EXIST-Gründerstipendium

Gründungsbeispiel

Susanne Zaspel, Sandro Schleier, Isabel Fiedler

Susanne Zaspel, Sandro Schleier, Isabel Fiedler

Quelle: Foto: Hunting High

“Mit unserer Kollektion zeigen wir, wie vielseitig einsetzbar der von uns entwickelte Stoff ist.“

Interview mit Susanne Zaspel und Sandro Schleier.

KURZINFO

HUNTING HIGH fine art in fabrics and fashion
Susanne Zaspel
Sandro Schleier
Isabel Fiedler
Gründungsjahr: 2007
www.huntinghigh.de

Herr Schleier, was verbirgt sich hinter dem Namen Hunting High?

Schleier:

Wir sind ein StartUp in der Textilbranche, das innovative Technik und modisches Design miteinander verbindet.

Wie sieht denn diese Verbindung aus?

Schleier:

Zunächst einmal verbinden wir unterschiedliche Textilien miteinander zu einem Stoff. Das ist der zentrale Bestandteil unserer Geschäftsidee: ein Textilverbundstoff mit dem Namen Texabond. Das Verfahren wurde von uns entwickelt. Das neuartige an diesem Stoff ist, dass er die Funktionalität so genannter High-TechStoffe mit optischen und weiteren Möglichkeiten von klassischen Stoffen, wie z.B. Baumwolle, verbindet.

Texabond ist beispielsweise winddicht und regenabweisend und lässt sich trotzdem mit Textilfarben, jedem Muster und fast jeder denkbaren Struktur versehen. Wenn Sie in die Outdoorabteilung eines Bekleidungsgeschäftes gehen, fällt Ihnen sicher auf, dass es oft nur eine eingeschränkte Bandbreite an Farben und Mustern gibt, die besonders modeinteressierte Kunden eher weniger anspricht. Eine wesentlich größere Vielfalt haben Sie dagegen in anderen Bekleidungssegmenten, allerdings werden Sie mit der dort angebotenen Ware kaum bei Regenwetter hinausgehen. Aus diesem „entweder – oder“ haben wir daher ein „sowohl als auch“ gemacht.

Hört sich gut an. Wie ist Ihnen das gelungen?

Zaspel:

Wir verraten natürlich keine Betriebsgeheimnisse! Aber so viel können wir sagen: Wir haben spezielle Effektpasten weiterentwickelt, die durch das Druckverfahren zwei unterschiedliche Stoffe miteinander auf optisch ansprechende Weise verbinden. Damit entsteht ein neuer Stoff, der sich auch ganz anders anfühlt. Wir können jede Farbe benutzen und spezielle Effekte erzielen, seien es zum Beispiel Glitzerpigmente für modische Kleidung oder Antirutscheffekte für Outdoor- oder Arbeitstextilien.

Neben diesem Verbundstoff haben Sie aber auch eine Kollektion entworfen. Warum?

Zaspel:

Meine Kollegin und ich sind Modedesignerinnen. Was liegt also näher als den von uns entwickelten Stoff dazu zu benutzen, um trendige Kleidung für Frauen zu entwerfen? Potenzielle Kunden können auf diese Weise am besten sehen, wie vielseitig einsetzbar unser Stoff ist.

Schleier:

Ja, unsere Kollektion ist ein wichtiger Bestandteil unseres Marketings. Dabei konzentrieren wir uns anstatt auf Modemessen, auf kleine Bekleidungsgeschäfte, die qualitativ hochwertige Designerware verkaufen und zu unserer Kollektion passen. Wir haben bereits ein sehr gutes Feedback und werden vermutlich im Sommer die Möglichkeit haben, unsere Kollektion in einigen Geschäften zu zeigen.

Sie sind ein Team, bestehend aus drei Mitgliedern. Wie haben Sie sich kennen gelernt?

Zaspel:

Isabel Fiedler und ich haben hier in Halle an der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design gemeinsam unsere Diplomarbeit geschrieben und festgestellt, dass wir gut zusammen arbeiten können. Ich selbst habe noch ein Aufbaustudium Textildesign absolviert, und Isabel Fiedler ist gelernte Herrenmaßschneiderin.

