
Philipp Jacobs, Daniel Martin Mahlmann,
InCellTec
Quelle: Foto: Daniel Martin Mahlmann
„Als gründungswilliger Wissenschaftler mit einer kapitalintensiven Technologie findet man leider wenige passende Finanzierungsmodelle.“
Interview mit Dipl.-Phys. Daniel Martin Mahlmann
KURZINFO
Teamname: InCellTec
Dipl.-Phys. Daniel Martin Mahlmann
Dipl.-Chem. Philipp Jacobs
In Gründung
www.tos.rwth-aachen.de
Herr Mahlmann, mit welcher Geschäftsidee möchten Sie sich selbständig machen?
D.M. Mahlmann: Am Lehrstuhl Technologie Optischer Systeme an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen habe ich in den vergangenen Jahren ein neuartiges interferenzmikroskopisches Verfahren entwickelt. Dieses Verfahren ermöglicht die Abbildung mikroskopischer Objekte mit einem starken Bildkontrast. Für moderne Anwendungen in der Zellbiologie und Pharmaentwicklung ist das von großer Bedeutung. Darüber hinaus ermöglicht es, physikalische Messungen an Objekten, wie beispielsweise Zellen, in einer Präzision vorzunehmen, die mit keinen anderen Verfahren zu bewerkstelligen sind. Diese Messgenauigkeit eröffnet ganz neue Anwendungsfelder in der modernen Biotechnologie und der medizinischen Diagnostik. Beispielsweise können Tumorzellen mit Hilfe dieser Messung automatisch erkannt werden. Darüber hinaus gibt es breite Einsatzmöglichkeiten in der Materialforschung, zum Beispiel bei der Qualifizierung mikrooptischer Komponenten wie Lichtleiterfasern oder Mikrolinsen, die heute vielfältigen Einsatz in Digitalkameras finden.
Wie sehen Ihre bisherigen Gründungsvorbereitungen aus?
D.M. Mahlmann: Die Idee für dieses Verfahren stammt aus einer Überlegung, die sich in erster Linie am Bedarf an einer solchen Technologie orientiert und nicht allein am wissenschaftlichen Nutzen. Ich habe damit von Null angefangen und konnte nicht auf bestehende Forschungsergebnisse oder Erfahrungen aus unserem Haus zurückgreifen. Das brachte einerseits einen großen Berg an Arbeit mit sich, andererseits machte es die Finanzierung mit den im Institut vertrauten Förderinstrumenten, wie zum Beispiel denen der Deutschen Forschungsgemeinschaft, unmöglich. Neben den technischen Aufgaben musste ich mich auch um administrative Dinge kümmern. Das heißt: Es brauchte nicht nur eine Menge Geld, sondern auch Zeit.
Die Förderung durch EXIST-SEED [jetzt EXIST-Gründerstipendium] war für mich die einzige Möglichkeit, meine Projektidee weiter auszuarbeiten und ein Experimentalsystem aufzubauen, das die technischen Merkmale meines Verfahrens demonstriert. Ich konnte zwar eine gut ausgebaute Infrastruktur nutzen, und immer wieder haben mir Freunde und Kollegen dabei geholfen. Aber trotzdem waren die Kosten um ein Vielfaches höher als die Fördersumme. Hinzu kam, dass EXIST-SEED in erster Linie für die Ausarbeitung des Businessplans gedacht war. Das hat zusätzlich Zeit und Arbeit gebunden, vor allem auch deshalb, weil der Businessplan als „lebendiges“ Dokument einer steten Überarbeitung bedurfte. In der Frühphase meiner Entwicklungsarbeiten waren die Annahmen für das Geschäftsmodell doch eher spekulativ. Erst, als die Entwicklungsarbeiten etwas weiter fortgeschritten waren, konnte ich meine Geschäftstätigkeit genauer in verlässliche Zahlen fassen.
Welche Bedeutung hatte das Thema Finanzierung für Ihr Vorhaben?
D.M. Mahlmann: Eine sehr große. Sehen Sie, um eine hochtechnologische Idee umzusetzen, braucht man fachlich kompetente Mitarbeiter und Gründungspartner, die für ein Gründungsvorhaben auch die richtige Motivation mitbringen. Der aktuelle Fachkräftemangel kommt hier doppelt schwer zum tragen, weil geeignete Fachleute, die das entsprechende Know-how und den erforderlichen Einsatzwillen mitbringen, auch in konventionellen akademischen Karrieren oder in der Industrie gute Aussichten haben. Warum da das Risiko eine Neugründung eingehen? Damit will ich sagen: Diese Menschen müssen auch entsprechend entlohnt werden, sie müssen eine attraktive finanzielle Perspektive haben, auch und gerade in der Entwicklungsphase. Ich schätze mich daher sehr glücklich mit Herrn Philipp Jacobs einen Mitstreiter gefunden zu haben, der neben seiner regulären Anstellung die Zeit findet, mit viel Engagement die Verwirklichung des Projektes zu unterstützen.
Dazu kam dann sicher noch der Finanzierungsbedarf für die Entwicklung des Prototypen.
D.M. Mahlmann: Natürlich. Dabei entstehen sehr hohe Kosten für Material, Anlagen und Messgeräte sowie für das Patentierungsverfahren. Ich habe zwar das Glück, dass ich private Darlehen nutzen kann und der Lehrstuhl mich unterstützt. Trotzdem gibt es immer noch eine große Finanzierungslücke. Für einen Beteiligungskapitalgeber ist diese Phase aber einfach noch zu früh. Der will einen Prototypen sehen und sicher sein, dass die Sache auch als Produkt funktioniert. Und der Weg dorthin ist mit derart hohen Kosten verbunden, dass für ihn der Einstieg in diesem Stadium zu riskant ist. Für den muss das Gerät physisch vorhanden sein. Das will ich im Übrigen auch. Denn nur dann kann ich realistisch schätzen, wie hoch die Fertigungskosten sein werden und welche Anpassungen notwendig sind, um zum Beispiel die Kundenfreundlichkeit zu erhöhen. Aber Finanzierungsangebote wie den High-Tech Gründerfonds werde ich erst nutzen können, wenn ein Produkt vorliegt und ein Termin für den Markteintritt absehbar ist. Jetzt geht es erst einmal um die Prototypenentwicklung. Als gründungswilliger Wissenschaftler mit einer kapitalintensiven Technologie findet man allerdings dafür zur Zeit leider wenige passende Finanzierungsmodelle.


Gründungsbeispiele