
PD Dr. Babara Mayer, PD Dr. Ilona Funke, Stephan Wehselau,SpheroTec GmbH
Es war einfach toll, dass wir Zugang zu so einem breit gefächerten Netzwerk bekommen haben.
Interview mit PD Dr. Barbara Mayer, SpheroTec GmbH
KURZINFO
SpheroTec GmbH
PD Dr. Babara Mayer
PD Dr. Ilona Funke
Stephan Wehselau
Gründungsjahr: 2006
www.spherotec.com
Frau Dr. Mayer, Sie haben sich in der pharmazeutischen Biotechnologie selbständig gemacht. Könnten Sie einem Laien Ihre Geschäftsidee erläutern?
Dr. Mayer:
Aber selbstverständlich: Stellen Sie sich vor, Sie produzieren Arzneimittel. Dann wissen Sie, dass es bei der Entwicklung von Krebsmedikamenten ein großes Problem gibt: Zeitaufwand und Kosten sind immens hoch. Erfahrungswerte zeigen, dass die Kosten für Forschung, Entwicklung und Markteinführung eines Krebsmittels durchschnittlich 800 Mio. Dollar betragen und mit einem Zeitaufwand von 12 bis 15 Jahren verbunden sind. Trotzdem liegt die Zulassungswahrscheinlichkeit bei weniger als fünf Prozent. Unser Ziel ist es, diese große Spanne zwischen hohem Aufwand und geringen Erfolgsaussichten zu minimieren.
Und wie machen Sie das?
Dr. Mayer:
Wir züchten Mikrotumore aus Zellkulturen, die in ihrer Biologie den Mikrotumoren im Krebspatienten sehr ähnlich sind. Das Mikrotumormodell ist durch seine Tumornähe den herkömmlichen Testsystemen für die Wirkstoffprüfung weit überlegen. Bislang wurden Medikamente überwiegend an einschichtigen Zellkulturen und Tumoren, die unter der Haut von speziell gezüchteten Mäusen wachsen, getestet. Diese Testsituationen haben mit den menschlichen Tumoren nichts gemeinsam. Deshalb hat SpheroTec das Mikrotumormodell entwickelt, das auch als Sphäroidmodell bezeichnet wird. Mit diesem System testen wir die Medikamente unserer Kunden und erhalten dadurch eine realitätsnahe Einschätzung über die therapeutische Wertigkeit der Arzneimittel.
Wie sieht denn das Testverfahren aus?
Dr. Mayer:
Wir setzen in der frühen präklinischen Phase an, also nach der Entwicklung des Medikamentes. Das ist die Phase, die als drug discovery bezeichnet wird. Üblicherweise wird hier lediglich die Wirksamkeit eines Arzneimittels getestet. Die SpheroTec dagegen prüft ein neues Krebsmedikament bereits zu diesem frühen Zeitpunkt „auf Herz und Nieren“. Das heißt, wir testen die Wirksamkeit an einem breiten Spektrum von Tumorzellen. Anschließend prüfen wir das Medikament auf Nebenwirkungen. Dazu nehmen wir gesunde Zellen, wie zum Beispiel Knochenmarkszellen. Und drittens können wir sehen, wie tief das Medikament in die Tumorzelle eindringt und dort wirkt. Das kann beispielsweise mit zweidimensionalen Zellschichten nicht getestet werden. Schließlich beobachten wir, was mit der Tumorzelle während der Therapie passiert, ob sie zum Beispiel Abwehrmechanismen entwickelt.
Neu ist auch, dass wir feststellen können, zu welcher Tumorart der Wirkstoff am besten „passt“. Viele Arzneimittelhersteller wissen oft nicht, auf welche Tumorart ihr Wirkstoff optimal reagiert. Im Rahmen des Zulassungsverfahrens muss man sich allerdings auf eine Tumorart festlegen. Für Arzneimittelhersteller ist es daher wichtig, frühzeitig zu erfahren, auf welche Tumorart ihr Medikament am besten reagiert.
Welche Vorteile ergeben sich für Arzneimittelhersteller gegenüber bisherigen Testverfahren?
