EXIST-Gründerstipendium

Gründungsbeispiel

Dr. Florian Kerkau

Dr. Florian Kerkau, Goldmedia Custom Research GmbH

Quelle: Foto: Goldmedia Custom Research GmbH

„Die Kooperation mit einem starken und etablierten Partner erhöht auf jeden Fall meine Chancen, mich am Markt zu etablieren.“

Interview mit Dr. Florian Kerkau, Goldmedia Custom Research GmbH

KURZINFO

Goldmedia Custom Research GmbH
Dr. Florian Kerkau
Gründungsjahr: 2007
www.goldmedia.de

Herr Dr. Kerkau, Sie haben ein Verfahren entwickelt, das die Wirkung von Fernsehsendungen, Werbespots oder auch Zeitungsseiten ermittelt. Wie machen Sie das?

Dr. Kerkau:

Ich erhebe biometrische Daten mit Hilfe der Pupillometrie. Das heißt, ich beobachte und analysiere die Pupillen von Menschen, die sich einen bestimmten Film, eine Zeitungsanzeige oder ein Plakat ansehen. Hintergrund ist, dass das menschliche Auge nicht nur auf Licht reagiert, sondern auch auf emotionale und mentale Prozesse. Wenn ich mir zum Beispiel eine spannende Szene in einem Film ansehe oder einen Text lese, bei dem ich mich sehr konzentrieren muss, verändern sich meine Pupillen. Sie werden größer, und die Stellung verändert sich. Dabei ist es mir bei dem Verfahren gelungen, Störreize durch Licht oder Lidschlag auszuschalten. Auf diese Weise kann ich tatsächlich nur die emotionale und mentale Wirkung von Wahrnehmungen anhand typischer Bewegungsmuster beobachten.

Im vergangenen Jahr haben Sie sich mit diesem Verfahren selbständig gemacht und bieten es seitdem Fernsehsendern, Zeitungsmachern und anderen potenziellen Interessenten an. Wie kamen Sie auf die Idee?

Dr. Kerkau:

Ich habe Sozialwissenschaften studiert, an der Technischen Universität Berlin. Das Verfahren habe ich während der Arbeit an meiner Dissertation an der Freien Universität entwickelt. Nach meiner Promotion hätte ich an eine andere Uni bzw. ins Ausland gehen können. Eine wissenschaftliche Karriere hätte aber unter Umständen bedeutet, dass ich mein Verfahren nicht hätte weiter entwickeln können. Um genau an dem Punkt weiterzumachen, an dem ich mich mit meiner Arbeit befand, blieb daher eigentlich nur eine Möglichkeit: die berufliche Selbständigkeit.

Wie ging es dann weiter?

Dr. Kerkau:

Ich habe im Jahr 2005 promoviert und direkt im Anschluss EXIST SEED beantragt. Das Antragsverfahren war ganz einfach: Die Unterlagen habe ich aus dem Internet herunter geladen, ausgefüllt und dann über die FU eingereicht. Ich war übrigens der erste EXIST-SEEDler an der FU. Mit Hilfe von EXIST SEED hat mir die FU eine halbe Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter eingerichtet und außerdem ein Labor mit notwendigen Geräten wie Monitoren und Kameras ausgestattet. Ich konnte also fast übergangslos mit meiner Arbeit weitermachen und meine Idee zur Marktreife entwickeln.

Fachlich waren Sie zweifellos versiert. Wie sah es denn mit Ihren unternehmerischen Fähigkeiten aus?

Dr. Kerkau:

Ich stamme zwar aus einer Unternehmerfamilie. Aber trotzdem waren mir Dinge wie Businessplan, Preiskalkulation, Marketing, Kundenakquise oder Buchführung ziemlich fremd. Nun ist die EXIST SEED-Förderung ja dazu gedacht, einen Businessplan zu schreiben und eine Geschäftsidee auf tragfähige Beine zu stellen. Dazu musste ich mir allerdings erst einmal das notwendige Know-how aneignen. Hier war auf jeden Fall die Teilnahme am Businessplan-Wettbewerb Berlin Brandenburg hilfreich. Über die Seminare, Vorträge und alle weiteren Informationen habe ich eigentlich alles gelernt, was ich brauchte. Hinzu kam ein regelmäßiges Coaching durch Unternehmensberater. Das Coaching wurde übrigens auch über EXIST SEED finanziert und hat mich sehr unterstützt. Im Nachhinein kann ich jedem Gründer nur empfehlen, so intensiv wie möglich Coachingangebote zu nutzen.