Der Dritte im Bunde, Sandro Schleier, hat Innenarchitektur und Architektur studiert und ist bereits seit geraumer Zeit selbstständig tätig. Sandro Schleier ist bei uns verantwortlich für alle administrativen und grafischen Tätigkeiten. Er ist für uns aber auch eine Kontroll-Instanz, die unser Tun stets kritisch hinterfragt. Auch wir kennen uns bereits seit unserem Studium. Im Team selbst haben wir eine klare Aufgabenteilung. Dabei können wir uns in jeder Lebenslage aufeinander verlassen.

Wie haben Sie sich bisher auf Ihr Gründungsvorhaben vorbereitet?

Zaspel:

Wir haben vor über eineinhalb Jahren mit unseren Vorbereitungen begonnen. In diesem Zusammenhang haben wir auch vom Förderprogramm EXIST-SEED erfahren: über einen Aushang am Schwarzen Brett hier an der Hochschule. Die Finanzierung unseres Vorhabens ist mit Hilfe von EXIST-SEED vorerst noch bis April 2007 gesichert, so dass wir uns bis dahin intensiv mit unseren abschließenden Vorbereitungen beschäftigen können.

Als es im letzten Jahr mit der Förderung los ging, haben wir von der Hochschule ein Büro im so genannten Design-Haus auf dem Hochschulgelände zur Verfügung gestellt bekommen. Das Büro haben wir selbst renoviert und mit Hilfe von EXIST-SEED alle notwendigen Geräte und Ausstattung angeschafft.

Wichtig für unsere Vorbereitung war und ist natürlich eine kompetente Beratung. Mit ihrem Know-how stehen uns daher die Beraterinnen und Berater von UNIVATIONS zur Verfügung. UNIVATIONS ist das Innovations- und Gründernetzwerk an den Hochschulen in Sachsen-Anhalt und unterstützt Studierende, Hochschulabsolventen und wissenschaftliche Mitarbeiter kostenfrei auf dem Weg in die Selbständigkeit.

Zur Seite steht uns auch unser Mentor, Thomas Greis, Professor für Modedesign. Und bei ganz praktischen unternehmerischen Fragen hilft uns unser Coach, ein erfolgreicher Unternehmer aus der Eventbranche. Eine Branche, in der unser Stoff übrigens auch zum Beispiel für Planen, Zelte, Vorhänge usw. eingesetzt werden kann.

Welche Schwerpunkte haben Sie in Ihrem Businessplan gesetzt?

Schleier:

Ein zentraler Bestandteil ist unser Marketingplan. Dafür haben wir Fragebögen entwickelt, um zum Beispiel auf Fachmessen oder auch in Textilgeschäften in Köln, Leipzig und Berlin Marktanalysen durchzuführen. Wir haben untersucht, was es bereits zu welchen Konditionen gibt und was sich unsere Zielgruppe wünscht. Selbstverständlich haben wir auch einen Existenzgründungskurs besucht - bei UNIVATIONS. Für die professionelle inhaltliche Gestaltung unseres Businessplans erhalten wir darüber hinaus nicht nur Unterstützung durch unseren Coach, sondern auch durch eine Reihe mittelständischer Unternehmer, die wir seit langem kennen.

Fest steht: Wir haben bei Null angefangen und sind jetzt startklar. Wobei alles etwas länger als ursprünglich geplant gedauert hat. Wir mussten unseren Zeitplan eigentlich immer wieder anpassen, zum Beispiel, weil der Bezug der Räume erst später möglich war und unser gesamter Entwicklungsprozess dadurch verzögert wurde.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Schleier:

Mit Hilfe von EXIST-SEED haben wir für den Start erst einmal alles, was wir an Ausstattung brauchen. Alle notwendigen Testreihen zur Strapazierfähigkeit und Waschbarkeit von Texabond haben wir erfolgreich hinter uns gebracht. Ende April ist unser Businessplan fertig und dann kann es richtig losgehen. Auch unsere Damenkollektion hat es dann bis zur Musterreife geschafft. Probeteile und Produktion werden folgen, um im Sommer die Kleidungsstücke in ausgewählten Modegeschäften anzubieten.

Unser Ziel für dieses Jahr ist es, unseren Bondingstoff, der sich zur Zeit noch im Patentierungsverfahren befindet, bis zur Serienreife zu entwickeln. Dazu sind wir momentan mit einem Textilmaschinenhersteller in Kontakt, um unsere Produktion auf industrielle Fertigung umzustellen.