
Sebastian Mönnich, Markus Becker, Hardy Menzel,
EcoIntense GmbH
Quelle: Foto: EcoIntense GmbH
"Von unseren Patenunternehmen haben wir Referenzen erhalten, die wir für die Kundenakquise einsetzen können."
Interview mit Markus Becker, EcoIntense GmbH
Kurzinfo
EcoIntense GmbH
Sebastian Mönnich
Markus Becker
Hardy Menzel
Gründungsjahr: 2007
www.ecointense.de
Herr Becker, mit welcher Geschäftsidee haben Sie und Ihre Mitstreiter sich selbständig gemacht?
Becker: Wir bieten mittelständischen Unternehmen ein webbasiertes Informationssystem für Umweltmanagement und Arbeitssicherheit an. Diese Themen gewinnen zunehmend an Bedeutung - nicht nur vor dem Hintergrund der gesetzlichen Anforderungen, sondern auch hinsichtlich Ressourcen- und Kosteneinsparung. Dass der Bedarf an einem solchen Infosystem bei den Unternehmen sehr groß ist, haben wir während unseres einjährigen studienbegleitenden Industrieprojektes fest gestellt. Es hat sich gezeigt, dass die bisherigen Softwareangebote, die es auf dem Markt gibt, entweder unzureichend oder für die Unternehmenspraxis nicht geeignet sind. Viele Unternehmen sammeln ihre Umweltdaten daher noch auf Papierbasis. Das ist nicht nur umständlich, sondern auch ineffizient, denn schließlich lebt ein Informationssystem auch davon, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit dem Thema zu tun haben, Zugriff auf alle aktuellen Daten haben.
Wir bieten mit unserem System Unternehmen zum Beispiel die Möglichkeit festzustellen, wie viele Ressourcen, also Energie-, Wasser-, Rohstoffe usw., von dem jeweiligen Produktionsprozess benötigt werden. Berichte, wie beispielsweise der Umweltjahresbericht, werden automatisiert erstellt und können danach zu wichtigen Kunden oder Behörden übermittelt werden. An weiteren Modulen, wie etwa der Verwaltung der im Unternehmen vorhandenen Gefahrenstoffe, arbeiten wir derzeit noch.
Sie haben sich im Rahmen des Industrieprojekts kennen gelernt?
Becker: Ja, wir haben damals betriebliche Umweltinformatik an der Fachhochschule für Wirtschaft und Technik (FHTW) in Berlin studiert und zur gleichen Zeit an dem Projekt teilgenommen. Uns war schnell klar, dass wir hier nicht nur die Basis für eine gute Geschäftsidee gefunden hatten, sondern uns auch als Team perfekt ergänzen. Prof. Dr. Horst Junker hat uns dann darin bestärkt, es einfach einmal mit einer Unternehmensgründung zu versuchen. Über ihn haben wir auch von EXIST-SEED (jetzt: EXIST-Gründerstipendium) erfahren, das dann jeder von uns nach absolvierter Masterprüfung beantragt hat.
Was ist das Besondere an Ihrem Team?
Becker: Zunächst einmal haben wir alle einen Abschluss als Master of Science und sind darüber hinaus ausgebildete Auditoren für Managementsysteme durch den TÜV Rheinland. Wir kennen somit also die Anforderungen unserer Zielgruppe ganz genau. Vor allem aber ergänzen wir uns sehr gut. Das heißt, die notwendigen Kompetenzen, die wir für unser Unternehmen benötigen, sind gut aufgeteilt. Hardy Menzel ist unser Spezialist für die Softwareentwicklung. Sebastian Mönnich ist für das Datenbankdesign zuständig. Und ich bin eher der Mann für betriebswirtschaftliche und Vertriebsfragen. Meines Erachtens ist eine Gründung im Team ohnehin einfacher als eine Sologründung. Wenn dann noch die richtigen Kompetenzen dazu kommen und sich auf die einzelnen Gründer verteilen, ist es ideal.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist unsere Kommunikation untereinander. Wir kennen uns jetzt seit über zwei Jahren und haben uns auch schon das eine oder andere Mal bei wichtigen Fragen gestritten. Trotzdem hat keines dieser Streitgespräche dazu geführt, dass einer von uns gesagt hat: „Mir reicht’s, ich steige aus“. Irgendwie haben wir immer wieder die Kurve gekriegt. Ich denke, das ist ein wichtiger Pluspunkt: dass uns allen bewusst ist, dass unsere Streitkultur nicht destruktiv, sondern konstruktiv ist. Vermutlich liegt das im Wesentlichen auch an unserem gemeinsamen Ziel, das wir alle erreichen wollen.
Welche Beratung haben Sie in Anspruch genommen, um sich auf Ihr Vorhaben vorzubereiten?
Becker: Wir haben uns acht Monate lang von einem Coach begleiten lassen, der uns über das Existenzgründungszentrum der FHTW vermittelt wurde. Er hat uns bei der Businessplanerstellung tatkräftig unterstützt und uns immer wieder Anregungen in den jeweiligen Bereichen gegeben. Durch diese - wenn man so will - „Hilfe zur Selbsthilfe“ konnten wir relativ schnell einen sehr fundierten und gut recherchierten Businessplan entwickeln und in den jeweiligen Gebieten enormes Wissen dazu gewinnen. Vor allem hat uns die detaillierte Betrachtung von Markt und Wettbewerb wichtige Erkenntnisse gebracht.
Außerdem haben wir selbst viele Informationen zum Beispiel im Internet recherchiert. Einen Einblick in die unternehmerische Praxis hatten wir ja bereits durch unser Industrieprojekt und zahlreiche Praktika gewonnen, so dass wir schon in etwa wussten, worauf es ankommt.
Sie haben bereits während der Businessplanphase Kontakt zu Unternehmen aufgenommen. Wie sind Sie vorgegangen?
Becker: Das damalige EXIST-SEED Programm schrieb ja vor, dass man das Unternehmen nicht gründen darf, so lange man die Förderung erhält. Wir wollten aber schon Kontakt zu potenziellen Kunden aufnehmen und hatten daher die Idee, Paten zu suchen. Das sollten Unternehmen sein, die uns bei der Entwicklung unseres Produkts mit ihren Erfahrungen zur Seite stehen. Dadurch hatten wir die Möglichkeit, die Bedürfnisse der Unternehmen genau kennen zu lernen und konnten diese bei der Entwicklung unseres Infosystems berücksichtigen. Im Gegenzug haben wir den Unternehmen unsere Software kostenlos zur Verfügung gestellt. Zum anderen haben wir über diese Patenunternehmen Referenzen bekommen, die wir für die Kundenakquise gut einsetzen können. Seit unserer Gründung, vor einem Monat, gehen wir ja systematisch auf potenzielle Kunden zu. Bei dieser so genannten Kaltakquise haben wir natürlich gute Karten, wenn wir zeigen können, dass wir bereits mit Unternehmen zusammengearbeitet haben.
Jede Markteinführung braucht Zeit.
Wie finanzieren Sie diese Anlaufphase?
Becker: Bisher hatten wir Glück: Genau an dem Tag als die EXIST-SEED Förderung auslief, haben wir erfahren, dass wir beim Multimediawettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums zu den Hauptpreisträgern gehören. Mit dem Preisgeld konnten wir unseren Start finanzieren. Aber das reicht natürlich nicht. Wir benötigen noch etwa zwei Monate für die Fertigstellung unseres Produkts und müssen die Markteinführung finanzieren. Die Suche nach einem geeigneten Beteiligungskapitalgeber steht daher bei uns ganz oben auf der Agenda.


Gründungsbeispiele