
Dr. Ina Pfeiffer, Doktorandin Tina Roth und Matz
Quelle: Foto: Foto: GenoCanin GmbH
"Ich bin zwar unternehmerisch ein Newcomer, aber fachlich schon lange recht gut bekannt. Das ist natürlich ein großer Vorteil."
Interview mit Dr. Ina Pfeiffer
KURZINFO:
GenoCanin GmbH i.G.
DNA Diagnostik für vitale Tiere
PD Dr. Ina Pfeiffer
Gründungsjahr: 2007
www.genocanin.de
Frau Dr. Pfeiffer, Sie erstellen genetische Fingerabdrücke von Tieren. Stehen die auf der Fahndungsliste der Polizei?
Eher selten, aber es gab durchaus schon Fälle, bei denen wir mit der Polizei zusammen gearbeitet haben. Stellen Sie sich vor, Sie werden von einem fremden Hund gebissen. Hund und „Herrchen“ entkommen. An Ihrer Kleidung sind Speichel und Hundehaare zurückgeblieben. Anhand dieser Asservate können wir ein molekulargenetisches Profiling erstellen und mit der Polizei gerichtsfest ermitteln, wer der „Übeltäter“ war.
Aber wie gesagt, solche Fälle sind zum Glück eher selten. Häufiger sind dagegen Anfragen von Haftpflichtversicherern oder Autofahrern im Zuge von Wildunfällen. Dabei kommt es ja zu teils schweren Schäden am Auto oder sogar zu Personenschäden. Das Tier flüchtet sich, wenn auch meist schwer verletzt, in den Wald. Um den Schaden mit seiner Versicherung zu regulieren, muss der Autofahrer allerdings meist nachweisen, dass es sich tatsächlich um einen Wildunfall gehandelt hat. Und am besten ist es, wenn er weiß, was für ein Tier ihm da vor das Auto gelaufen ist. In diesem Fall schickt er uns einfach die Haare oder Blutreste, die am Auto übrig geblieben sind. Und wir können durch ein Spezialverfahren eine Authentizitätsprüfung durchführen und genau sagen, wer sein Unfallgegner war: ein Wildschwein, Reh oder Hirsch. Oder – was auch schon mal bei einem Urlaub in Schweden vorkommen kann – ein Elch.
Die DNA von Hunden hat es Ihnen aber besonders angetan.
Das liegt an dem großen Interesse von Hundezüchtern und –verbänden, die sich zum Teil schon während meiner Forschungsarbeit an der Uni an mich gewandt hatten. Deren Interesse an gesunden Hunden ist natürlich sehr groß. Allerdings treten durch die intensive Zucht bei einigen Rassen immer häufiger Erbkrankheiten auf. Die Tiere werden zum Teil blind geboren oder haben Herz- oder Hautkrankheiten. Meine angebotenen Verfahren können dazu beitragen die Häufigkeit dieser erblich bedingten Probleme schon im Vorfeld zu reduzieren, indem ich die genetischen Veranlagungen der Eltern untersuche.
In der Regel ist es ja immer am besten, wenn die jeweiligen Elterntiere genetisch so weit wie möglich auseinander liegen, um das Risiko von starker Inzucht und Erbkrankheiten einzuschränken. Das gilt auch für Rassen, die vom Aussterben bedroht sind und nun wieder vermehrt gezüchtet werden, wie zum Beispiel der Großspitz. Auch hier führe ich für die Züchter ein genetisches Profiling durch, um für gesunden Nachwuchs zu sorgen.
Wie kam es dazu, dass Sie so „auf den Hund gekommen“ sind?
Ich habe an der Universität Kassel und Göttingen viele Jahre zu den besonderen genetischen Merkmalen von Haus- und Nutztieren geforscht und offensichtlich hatte sich das schnell herumgesprochen. Jedenfalls haben sich im Laufe der Zeit immer mehr Interessenten aus dem In- und Ausland gemeldet, die aus verschiedenen Gründen ein DNA-Profil ihrer Tiere erstellen lassen wollten. Übrigens nicht nur von Hunden, sondern von allen möglichen anderen Tierarten. Interessanterweise auch von Exoten wie Papageien, Greifvögeln, Pfauen oder Schildkröten.