Nachdem ich beim Businessplan-Wettbewerb Berlin Brandenburg ganz gut abgeschnitten hatte, habe ich meinen Businessplan auch noch beim „GründerWettbewerb - Mit Multimedia erfolgreich starten“ des BMWi eingereicht. Wenige Monate später erhielt ich dann einen Anruf mit der guten Nachricht, dass ich einer der Hauptpreisträger sei. Im Herbst 2006 war die Preisverleihung: 25.000 Euro und zwanzig kostenfreie Beratertage. Außerdem bekam ich natürlich jede Menge Publizität.

Als Sie sich beim GründerWettbewerb „Multimedia“ beworben hatten, hatten Sie aber bereits ein Unternehmen gegründet.

Dr. Kerkau:

Ja, das ging alles ziemlich schnell. Ich hatte über einen Studenten Kontakt zu der Unternehmensberatung Goldmedia GmbH Media Consulting & Research bekommen, die vor allem Medienunternehmen betreut: also genau meine Zielgruppe. Wir konnten uns rasch einigen. Um diese Kooperation eingehen zu können, musste ich natürlich erst einmal ein Unternehmen gründen.

Ich brauchte zum Glück keinen Kredit für hohe Investitionen, da ich das Labor an der FU zunächst weiter nutzen konnte. Die Suche nach einem Kapitalgeber blieb mir daher erspart. Insofern konnte ich also - mit vier freien Mitarbeitern - gleich loslegen und habe mich als Einzelunternehmen „eye on media“ einfach beim Gewerbeamt angemeldet. Bei einem Einzelunternehmen hafte ich zwar mit meinem persönlichen Vermögen, aber mein Haftungsrisiko war nicht besonders hoch. Außerdem hatte ich in der Startphase mit keinen großen Summen zu tun. Der Vorteil war außerdem, dass ich nur eine so genannte einfache Einnahmen-Überschussrechnung erstellen und nicht wie bei der GmbH bilanzieren musste.

EXIST-SEED konnten Sie aber nach Ihrer Unternehmensgründung nicht weiter in Anspruch nehmen.

Dr. Kerkau:

Leider. Die Förderung über EXIST SEED musste ich nach zehn Monaten kündigen, da eine Geschäftstätigkeit während der Förderphase nicht vorgesehen ist. Ich hatte meinen Businessplan allerdings schon fertig gestellt. Insofern war das Timing schon o.k. Und tatsächlich habe ich gleich einen Auftrag erhalten, der mir über meinen Kooperationspartner vermittelt worden war. Der Auftrag bestand darin, Fernsehsendungen in einem Zeitraum über vier bis fünf Wochen zu analysieren.

Dann kamen erst mal keine lukrativen Kunden mehr nach. Ich hatte zwar seit meinem ersten „großen Fisch“ noch ein paar kleinere Aufträge bekommen. Aber die waren nicht besonders gut bezahlt. Die Akquise weiterer Kunden war alles andere als einfach. Ich konnte ja nicht einfach in meinem Labor sitzen und darauf warten, dass mir mein Kooperationspartner weitere Auftraggeber vermittelt. Ich habe damals einfach zum Telefonhörer gegriffen und bei Sendern und Verlagshäusern angerufen. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, auf was es bei den Gesprächen ankommt und wie ich mich am besten präsentieren sollte. Ich habe außerdem Kontakte zur Fachpresse aufgebaut, um meine Dienstleistung publik zu machen. Als wirkungsvoller Akquiseweg hat sich übrigens der Besuch von Fachmessen erweisen: Ich biete den Messeveranstaltern an, Vorträge zu halten. Alles in allem ist die Kundenakquise zwar ein „hartes Brot“, aber ich merke, dass es langsam aber stetig aufwärts geht.

Aus Ihrem Einzelunternehmen ist nun schon eine GmbH geworden. Warum?

Dr. Kerkau:

Ich möchte die Zusammenarbeit mit meinen Kooperationspartnern weiter ausbauen. Darum haben wir vor kurzem eine GmbH gegründet, deren Geschäftsführer ich bin. Auch der neue Name macht deutlich, dass wir näher zueinander gerückt sind. Anstatt „eye on media“ heißt meine Firma jetzt „Goldmedia Custom Research“. Man muss natürlich immer aufpassen, dass man bei der Kooperation mit einem starken und etablierten Partner nicht untergeht. Ich denke aber, dass das der richtige Schritt war. Er erhöht auf jeden Fall meine Chancen, mich am Markt zu etablieren.