EXIST-Gründerstipendium

Gründungsbeispiel

Stefan Trebbin, Torsten Heitjans, Max Klimke

Stefan Trebbin, Torsten Heitjans, Max Klimke
Photo: Wirtschaftsinitiative Mitteldeutschland

„Mit Botanik und überhaupt mit Landwirtschaft hatten wir natürlich nichts zu tun. Deswegen haben wir einen wissenschaftlichen Beirat zusammengestellt.“

Interview mit Stefan Trebbin.

KURZINFO

Landscape Printer
Torsten Heitjans
Max Klimke
Stefan Trebbin
Gründungsjahr: 2007
www.landscapeprinter.com

Herr Trebbin, Sie entwickeln gemeinsam einen „Landschafts-Drucker“. Handelt es sich um einen Laser- oder Tintenstrahldrucker?

Weder noch: Eigentlich sät er eher, als dass er tatsächlich druckt. Und es ist auch weniger ein Drucker als vielmehr eine umgerüstete Sämaschine, die über eine von uns entwickelte Software gesteuert wird. Auf diese Weise entstehen auf großen Freiflächen riesige Bilder oder auch Schriftzüge aus Pflanzen. Das können beispielweise verschiedene Getreidearten sein, die dann beispielsweise vom Flugzeug, von der Autobahn, vom Zug oder auch beim Spaziergang und beim Fahrradfahren aus zu sehen sind.

Was zum Teil bereits von Hand gemacht wird, vor allem im Rahmen von Kunstprojekten, haben wir automatisiert. Wir benötigen dazu eine Datei vom Wunschbild. Die von uns entwickelte Software ist mit einem GPS-Empfänger verknüpft und verarbeitet das Ausgangsbild, indem es die Sämaschine steuert und über einen Positionierungsanzeiger das Saatgut zentimetergenau auf der freien Fläche ausbringt. Wir können auch unterschiedliches Saatgut gezielt mischen, um zusätzliche Farbkontraste zu erzielen. Wenn man zum Beispiel zwei verschiedene Weizensorten nimmt, bei der die eine schneller reift als die andere ergeben sich interessante grün-gelb-Effekte.

Auf diese Weise entstehen „Growing Pictures“, wachsende Bilder, die sich je nach Wachstumsphase der Pflanzen verändern, also wechselnde Farbeffekte und Schattierungen zeigen, wobei das Bildmotiv oder der Schriftzug selbst immer zu erkennen sind. In der Regel existiert ein solches Landschafts- oder Pflanzenbild drei bis vier Monate. Dann kann es abgeerntet und weiterverarbeitet oder kompostiert werden. Es ist also sehr umweltfreundlich.

Wo werden Sie denn säen?

Freiflächen gibt es eigentlich sehr viele. Neben landwirtschaftlichen Nutzflächen gibt es beispielsweise große Freiflächen rund um Flughäfen, an Bahntrassen oder auch an Autobahnauffahrten. Dann gibt es städtische Brachflächen oder auch Brachland im Tagebau, die man durch solche growing pictures verschönern und kommerziell nutzen könnte.

Und wer könnte Interesse daran haben?

Wir wissen, dass Unternehmen und Werbeagenturen eigentlich immer auf der Suche nach neuen originellen Werbeformen sind. Wir bieten da in puncto Außenwerbung eine gute Ergänzung an. Denn bislang wird so etwas, wenn überhaupt, per Hand hergestellt, was natürlich sehr teuer ist. Wir könnten uns vorstellen, dass umweltorientierte oder ernährungsbezogene Branchen daran interessiert sind, aber natürlich auch Kommunen.

Sie und Ihre Mit-Gründer haben ja eigentlich mit Botanik wenig zu tun. Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen?

Wir kommen von der Bauhaus Universität in Weimar. Ich habe mich dort mit visueller Kommunikation beschäftigt und habe zusammen mit dem angehenden Produktdesigner Max Klimke, in einem Projekt gearbeitet, in dem es um die Möglichkeiten ausgefallener Werbeflächen ging. Damals entstand die Idee. Als uns klar war, dass wir damit eine Geschäftsidee geboren hatten, kam noch Torsten Heitjans dazu, der die betriebswirtschaftlichen Aufgaben bei uns übernimmt.

Wie waren Ihre weiteren Schritte?

Wir haben uns hier bei der Gründungsberatung neudeli informiert. Dort hat man uns Büroräume, Internet, Telefon und alles was man als Gründer so braucht, zur Verfügung gestellt. Hier hat man uns auch über EXIST-SEED informiert, ohne dass wir sicher nicht so weit gekommen. Wir hatten ja als Dreier-Team Mittel beantragt und waren daher unabhängig von irgendwelchen Nebenjobs, so dass wir uns ganz auf die Entwicklung unsere Idee konzentrieren konnten.

Mit dem Zuschuss für die Sachmittel konnten wir Schutzrechte sichern, technische Komponenten entwickeln und erste interne Testversuche durchführen. Letzteres ist ziemlich zeitaufwändig. Wir sehen den Pflanzen ja praktisch beim Wachsen zu und beobachten ihre Farbveränderungen, ihr Blühverhalten, die Einflüsse von Nässe, Trockenheit, Hitze. Das braucht eben seine Zeit.

Können Sie denn zum Beispiel überhaupt Weizen von Roggen unterscheiden?

Mittlerweile ja, aber es stimmt natürlich, mit Botanik und überhaupt mit Landwirtschaft hatten wir natürlich nichts zu tun. Deswegen haben wir einen wissenschaftlichen Beirat zusammengestellt. Die Mitglieder, Agraringenieure, Saatgutspezialisten und Botaniker stehen uns mit Rat und Tat zur Seite. Was wir dabei gelernt haben und was gar nicht so einfach war, ist, die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Disziplinen zusammenbringen. Botanisches Know-How z.B. ist ausreichend erforscht, jedoch in Hinblick auf die Kontrastierung unterschiedlicher Pflanzensorten betreten wir wissenschaftliches Neuland.

Obwohl Sie noch ganz am Anfang stehen, haben Sie schon jede Menge Preise gewonnen.

Ja, wir haben zum Beispiel an der Elevator Pitch Night 2006 teilgenommen und den Jury-Preis für die beste Idee bekommen. Und durch die Teilnahme beim IQ Innovationspreis Mitteldeutschland haben wir Zugang zur Wirtschaftsinitiative Mitteldeutschland bekommen. Deren Mitgliedsunternehmen bieten uns hervorragende Akquisemöglichkeiten. Und schließlich haben wir noch im März 2007 einen Preis beim Gründerwettbewerb Multimedia des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie gewonnen.

Wie sieht die nahe Zukunft aus?

Durch eine Konzeptänderung werden wir unseren Businessplan abschließen. Im Juni läuft EXIST-SEED aus. Bis dahin sollte alles so weit ausgearbeitet sein, um Investoren von unserem Vorhaben zu überzeugen und die notwendigen Mittel für den Bau unserer „druckenden“ Sämaschine zu bekommen.