Die Anfragen nahmen also immer weiter zu und waren neben meiner eigentlichen Forschungsarbeit an der Universität Kassel kaum noch zu schaffen. Also habe ich mir gesagt: „Jetzt machst du da was Rundes draus.“
Und wie sahen Ihre ersten Schritte in Richtung Selbständigkeit aus?
Zunächst einmal habe ich mich an der Hochschule von UniKasselTransfer beraten lassen. Die Beratung hat mir eine gute Ausgangsbasis verschafft. Über UniKasselTransfer habe ich auch Kontakt zu anderen Gründerinnen und Gründern bekommen und der Austausch untereinander war ungemein hilfreich. Hinzu kamen auch Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Familien- und Freundeskreis, die mir jede Menge Tipps für meine Vorbereitung geben konnten.
Wenn man als Naturwissenschaftlerin jahrelang in der Forschung gearbeitet hat, betritt man ja bei einer Existenzgründung vollkommenes Neuland. Ob Steuern, rechtliche Rahmenbedingungen oder überhaupt das ganze Zahlenwerk: Das ist, als ob man neu lesen lernen muss. Ohne kompetente Fachberater ist da nichts zu machen. Und die hatte ich zum Glück.
Hinzu kam die zwölfmonatige Finanzierung über EXIST-SEED (Anm. d. Red.: jetzt EXIST-Gründerstipendium). Damit konnte ich mich voll und ganz auf die Vorbereitung meiner Gründung konzentrieren, Veranstaltungen besuchen und meinen Businessplan schreiben. Die Mühe hat sich im wahrsten Sinne des Wortes ausgezahlt, denn mit den Preisgeldern, die ich bei verschiedenen Businessplanwettbewerben wie beispielsweise dem Promotion Nordhessen gewonnen hatte, hatte ich das notwendige Startgeld zusammen, um das Unternehmen „auf die Beine zu stellen“. Hinzu kam, dass ich hier an der Uni im Inkubator außerdem noch günstig Räume mieten bzw. weiter nutzen konnte. Insofern standen die Weichen für den Start gut.
Nicht selten ist die Vermarktung ihres Produkts für Gründer aus der Wissenschaft eine große Herausforderung. Wie war das bei Ihnen?
Das war eigentlich kein Problem. Ich hatte ja bereits ein weit verzweigtes Netzwerk im Rahmen meiner Forschungsarbeit aufgebaut. Ich habe Vorträge gehalten, Bücher und Artikel geschrieben, was ich natürlich immer noch tue. Ich bin als wissenschaftliche Beraterin für Clubs, Verbände und Vereine tätig und habe mir auf diese Weise einen Namen erarbeitet. Ich bin daher zwar unternehmerisch ein Newcomer, aber fachlich schon lange recht gut bekannt. Das ist natürlich ein großer Vorteil. Die Leute wissen, dass ich ein sehr spezielles Verfahren anbiete und empfehlen mich weiter.
Nicht selten erreichen mich auch Anfragen über meine Homepage. Gestaltung und Technik hatte ich damals über EXIST-SEED finanziert. Eine lohnende Investition, wie sich mittlerweile heraus gestellt hat.
Was hat Ihnen in der Startphase besondere Schwierigkeiten bereitet?
Die Preiskalkulation ist kein einfaches Thema. Eine Dienstleistung in Zahlen zu fassen und darauf zu achten, dass vom Umsatz auch ein Gewinn übrig bleibt. Bei der Erbfehlerdiagnostik und Auftragsforschung geht es ja um maßgeschneiderte Anfragen. Und natürlich erwarten die Kunden dann auch ein maßgeschneidertes Angebot. Ich lote also gemeinsam mit dem Kunden den Preis aus. Aber das ist schwierig, wenn man keine Anhaltspunkte hat, der Preis darf ja nicht zu niedrig sein. Aber es gibt keine Vergleichszahlen für die speziellen Diagnoseverfahren, die ich anbiete. Insofern bin ich da ganz auf meine eigenen Erfahrungen angewiesen.


Gründungsbeispiele