Dr. Mayer:
Wir können unseren Kunden bereits in einem sehr frühen Stadium der Entwicklung sagen, welche ihrer Substanzen toxisch und unwirksam und welche gut verträglich und wirkungsvoll sind. Dadurch helfen wir unseren Kunden, Kosten und Zeit zu sparen und eine schnellere Marktzulassung zu erreichen. Darüber hinaus reduziert unser Verfahren die Zahl der Tierversuche.
Wer gehört zu Ihrem Gründungsteam?
Dr. Mayer:
Ursprünglich waren wir zu zweit, Dr. Ilona Funke und ich. Frau Dr. Funke ist Medizinerin und kommt aus der klinischen Forschung. Ich bin Biologin und komme aus der experimentellen Forschung. Insofern ergänzen wir uns sehr gut. Außerdem kennen wir uns schon sehr lange und können mit unseren gegenseitigen persönlichen Stärken und Schwächen gut umgehen. Ich presche zum Beispiel oft vor, während Ilona Funke dagegen etwas 'diplomatischer' ist.
Der dritte im Bunde ist Stephan Wehselau, der einige Monate später als Coach zu uns kam. Er ist Diplom-Ökonom und eine ideale Besetzung für alle unsere betriebswirtschaftlichen Belange. Für unsere Forschungsarbeit hatten wir ja stets viel Anerkennung erhalten, aber wir bekamen auch immer wieder zu hören, dass es uns an Finanzierungs- und Controlling-Know-how fehlt. Wir hatten zwar einen BWL-Kurs besucht, dabei aber schnell gemerkt, dass der gesamte betriebswirtschaftliche Bereich viel Kompetenz und letztlich auch Zeit erfordert, dass unsere fachliche Arbeit darunter leiden würde. Also haben wir gedacht „Schuster bleib’ bei deinen Leisten“.
Und so wurde uns über die Beteiligungsgesellschaft Bayern Kapital Stephan Wehselau vermittelt. Ein absoluter Glücksfall, denn unser Mitstreiter kennt sich nicht nur mit den besonderen betriebswirtschaftlichen Anforderungen von Biotech-Unternehmen aus, sondern ist auch persönlich eine Bereicherung für unser Team. Die Chemie zwischen uns stimmt einfach. Das ist vor allem in der ziemlich stressigen Vorbereitungsphase wichtig, denn schließlich arbeiten Dr. Ilona Funke und ich noch im OP-Saal und im Labor. Da muss man schon sehr engagiert sein und viel Ausdauer haben, um sich abends noch mit den Gründungsvorbereitungen zu beschäftigen.
Sie haben am Münchener Businessplan Wettbewerb teilgenommen. Welche Hilfestellung haben Sie dort erhalten?
Dr. Mayer:
Die Hilfestellung war großartig. Wir hatten ja bereits im Jahr 2003 einen Businessplan erstellt. Den konnten wir nun mit Hilfe der Exist-SEED-Förderung vertiefen. Sehr geholfen haben uns die Juroren, zum Beispiel mit ihren Tipps zur Kundenakquise: Wir dachten, dass es ausreicht, wenn ein Business Developer zwei Mal im Monat für uns Kontakte zu potenziellen Kunden aufnimmt und uns die Türen zu Pharma- und Biotechunternehmen im Raum München öffnet. Aber damit lagen wir offensichtlich falsch: „Ihr müsst täglich Klinken putzen!“ sagten uns die Juroren - und hatten zweifellos recht. Beim Finanzplan haben wir verschiedene Szenarien durchgespielt. Das ist natürlich ein mühsames Unterfangen, aber absolut wichtig. Insgesamt war einfach toll, dass wir Zugang zu einem breit gefächerten Netzwerk bekommen haben, dessen Mitglieder uns auch nach dem Wettbewerb mit vielen wichtigen Informationen zur Verfügung stehen.
Sie sagten bereits, dass die Hilfestellung über Netzwerkpartner Ihnen sehr geholfen hat. Welche Beratung haben Sie darüber hinaus in Anspruch genommen?
