen Asphärenbearbeitungsverfahrens notwendig waren. Die Mittel wurden uns verhältnismäßig schnell zur Verfügung gestellt, so dass wir unser Konzept soweit entwickeln konnten und kurze Zeit später eine stille Beteiligung von einer VC-Gesellschaft zur Finanzierung des Produktionsaufbaus einwerben konnten.
Was es schwer, eine VC-Gesellschaft zu finden?
Zschäbitz:
Wie man’s nimmt. Leider war der Gründungszeitpunkt für uns denkbar schlecht. Kurz zuvor war die „IT-Blase“ geplatzt. Das bedeutete, es gab kaum Kapitalgeber, die bereit waren, in ein solches Unternehmen zu investieren. Wir brauchten also viel Enthusiasmus und Geduld, um eine VC-Gesellschaft zu finden, die nicht nur bereit was, sich an unserem Vorhaben zu beteiligen, sondern dabei auch unsere Bedingungen akzeptierte: Wichtig war uns ein Engagement mit langfristigen Horizont, also zehn bis 15 Jahre. Wir haben ein dreiviertel Jahr mit verschiedenen VC-Gesellschaften gesprochen, bis wir schließlich eine gefunden haben, die tatsächlich bereit war, sich an unserem Vorhaben zu beteiligen.
Eine der Bedingungen der VC-Gesellschaft war übrigens die Bildung eines Beirats, der sich aus einem Vertreter der VC-Gesellschaft, einem Vertreter unserer GmbH und zwei von der Gesellschafterversammlung gewählten Beiräten zusammensetzt. Die Einrichtung dieses Beirats hat sich als sehr nützlich erwiesen, da wir uns hier jederzeit fachlichen Rat holen können.
Für viele IT-Unternehmen ist das Marketing eine große Herausforderung. Wie war das bei Ihnen?
Zschäbitz:
Wir sind da ganz naiv rangegangen und haben einfach bei potenziellen Kunden, also Unternehmen der optischen Industrie, angerufen. Das hat sich bewährt. Inzwischen arbeiten wir mit professionellen Vertriebspartnern zusammen, die wir auf diese Weise kennen gelernt haben und über die wir ein internationales Vertriebsnetz aufbauen konnten. Man ist da natürlich zunächst einmal sehr viel unterwegs, um beispielsweise auf Messen geeignete Vertriebspartner kennen zu lernen.
Was wir sicher unterschätzt haben ist der Aufwand, die Unternehmensorganisation an das Wachstum anzupassen. Trotz steigender Auftragszahlen sollen natürlich alle Kunden weiterhin zeitnah und individuell betreut werden. Dazu benötigt man die entsprechenden Kapazitäten. Dafür müssen Mitarbeiter müssen eingestellt und eingearbeitet werden, Aufgaben delegiert werden, Räumlichkeiten geschaffen werden – das alles erfordert einen hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand.
Welchen Tipp würden Sie heutigen StartUps geben?
Zschäbitz:
Das wichtigste ist, ein Informations- und Beraternetzwerk zu schaffen, mit dem man Zugang zu Kapitalgebern, Förderinstitutionen und natürlich Kunden bekommt. Bei der Zusammensetzung des Gründungsteams sollten die technischen und kaufmännischen Fähigkeiten gleichermaßen wichtig genommen werden. Und es ist durchaus sinnvoll, unterschiedliche technische Fachrichtungen im Gründungsteam vertreten zu haben.


Gründungsbeispiele