
Dr. Matthias Klauß, Antje Vorreiter, Jörg Matthes
Quelle: Foto: BioVAG Biomass-Verwertungsagentur
"Man muss als Unternehmen flexibel sein und auf Veränderungen reagieren."
Interview mit Dr. Matthias Klauß, BioVAG Biomasse-Verwertungsagentur
KURZINFO
BioVAG Biomasse-Verwertungsagentur
Dr. Matthias Klauß
Antje Vorreiter
Jörg Matthes
Gründungsjahr: 2004
www.biovag.de
Herr Dr. Klauß, Sie haben im Jahr 2004 gegründet. Was bieten Sie an? Und wer sind Ihre Mitstreiter?
Dr. Klauß: Wir haben BioVAG im Team gegründet: Jörg Matthes, Antje Vorreiter und ich. Unsere Idee war zunächst, Biogasanlagen für landwirtschaftliche Betriebe zu planen und zu installieren.
Mittlerweile übernehmen wir aber auch Forschungsaufträge, beispielsweise Abfallgutachten, nehmen an internationalen Forschungsvorhaben teil und bieten darüber hinaus Fortbildungen im Bereich nachwachsende Rohstoffe und Abfallwirtschaft an.
Der Markt für Biogasanlagen ist unter den Herstellern aufgeteilt. War der Einstieg nicht schwierig?
Dr. Klauß: Der Markt für Standardanlagen ist aufgeteilt. Das ist richtig. Selbstverständlich haben wir nicht die finanziellen Kapazitäten, um 20 Anlagen gleichzeitig zu bauen, so wie die "Großen" in der Branche. Wir setzen eher auf individuelle Lösungen und beraten zum Beispiel Landwirte, die eine Anlage in ein bestehendes Gebäude einbauen oder an ein vorhandenes technisches System koppeln möchten. Der Landwirt bestellt dann die einzelnen Komponenten, nachdem wir die Verdingungsunterlagen erstellt und mit ihm gemeinsam die Angebote der Hersteller geprüft haben.
Anschließend bauen wir die Anlage zusammen, angepasst an die baulichen Gegebenheiten oder technischen Systeme. Wir müssen also nichts vorfinanzieren, so dass wir nicht auf Kredite angewiesen sind. Wir sind wesentlich flexibler als große Unternehmen und können somit zeitnah auf Änderungswünsche der Kunden reagieren, da wir keine Standardanlagen anbieten. Zudem haben wir auf Grund unserer Größe einen gewissen Preisvorteil, da unsere Overheadkosten relativ gering sind.
Wie sind Sie bei der Vorbereitung vorgegangen?
Dr. Klauß: Wir haben etwa elf Monate für die Vorbereitung gebraucht: In dieser Phase haben Jörg Matthes und ich EXIST-SEED (Anm. d. Red. jetzt: EXIST-Gründerstipendium) erhalten, was hervorragend war, weil wir damit in aller Ruhe unser Büro an der Bauhaus-Universität Weimar bzw. in Weimar aufbauen konnten. Die Gründungsberater von der Gründerwerkstatt neudeli haben uns dabei tatkräftig unterstützt.
Unser unternehmerisches Know-how haben wir uns vor allem durch Gespräche mit Unternehmern aus der Branche angeeignet. Wir haben einfach gefragt, was man machen muss und wie man es macht: Wie gründet man eine GbR? Wie kommt man an Kunden? Was muss man bei Verträgen beachten? Welche Versicherungen sind wichtig? Wie die Buchhaltung funktioniert, habe ich mir von unserem Steuerberater erklären lassen. Tja, und nach elf Monaten hatten wir schon den ersten Auftrag.
Wie kam das? Als Neueinsteiger Kunden zu gewinnen, war doch sicher nicht einfach?
Dr. Klauß: Nein, sicher nicht. Wenn man bedenkt, dass eine Biogasanlage mit 500 kW elektrischer Leistung ca. 1,5 Mio. Euro kostet, kann man sich vorstellen, dass sich die Kunden natürlich Unternehmen wünschen, die bereits Erfahrung haben und Referenzen vorlegen können. Das traf auf uns nicht zu. Und dann ist es natürlich schwer, vor allem wenn man nicht der geborene Verkäufer ist. Ich habe zwar festgestellt, dass eventuelle Kunden eigentlich immer positiv reagieren, wenn man einfach sagt, wie es ist: Wir kommen von der Hochschule, haben uns gerade selbständig gemacht, sind hoch motiviert und wollen zeigen, was wir können.
Aber der Durchbruch, sprich: der erste Auftrag, kam erst, als wir uns mit einem etablierten Unternehmen zusammengetan haben, das organische Rohstoffe verkauft. Mit einem etablierten Unternehmen zu kooperieren, kann ich jedem Neueinsteiger empfehlen. Man muss dabei allerdings ganz deutlich machen, was man will und was man zu bieten hat. Der Sinn einer Kooperation liegt ja darin, dass beide etwas davon haben. Bei uns passt das ganz gut. Der Partner verkauft die Rohstoffe und wir die passende Biogasanlage. Wir haben also eine Kooperation vereinbart und wurden in den Kundenstamm des Unternehmens eingeführt. Ja, und dann hat es auch geklappt mit dem ersten Auftrag. Wobei ich dazu sagen muss, dass der Preis letztlich entscheidet. Mittlerweile haben wir Kunden in Bayern und sogar in England.
Wie geht es weiter bei Ihnen?
Dr. Klauß: Uns ist bewusst, dass der Markt für Biogasanlagen in Deutschland nur noch ein paar Jahre auf dem derzeit hohen Niveau laufen wird. Es gibt eine große Anzahl von Anbietern und die Fläche, die für den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen genutzt werden kann, ist limitiert. Dazu kommt die Gesetzeslage zu den erneuerbaren Energien. Dadurch reduziert sich eventuell die Grundvergütung für Strom aus Biogasanlagen, der ins Netz eingespeist wird. Also wird es sich für die Betreiber von Biogasanlagen in Zukunft kaum noch lohnen, ausschließlich Strom zu produzieren. Um wirtschaftlich zu sein, müssen die mit innovativen Techniken und mit Kraft-Wärme-Kopplung arbeiten, d.h. sie müssen die Abwärme nutzen. Eine andere Möglichkeit ist die Einspeisung von Biogas in das Erdgasnetz.
Das heißt für uns: Der Bedarf an konventionellen Biogasanlagen wird in den nächsten Jahren zurückgehen. Darum forschen wir derzeit beispielsweise an einem Verfahren zur Trockenvergärung. Man muss als Unternehmen eben einfach flexibel sein und auf Veränderungen reagieren.


Gründungsbeispiele