Dr. Mayer:
Ganz wichtig ist ein professionelles Coaching. In diesem Bereich ist das Angebot ja sehr groß und viele Coaches meinen, unabhängig von Branche und Unternehmen das Gründungsvorhaben begleiten zu können. Davon kann ich nur abraten. Jedes junge Unternehmen führt ein Eigenleben. Hinzu kommen branchenspezifische Anforderungen. Insofern sollte man sich für einen Coach entscheiden, der sowohl vom Fach ist als auch bereit ist, sich auf die besonderen unternehmerischen Anforderungen einzustellen. Wir haben zum Glück einen solchen Coach bei der BioM AG gefunden. Die BioM AG unterstützt Biotech-Unternehmen und stellt sich auf deren individuelle Situation ein. Das Coachingangebot ist daher ganz auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten gewesen. Da geht es beispielsweise um ganz alltägliche unternehmerische Entscheidungen wie Preisfindung, Führen von Kundenlisten, Tipps zum Tagesgeschäft.
Darüber hinaus gibt es aber viele andere „hilfreiche Geister“, die uns von Anfang bis heute mit Rat und Tat zur Seite stehen und denen wir zu tiefstem Dank verpflichtet sind. Die erste Version unseres Businessplans haben wir im Jahr 2003 mit Hilfe des Odeon Centers for Entrepreneurship an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), erstellt. Die haben ein fantastisches Studententeam, bestehend aus unterschiedlichen Fachrichtungen zusammengestellt, und uns bei unserem Businessplan geholfen. Großartig unterstützt hat uns auch das LMU-Gründerbüro, sei es bei Fragen zur Patentierung, der Pressearbeit oder bei der Kontaktaufnahme zu den Mitgliedern ihres Gründernetzwerks. Der regelmäßige Erfahrungsaustausch im EXIST-SEED-München-Zirkel ist eine echte Bereicherung. Ein großes Dankeschön gilt außerdem meiner „Forscherheimat“, dem Klinikum Großhadern. Hier konnten wir für die Dauer unserer Startphase einen günstigen Laborraum mieten und die Laboreinrichtung mitbenutzen. Dadurch haben wir die gerade in der Startphase schmerzlich hohen Anfangsinvestitionen vermieden.
Sie haben EXIST-SEED erhalten. Was haben Sie damit finanziert?
Dr. Mayer:
Ja, wir wurden durch EXIST-SEED von Oktober 2004 bis Oktober 2005 gefördert. Mit dem Zuschuss konnten wir erste Gehversuche machen, wie beispielsweise unsere Marke anmelden, Briefpapier und Visitenkarten drucken lassen oder auch einen Patentanwalt konsultieren. Das erste SpheroTec-Logo war ein Highlight.
Ihre Anschlussfinanzierung erfolgte über die Bayern Kapital und den High-Tech Gründerfonds?
Dr. Mayer:
Die Bayern Kapital finanziert innovative High-Tech-Gründungen aus Bayern mit Beteiligungskapital. Für eine ergänzende Finanzierung hat man uns dann den Kontakt zum High-Tech Gründerfonds hergestellt, so dass wir im vergangenen Jahr in Bonn unser Vorhaben vorgestellt haben und nun auch eine Finanzierung über den HTGF erhalten.
Wie sehen Ihre nächsten Schritte aus?
Dr. Mayer:
Jetzt steht erst einmal die Kundenakquise im Vordergrund: Unser Business Developer klopft einmal in der Woche an die Tür potenzieller Kunden. Immerhin sind wir derzeit schon mit über zehn Interessenten im Gespräch.
Apropos Business Developer: auch hier muss man natürlich Zeit und Geduld investieren, um den richtigen zu finden. Aber bei uns hat es sich gelohnt. Wir sind oft auf internationalen Messen in Europa und den USA. Und da muss man jemanden haben, der weiß, wie die Entscheidungsstrukturen funktionieren, der den richtigen Ton trifft, die richtigen Schwerpunkte bei den verschiedenen Kunden setzt und der auch immer wieder bei potenziellen Kunden nachhakt.
Was unser Angebot betrifft, wollen wir unsere Technologie ausbauen und auf andere Krankheiten ausweiten. Die nächste Finanzierungsrunde steht also schon vor der Tür.


Gründungsbeispiele